Arztinterview im Korbacher Stadtkrankenhaus

Zu viel Alkohol kann Leber schaden

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Lebererkrankungen können in jedem Alter auftreten und zu starken Schmerzen führen.  

Lebererkrankungen gehören zu den größten Gesundheitsproblemen und führen häufig zum Tod. Häufigste Ursache ist Übergewicht. Über Vorsorge- sowie Therapiemöglichkeiten informieren die Internisten Dr. Frank Reinhardt und Dr. Arved-Winfried Schneider am Stadtkrankenhaus Korbach.

Welche Bedeutung hat die Leber für den menschlichen Körper?

Dr. Reinhardt: Die Leber ist das zentrale Stoffwechselorgan des Menschen. Nährstoffe, die durch den Darm in die Blutbahn aufgenommen wurden, werden durch die Pfortader in die Leber geschleust und hier je nach Bedarf verwertet, umgewandelt, abgebaut oder gespeichert. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Syntheseleistung der Leber. So werden in der Leber zahlreiche Eiweiße hergestellt, unter anderem die Blutgerinnungsfaktoren und die anderen Bluteiweiße.

Dr. Frank Reinhardt (rechts) und Dr. Arved-Winfried Schneider - Internisten, Gastroenterologen, Hepatologen und Ernährungs- mediziner am Stadtkrankenhaus Korbach.

Eine weitere bedeutsame Funktion ist die Entgiftung von Substanzen, die im Körperstoffwechsel anfallen oder von außen zugeführt werden, wie beispielsweise Alkohol. Zusätzlich produziert die Leber die Gallenflüssigkeit, die insbesondere für die Verdauung von Fetten im Darm notwendig ist.

Welche Lebererkrankungen gibt es? Welche sind besonders häufig und woran liegt das?

Dr. Schneider: Die Anzahl der Lebererkrankungen ist groß. Sie im Einzelnen aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen.

Weltweit ist derzeit die chronische Virushepatitis B das häufigste Leiden mit 240 Millionen Erkrankten. Bei der Gruppe der infektiösen Lebererkrankungen besitzen neben den Virushepatitiden auch bakterielle und parasitäre Infektionen Bedeutung. Daneben gibt es die Gruppe der angeborenen Stoffwechselstörungen, die durch Überladung der Leberzellen mit einzelnen Stoffen zu einer Leberzellschädigung führen. Weiterhin können vielfältige Formen von Giftstoffen der Leber zusetzen, der bekannteste ist Alkohol. Bei den so genannten autoimmunen Leberentzündungen wendet sich die Körperabwehr aus ungeklärter Ursache gegen die Leberzellen.

Erwähnenswert sind darüber hinaus die Erkrankungen der Gallenwege in und außerhalb der Leber. Die in Zukunft in Mitteleuropa bedeutsamste Form der Leberleiden ist die nichtalkoholische Fettleber mit ihrem Übergang in eine Fettleberentzündung.

Man geht davon aus, dass in den nächsten Jahrzehnten die zahlenmäßig bedeutsamste Lebererkrankung die sogenannte nichtalkoholische Fettlebererkrankung und in der Folge die Fettleberhepatitis sein wird. Deren Entwicklung wird insbesondere durch Übergewicht und Diabetes mellitus getrieben, wobei der Diabetes mellitus selbst auch häufig eine Folge des Übergewichts ist.

Wie groß die Problematik ist, kann man daran erkennen, dass etwa 65 % der Männer und rund 48 % der Frauen in Deutschland übergewichtig sind.

Dazu liegt nicht selten auch die Kombination aus übermäßiger Kalorienaufnahme und erhöhtem Alkoholkonsum vor. So ist eine schädigende Wirkung von Alkohol bereits von Konsum von mehr als 24 Gramm bei Männern und 12 Gramm bei Frauen zu erwarten. Frauen sollten demnach nicht mehr als 0,3 Liter Bier oder 0,15 Liter Wein am Tag trinken, Männer nicht mehr als 0,6 Liter Bier oder 0,3 Liter Wein. Neueste Studien sprechen sogar von noch geringeren Mengen.

Wer ist von den Leberleiden betroffen? Gibt es ein typisches Erkrankungs- alter?

Dr. Reinhardt: Lebererkrankungen können in jedem Lebensalter auftreten. Für die verschiedenen Erkrankungen gibt es sehr unterschiedliche Altersgipfel und Risikofaktoren.

Wie gefährlich sind Leberleiden?

Dr. Reinhardt: Hier muss man grundsätzlich zwischen akuten und chronischen Lebererkrankungen unterscheiden.

Akute Lebererkrankungen können unmittelbar zum Tod führen, wie zum Beispiel die Knollenblätterpilzvergiftung. Viele dieser akuten Erkrankungen heilen aber spontan oder unter überschaubarer Therapie aus. In der Medizin spielen daher die chronischen Lebererkrankungen eine bedeutendere Rolle. Diese Erkrankungen führen langsam, aber kontinuierlich zu schwerwiegenden Strukturschäden der Leber. Hierbei wird zunehmend funktionstüchtiges Lebergewebe durch Bindegewebe ersetzt (Fibrose), bis so viel Lebergewebe umgebaut ist, dass eine Leberzirrhose vorliegt. Diese ist gekennzeichnet durch einen zunehmenden Verlust der schon beschriebenen Leberfunktionen.

Zusätzlich kommt es zu einem Blutstau vor der Leber, wodurch Blutungen in den Magen-Darm-Trakt ausgelöst werden können.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Dr. Schneider: Bahnbrechende Fortschritte sind bei der Behandlung der chronischen Virushepatitis C in den letzten Jahren gemacht worden. So ist es mittlerweile möglich, nahezu alle Patienten mit einer chronischen Virushepatitis C zu heilen. Diese Therapie erfolgt in Form einer Tabletteneinnahme, die Nebenwirkungsrate ist gering. Die chronische Virushepatitis B lässt sich ebenfalls schon seit Jahren gut behandeln. So ist hier mittels einfacher Tabletteneinnahme eine Unterdrückung der Virusvermehrung möglich, sodass die schädigende Wirkung des Virus massiv reduziert wird.

Auch für seltenere Erkrankungen wie die Autoimmunhepatitis, die primär biliäre Cholangitis und die Eisenspeicherkrankheit stehen effektive Therapiekonzepte zur Verfügung.

Auch bei nahezu allen anderen Leberleiden gibt es Behandlungsmöglichkeiten, die in den vergangenen Jahren noch verbessert wurden.

Welche Behandlungen werden am Stadtkrankenhaus Korbach durchgeführt?

Dr. Reinhardt: Sämtliche etablierten medikamentösen Behandlungskonzepte werden am Stadtkrankenhaus Korbach, insbesondere in der Lebersprechstunde von Herrn Dr. Schneider, durchgeführt. Hier, wie im stationären Bereich, stehen modernste Konzepte zur Diagnostik der Erkrankungen zur Verfügung, wie die laparoskopische (Bauchspiegelung) Untersuchung der Leber mit Gewinnung von Gewebsproben, die sonographische Steifigkeitsmessung der Leber, mittels derer das Vorliegen eines zirrhotischen Umbaus beurteilt werden kann. Erkrankungen der Gallenwege können mittels Endoskopie der Gallenwege (Cholangioskopie) abgeklärt und behandelt werden. Bei bereits eingetretener Leberzirrhose können Blutungen in den Magen-Darm-Trakt endoskopisch mittels Ösophagusvarizenligatur (Abbinden von Krampfadern in der Speiseröhre) und Radiofrequenzablation von Gefäßerweiterungen im Magen verhindert oder gegebenenfalls behandelt werden.

Wie viele Behandlungen werden jährlich im Stadtkrankenhaus Korbach durchgeführt?

Dr. Reinhardt: Nimmt man die ambulante Lebersprechstunde und die stationären Aufenthalte zusammen, so werden mehr als 1000 Patienten mit Leberleiden jährlich in unserem Haus behandelt.

Kann man einer Lebererkrankung vorbeugen?

Dr. Schneider: Die Impfung der Neugeborenen gegen Hepatitis B sollte von allen Eltern positiv begleitet werden. Außerdem sollten bei Gesundheitschecks die Leberwerte bestimmt werden. Zeigen sich einer oder mehrere davon erhöht, sollte die Ursache abgeklärt werden.

Darüber hinaus kann eine große Anzahl von Leberleiden durch Beschränkung von Alkoholkonsum und Kalorienaufnahme vermieden werden. Dabei muss darauf hingewiesen werden, dass der Entwicklung einer Adipositas nicht nur durch bewusste Ernährung, sondern auch durch sportliche körperliche Aktivität entgegengewirkt werden kann. /Achim Rosdorff

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