Neujahrsempfang des Kreisbauernverbandes Waldeck

Landwirtschaftliche Flächen schützen

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Stoßen auf das neue Jahr an (von links): Vorsitzender Karsten Schmal, die hessische Milchkönigin Svenja Löw, Geschäftsführerin Stephanie Wetekam und Gastredner Dr. Günther Lißmann, Dezernatsleiter im Regierungspräsidium in Kassel. Foto: Lutz Benseler

Korbach-Strothe - Landwirtschaftliche Flächen werden knapper - und sollten deshalb genauso wie Naturschutzgebiete geschützt werden. Das hat Dr. Günther Lißmann vom Regierungspräsidium in Kassel gestern beim Neujahrsempfang des Kreisbauernverbandes in Strothe gefordert.

2015 ist das internationale Jahr des Bodens. Die Vereinten Nationen haben dazu aufgerufen, um die Bedeutung des wichtigsten Produktionsfaktors der Landwirtschaft - den Boden - mehr in das öffentliche Bewusstsein zu rücken. Doch auch im Landkreis Waldeck-Frankenberg zeichnet sich der Trend zu immer weniger landwirtschaftlich genutzten Flächen ab. Ein Grund ist, dass die Flächen für Straßen und Industrie genutzt werden.

Im Jahr 2200 kein Ackerland mehr in Hessen?

Würde der Flächenverbrauch tatsächlich ungebremst weitergehen, gäbe es im Jahr 2200 kein Ackerland mehr in Hessen, rechnet Dr. Günther Lißmann vor. Eine alarmierende Situation, findet der Leiter des Dezernats Landwirtschaft beim Regierungspräsidium in Kassel. Als Gastredner beim Neujahrsempfang des Kreisbauernverbandes Waldeck forderte er vor Gästen aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft: „Landwirtschaftliche Flächen sollten den gleichen Schutz wie FFH-Gebiete genießen.“ Die Bundesregierung müsse eine wirksame Regelung finden, sagte Lißmann.

Die langfristige Existenz der Menschheit könne nur durch eine konsequent nachhaltige Wirtschaftsweise gesichert werden, so der promovierte Agrarwissenschaftler. Eine Herausforderung: Die noch verfügbare Ackerfläche der Erde muss heute für eine Weltbevölkerung von 7,2 Milliarden Menschen ausreichen. Für das Jahr 2050 werden nach einer Studie der Vereinten Nationen 9,5 Milliarden Menschen erwartet. Gleichzeitig erwarten die Vereinten Nationen für das Jahr 2050 ein Wachstum der Nahrungsmittelnachfrage um 70 Prozent. Lißmann: „Wo sollen die zusätzlich benötigten Agrarrohstoffe aber auch Wasser und Bodenschätze dauerhaft herkommen? Das Wachstum der Menschheit und die abnehmende Ressourcenverfügbarkeit sind bei gegenwärtiger Wirtschaftsweise mächtig auf Kollisionskurs.“

Der Agrarwissenschaftler sieht drei Lösungsansätze: Die Nahrungsmittelverluste müssten verringert, die Produktion müsse nachhaltig intensiviert und die Agrarflächen müssten besonders geschützt werden. Letzteres sei nur durch staatliche Regulierung zu schaffen, sagte Lißmann: „Der Flächenmarkt lässt sich nicht mit der Marktwirtschaft regeln.“ Dafür seien die Preise landwirtschaftlicher Flächen zu günstig und die Finanzmittel der Landwirte zu gering. Vielmehr müsse die Inanspruchnahme von landwirtschaftlicher Fläche für Siedlungs- und Verkehrsflächen mit einer wirksamen Abgabe auf den Kaufpreis belegt werden.

Karsten Schmal, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Waldeck, hatte zum Beginn der Veranstaltung die Gäste im Strother Dorfgemeinschaftshaus begrüßt. Der Neujahrsempfang werde künftig im jährlichen Wechsel im Norden und Süden des Landkreises ausgerichtet, kündigte er an.

Erster Kreisbeigeordneter Jens Deutschendorf blickte auf das Ende der Milchquote zum 1. April 2015. „Es besteht die berechtigte Befürchtung, dass der freie Markt mittelfristig zu sinkenden Preisen führen wird. Die Auswirkungen auf die Landwirtschaft im Landkreis müssen wir im Blick haben.“

Gestiegen seien auch die Ansprüche der Gesellschaft an die Landwirtschaft. Das drücke sich aber noch nicht in der Bereitschaft der Verbraucher aus, einen höheren Preis für Lebensmittel zu bezahlen. Die Landwirtschaft müsse dennoch den Dialog mit der Gesellschaft suchen. „Und das tut sie auch, das stimmt mich zuversichtlich“, so Deutschendorf. Grüße richtete auch Korbachs Bürgermeister Klaus Friedrich aus.

Von Lutz Benseler

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