Korbacher Hospizverein bietet ab September Trauerseminar an

Das Leben leise wieder lernen

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Laden zur Trauergruppe ein: Sabine Behle, Johannes Helmer und Christine Bernhardt-Engemann vom Korbacher Hospizverein.

Korbach - Zuhören, Austauschen, Stärke zurückgewinnen: Der Hospizverein lädt zu einem Trauerseminar ein. Menschen, die einen Angehörigen verloren haben, sind an acht Abenden zum Gedankenaustausch eingeladen.

Die Trauer vertreiben? „Das geht nicht“, sagt Christine Bernhardt-Engemann. Trauer habe ihren Raum. Und deswegen steht im Mittelpunkt des Seminars, das der Hospizverein ab September anbietet, auch nicht das Zurücklassen der Trauer. „Wir wollen den Menschen Raum geben für ihre Trauer und sie gemeinsam reflektieren“, sagt Pastor Johannes Helmer.

Dabei wendet sich der Hospizverein vor allem an Menschen, deren Verlust schon mindestens sechs Monate zurückliegt. „Für alle anderen bieten wir eine persönliche Trauerbegleitung an“, sagt Christine Bernhardt-Engemann, „für das Gespräch in der Gruppe ist es noch zu früh.“

Vor anderthalb Jahren haben Johannes Helmer, Christine Bernhardt-Engemann und Sabine Behle an der Ausbildung zum Trauerbegleiter teilgenommen. „Und jetzt wollen wir auf eine große Nachfrage reagieren“, erklärt Christine Bernhardt-Engemann. Viele Menschen würden sich in ihrer Trauer allein gelassen fühlen. Das will der Hospizverein mit dem Trauerseminar ändern. Eine „Selbsthilfegruppe“ auf Zeit soll das Angebot sein: An acht Abenden treffen sich die Teilnehmer. „Wir wollen einen geschützten Raum bieten“, sagt Helmer, „um Vertrauen zueinander aufzubauen.“ Fragen nach den eigenen Gefühlen, Zeit zum Klagen, Weinen, aber auch für Wut oder das schlechte Gewissen will die Gruppe zulassen.

„Trauernde haben manchmal das Gefühl, dass sie verrückt werden“, sagt Christine Bernhardt-Engemann aus ihrer Erfahrung mit der Begleitung, „sie meinen, ihre Art zu trauern sei nicht normal.“ Dieses Gefühl soll den Teilnehmern in der Gruppe genommen werden. Es gehe darum, das Leben wieder leise zu lernen. „Wir wollen die Fragen, die sich stellen auch vor dem Hintergrund der eigenen Spiritualität und des eigenen Glaubens beantworten“, sagt die Fachfrau und betont, dass Teilnehmer aller Kulturkreise und Religionen willkommen sind.

Die Gruppe trifft sich am 3. und 17. September, am 1., 15. und 22. Oktober, am 12. und 26. November und am 10. Dezember von 18.30 bis 20.30 im Kilians-Gemeindehaus. Eine Anmeldung bis zum 22. August ist notwendig - im Hospizbüro unter Telefon 05631/5061900 oder per Anmeldeflyer, der in Gemeindehäusern, Arztpraxen und im Bürgerbüro ausliegt. Die Teilnehmerzahl ist auf 14 beschränkt.

Am 21. Juli lädt der Hospizverein zu einer Infoveranstaltung zu dem neuen Angebot ein - um 18.30 Uhr im Gemeindehaus in der Friedrichstraße. Die Teilnahme am Infoabend ist keine Voraussetzung zur Anmeldung für die Trauergruppe. Das Angebot ist kostenlos. (resa)

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