Überarbeitung des Messnetzes statt Subvention

Landwirte demonstrieren in Korbach gegen „Bauern-Milliarde“

Spontane Demo: Die Landwirte (von links) Johannes Bauer, Florian Wiehl, Alexander Emde, Carsten Becker, Carsten Rube und Nicole Schwarzer sprechen sich vor der CDU-Geschäftsstelle gegen die „Bauern-Milliarde“ aus.
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Spontane Demo: Die Landwirte (von links) Johannes Bauer, Florian Wiehl, Alexander Emde, Carsten Becker, Carsten Rube und Nicole Schwarzer sprechen sich vor der CDU-Geschäftsstelle gegen die „Bauern-Milliarde“ aus.

Korbach. Bauern sagten in Korbach "Nein" zu einer neuen Subvention - in Sachen Düngeverordnung sehen sie ein viel grundlegenderes Problem: Die deutschen Messungen seien irreführend.

Eine Milliarde Euro hat die Bundesregierung Donnerstagnacht zugesagt, um Landwirten bei der Umsetzung der verschärften Düngeverordnung zu helfen. „Wir wollen das Geld gar nicht“, sagt derweil Johannes Bauer, Landwirt aus Gembeck – und nicht nur er: Überall in Deutschland hatte das Bündnis „Land schafft Verbindung“ am Donnerstag dazu aufgerufen, den Regierungsparteien diese Botschaft mitzuteilen.

Vor der CDU-Geschäftsstelle in Korbach fand sich spontan ein halbes Dutzend Landwirte aus Korbach, Twistetal und Diemelsee ein. Mit der finanziellen Unterstützung, die CSU-Chef Markus Söder „Bauern-Milliarde“ taufte, könnten sie nichts anfangen: „Das will gar keiner haben“, sagt Alexander Emde aus Diemelsee: „Wir wollen, dass faire Bedingungen geschaffen werden.“

Was sie meinen: Die Verschärfung der Düngevorschriften ist eine Reaktion auf die Klage der EU wegen der im europäischen Vergleich eklatant hohen Messwerte von Nitrat im Grundwasser – abgesehen von Malta weist kein Land auch nur einen halb so hohen Anteil an Proben mit mehr als 50 Milligramm Nitrat pro Liter auf. „Aber Deutschland hat nur einen Bruchteil der Messstationen an die EU gemeldet“, erklärt Johannes Bauer – nämlich die stark belasteten. Dabei fordere die EU repräsentative Werte.

Die Demonstranten verweisen auf verschiedene Recherchen – tatsächlich weist der Nitratbericht 2012, auf den die EU-Klage folgte, selbst darauf hin, dass die Stationen herangezogen wurden, die nicht repräsentativ sind, sondern die Auswirkung von Maßnahmen am besten zeigen. Der Nitratbericht von 2016 zog dann laut Umweltbundesamt 700 statt vormals 162 Messstellen heran – „Land schafft Verbindung“ beklagt die Auswahl in einer Pressemitteilung, zumal das besonders schwer getroffene Netz komplett übernommen worden sei.

Die Landwirte verlangten seit Monaten, dass die Messungen offengelegt werden, sagt Carsten Becker aus Adorf – Erfolg hätten sie nicht, auch das Land Hessen mauere . Die Messungen seien schon bei der letzten Novelle der Düngeverordnung 2017 kritisiert worden – doch nichts habe sich getan: „Die Politik hat geschlafen und wir sollen jetzt die Kosten tragen.“ Wobei die „Bauern-Milliarde“ mit vier Jahre lang 950 Euro pro Betrieb bei Investitionen von zehntausenden Euro kaum helfe.

Das Geld führe nur dazu, dass die Bevölkerung die Anliegen der Bauern nicht ernst nehme: „Was wollt ihr denn? Ihr kriegt doch Geld“, würden die meisten fragen, befürchtet Alexander Emde. Besser sei es, mit den Mitteln die EU-Strafen zu zahlen – und in dieser Zeit das deutsche Messnetz zu überarbeiten. Eine Überprüfung fordert auch „Land schafft Verbindung“ – sowohl auf Aussagekraft der Messungen als auch auf baulichen Zustand.

Johannes Bauer betont derweil: „Am Nitrat muss etwas getan werden.“ Aber wenn die besonders betroffenen „roten Gebiete“ nicht sachgemäß ausgewiesen würden, helfe das nicht. „Was gerade geschieht, ist reine Augenwischerei. Ohne vernünftiges Konzept tut sich nichts.“

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