Hygiene im Stadtkrankenhaus Korbach

Keime immer bedrohlich ?

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Händedesinfektion gehört zu den wichtigsten Hygienemaßnahmen im Krankenhaus.

Gefährliche Keime an Krankenhäusern machen immer wieder Schlagzeilen. Einige Fachverbände fordern, die infektiologische Versorgung  zu verbessern. Die Fachkraft für Krankenhaushygiene im Stadtkrankenhaus Korbach, Gabriele Gomolinsky, informiert über Risiken und Vorbeugung.

Für den Laien: Welche Bedeutung haben Keime für den Menschen? Sind sie nicht etwas Natürliches – und sogar wichtig für die Gesundheit? Und: Wann können sie Erkrankungen hervorrufen?

Gabriele Gomolinsky, Fachkraft für Krankenhaus- hygiene.   

Gomolinsky: Das stimmt. Eine Vielzahl von Bakterien und Viren besiedeln (kolonisieren) den menschlichen Körper, ohne dabei Schaden anzurichten. Im Gegenteil: Darmbakterien helfen uns bei der Verdauung, Bakterien auf der Haut dienen als Barriere. Alle schützen, denn sie sind Teil unseres Immunsystems. Gelingt es Bakterien oder Viren jedoch, von ihrem natürlichen Wohnort in andere Körperregionen einzudringen, können sie dort zu einer Infektion führen, sie müssen es aber nicht. Bei immungeschwächten Patienten, bei Patienten mit chronischen Vorerkrankungen oder offenen Wunden ist das Risiko für die Entstehung einer Infektion jedoch erhöht.

Gibt es in Ihrem Haus Hygienestandards?

Gomolinsky: Ja, die gibt es. In Hessen ist die Hessische Hygieneverordnung maßgeblich, zudem sind wir an die Veröffentlichungen der KRINKO gebunden. KRINKO ist die Abkürzung für „Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention“, die beim Robert-Koch-Institut eingerichtet ist. Diese Veröffentlichungen schreiben vor, welche Maßnahmen zur Infektionsprävention getroffen werden müssen. In unserem Hygieneplan finden Sie Vorgaben zur Händehygiene, zum hygienischen Verhalten bei Verbandwechseln, dem Umgang mit Gefäßzugängen, Harnblasenkathetern und vieles mehr.

Unter UV-Licht lässt sich visualisieren, wie gut die Hände desinfiziert sind. Das Korbacher Stadtkrankenhaus setzt die Speziallampe unter anderem bei Schulungen ein, um das Bewusstsein für eine korrekte Desinfektion zu schärfen.  

Die Patientensicherheit steht in unserer Klinik an erster Stelle – in der Infektionsprävention ist die Händedesinfektion natürlich das A und O. Aus diesem Grund nimmt die Klinik freiwillig an der „Aktion Saubere Hände“ teil. In allen Patientenzimmern, auf den Fluren oder im Foyer hängen Spender mit Händedesinfektionsmitteln. Es gibt fünf spezielle Momente, in denen eine Händedesinfektion zwingend erforderlich ist. Dazu zählt die Händedesinfektion unmittelbar vor der Berührung des Patienten. Informationsflyer dazu hängen im Krankenhaus aus und sind auf den Stationen erhältlich. Ein Videoclip der Aktion Saubere Hände läuft zudem dauerhaft in unserem Patientenkanal.

Gibt es Hygienefachpersonal in Ihrem Haus? Gibt es regelmäßige Pflichtfortbildungen zum Thema Hygiene?

Gomolinsky: Die Fachkraft für Krankenhaushygiene wird gerade von ihnen interviewt. Des Weiteren gehören unserem Hygiene-Team Krankenhaushygieniker (Fachärzte für Hygiene und Umwelt des uns beratenden Instituts für Krankenhaushygiene und Infektionskontrolle/IKI in Gießen), hygienebeauftragte Ärzte jeder Fachabteilung und mehrere hygienebeauftragte Pflegekräfte an. So haben wir überall Ansprechpartner im Bereich der Hygiene vor Ort.

Die interdisziplinär besetzte Hygienekommission tagt zudem mindestens zweimal im Jahr und evaluiert das Hygienekonzept der Klinik. Krankenhaushygienische Begehungen werden häufig durchgeführt. Pro Jahr finden mehrere Pflichtfortbildungen statt. Die Teilnahme wird überprüft, Nichtteilnahmen werden angemahnt. Somit gehören diese Veranstaltungen für alle Mitarbeiter zur selbstverständlichen Krankenhausroutine.

Häufig hört man vom Staphylococcus aureus oder vom Methicillin-resistentem Staphylococcus aureus. Ist dieser besonders gefährlich?

Gomolinsky: Der Staphylococcus aureus ist als Besiedler der Haut sowie der Schleimhäute des Nasen-Rachen-Raumes bei Mensch und Tier weit verbreitet. Laut Robert-Koch-Institut tragen bis zu 40 Prozent der gesunden Erwachsenen dieses Bakterium im Nasen-Rachen-Raum. Der alleinige Nachweis ohne Infektionszeichen ist nicht gefährlich und muss niemanden beunruhigen.

Eine Infektion, verursacht durch einen Methicillin-sensiblen Staphylococcus aureus (MSSA), lässt sich gut mit Antibiotika behandeln, da viele Substanzen weiterhin wirksam sind.

Beim Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) sind die Therapiemöglichkeiten durch die vorhandenen Resistenzen auf Antibiotika deutlich eingeschränkter. Gefährlicher, im Sinne von schlimmer krank machend, ist er aber nicht.

Treffen Sie Maßnahmen im Krankenhaus, um Infektionen mit antibiotika-resistenten Erregern vorzubeugen?

Gomolinsky: Wir sind durch das Infektionsschutzgesetz verpflichtet, alle erforderlichen Maßnahmen zu treffen, um Infektionen im Krankenhaus zu verhüten und die Weiterverbreitung von Krankheitserregern, insbesondere solcher mit Resistenzen, zu vermeiden.

Um herauszufinden, ob ein Patient Träger eines antibiotikaresistenten Erregers ist, werden wir bereits bei der Aufnahme ins Krankenhaus tätig und führen entsprechende Untersuchungen durch. Das kann ein Test auf den Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) sein oder auch eine Suche nach antibiotikaresistenten Darmkeimen, wenn der Patient zuvor beispielsweise in einem ausländischen Krankenhaus stationär behandelt wurde. Häufig werden diese Patienten vorsorglich in einem Einzelzimmer untergebracht.

Alle Mitarbeiter tragen bei der Versorgung zusätzlich Schutzkleidung. Patienten, die sich für einen endoprothetischen Eingriff oder eine Operation an ihrer Wirbelsäule in unserem Haus entschieden haben, werden bereits im Rahmen ihrer ambulanten Voruntersuchung in der Klinik mittels eines Abstrichs auf MRSA untersucht.

Sollte dieser positiv sein, erhält der Patient von uns kostenfrei ein sogenanntes „Sanierungs-Kit“ mit nach Hause, um den Keim vor dem Krankenhausaufenthalt zu beseitigen. Das Kit enthält eine antiseptische Waschlotion, Mundspülung, Nasensalbe, Einmalzahnbürsten, Einmalkämme und ausführliche Informationen. Nach der Anwendung werden von uns Kontrollabstriche entnommen. Erst wenn diese negativ ausfallen, kann die geplante Operation durchgeführt werden.

Als Mitglied des MRE-Netzwerkes Nord-/Osthessen befassen wir uns zudem überregional mit dem Umgang multiresistenter Erreger und entwickeln gemeinsame Standards. Es trägt zur Aufklärung bei, dass die umgangssprachliche Bezeichnung von multiresistenten Erregern als „Krankenhauskeime“ irreführend ist: die Erreger kommen nicht aus dem Krankenhaus, sondern gelangen auch von außen dort hinein. Viele Menschen tragen solche Keime am Körper, ohne erkrankt zu sein.

Nun beginnt wieder die Zeit der häufiger auftretenden Norovirus-Infektionen. Sehen Sie zurzeit eine Gefahrenlage und wie stellen Sie sich darauf ein?

Gomolinsky: Wir müssen abwarten, wie sich die Anzahl der Norovirus-Erkrankungen in der kommenden Saison entwickelt. Bei hohen Erkrankungszahlen kann es vorkommen, dass wir Bereiche für die Aufnahme Nicht-Norovirus-Erkrankter sperren müssen, um diese nicht zu gefährden. Aber warten wir erstmal ab. Es gab auch schon Zeiten, in welchen die Erkrankungszahlen durchaus überschaubar blieben.

Bei Krankheitsfällen, die zu Hause auskuriert werden: Gibt es Verhaltensregeln, die Erkrankte und Menschen in ihrem Umfeld grundsätzlich auch daheim beachten sollten?

Gomolinsky: Ja, die gibt es. Im häuslichen Bereich sollte man die allgemein gültigen Regeln der Hygiene beachten. Waschen Sie regelmäßig und gründlich Ihre Hände mit Seife (mindestens 20 Sekunden aufschäumen), denn die Hände sind die häufigsten Überträger von ansteckenden Krankheitserregern. Verzichten Sie im häuslichen Bereich auf den Einsatz von Desinfektionsmitteln, auch wenn die Werbung Ihnen anderes suggeriert. Nur in Einzelfällen kann der Einsatz von Desinfektionsmitteln, die im medizinischen Bereich verwendet werden, auch im privaten Haushalt sinnvoll sein.

Müssen Sie Antibiotika gegen eine bakterielle Infektion (gegen Viren helfen Antibiotika nicht) einnehmen, besprechen Sie ein früheres Absetzen des Arzneimittels, weil Sie sich schnell besser fühlen, unbedingt mit Ihrem behandelnden Arzt. Es besteht sonst die Gefahr, dass ein Teil der Bakterien die Behandlung unbeschadet übersteht, sich anpasst (Resistenz) und fortan schwerer zu bekämpfen ist. /Achim Rosdorff

Weitere Hygiene-Tipps gibt es bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), www.infektionsschutz.de/hygienetipps.de

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