Diemelseer Dorfentwicklung bietet auch Hausbesitzern, Pächtern und Initiativen Perspektiven

Land fördert private Investitionen mit 35 Prozent

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Beim Auftaktabend zur Dorfentwicklung in der Dansenberghalle: Bürgermeister Volker Becker am Pult und das „Bioline“-Team mit Josephine Lenk, Stefanie Koch und Bernd Wecker.Foto: -sg-

Diemelsee-Adorf - Leerstehende Wohnhäuser und Scheunen sollen in der Gemeinde möglichst nicht mehr vorkommen. Mit der Diemelseer Dorfentwicklung sollen die Dörfer, wie berichtet, ein „attraktiver Wohn- und Arbeitsstandort“ werden und ihre „Zukunftschancen eigenständig entwickeln“.

Matthias Görge vom Fachdienst Dorf- und Regionalentwicklung der Kreisverwaltung stellte beim Auftaktabend in der Dansenberghalle die Fördermöglichkeiten für Privatleute vor. Bezuschusst werden:

Investitionen in die Umnutzung, Sanierung und Erweiterung von Gebäuden,

Investitionen in Neubauten,

Investitionen zur Schaffung, Verbesserung und Ausdehnung von Freiflächen,

Investitionen zur Erhaltung des Dorfbildes,

Investitionen zur Verbesserung der Siedlungsstruktur und Lebensqualität.

Eine Förderung wird gezahlt:

bei der Erneuerung von Dächern, Fassaden, Fenstern und Türen. Bei Vorkriegsbauten müssen grundsätzlich Holzfenster eingebaut werden, Alu ist verpönt,

für die Umnutzung und Erweiterung von Gebäuden, also wenn der Wohnstandard verbessert oder wenn neuer Wohnraum geschaffen werden soll.

Weitere Neuerung:

Gebäude wie leerstehende Scheunen dürfen auch abgerissen werden, der Platz muss danach aber gestaltet werden,

für den „dorfgerechten“ Neubau oder für die Wiederherstellung von Gebäuden im Kern „nach städtebaulichen und baugestalterischen Kriterien“,

bei einer Sanierung zur Steigerung der Energieeffizienz, Stichwort Wärmedämmung.

bei Investitionen, die dem Gemeinwohl dienen, indem sie die Versorgung im Dorf verbessern oder zur Sicherung der Daseinsvorsorge beitragen

für die Objektplanung.

Das Land fördert die zuschussfähigen Nettokosten mit 35 Prozent. Allerdings muss eine Investition über 10000 Euro liegen. Höchstens 45000 Euro zahlt das Land pro Objekt.

Für jeden Ortsteil wird noch ein Dorfentwicklungsgebiet festgelegt, für das es eine Förderung gibt. Üblicherweise zählen die Dorfkerne dazu, nicht jedoch Neubaugebiete. Allerdings ist mit dem neuen Programm möglich, auch Arbeiten an nach 1945 gebauten Häusern zu fördern.

Ebenfalls ist neu, dass Bauvorhaben von „ehrenamtlichen und bürgerschaftlichen Initiativen“ gefördert werden, die Angebote oder die Grundversorgung im Dorf verbessern, das Gemeinschaftsleben bereichern oder das Kulturleben entwickeln. Dazu zählen etwa Krabbelgruppen, Nachbarschaftshilfen oder Museumsvereine.

Eine kostenlose Beratung bietet die Architektin Ute Friedrich aus Marienhagen an. Görge rief auf, das Angebot zu nutzen, egal, ob später ein Förderantrag gestellt werde. Wichtig: Die Privatleute dürfen mit ihren Bauarbeiten erst beginnen, wenn der Fachdienst Regionalentwicklung den Antrag per Zuwendungsbescheid genehmigt hat.

Friedrich schreibt auch den „städtebaulichen Fachbeitrag“. Der legt für Diemelsee fest, was im Dorf eine „ortstypische Bauweise“ ist – etwa Fachwerk, Sichtmauerwerk, Schindeln und Ziegeln, Holzverkleidungen oder steile Dächer. Daran müssen sich auch die Bauherren orientieren, wenn sie Fördergelder vom Land haben wollen.

Die letzten Förderanträge müssen bis zum 30. September 2022 im Korbacher Kreishaus vorliegen. Ansprechpartner bei Fragen sind Ute Friedrich, Matthias Görge und Anke Linnekugel von der Gemeindeverwaltung in Adorf.

Die Leitlinien zur Förderung für Privatleute im Rahmen der Dorfentwicklung sollen auch unter www.de-diemelsee.de veröffentlicht werden.

Von Dr. Karl Schilling

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