Korbacher Fachinformatiker Michael Martin zählt zu den landesweit besten Auszubildenden

Leidenschaft fürs Programmieren

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Der Korbacher Fachinformatiker Michael Martin an seinem Arbeitsplatz bei Kocos. Die IHK hat den 24-Jährigen ausgezeichnet, weil er zu den landesweit besten Auszubildenden gehört..Foto: -sg-

Korbach - Seine Leidenschaft hat er zum Beruf gemacht: das Programmieren. Und darin ist er ziemlich gut: Die IHK hat den Korbacher Fachinformatiker Michael Martin als landesweit besten Auszubildenden ausgezeichnet.

Sein „Handwerkszeug“ ist ein Rechner. Und gewissermaßen sein „Köpfchen“: Kreativ sein, sich flexibel an Kundenwünsche anpassen, eingefahrene Wege verlassen und neue Lösungen suchen, im Team Ideen zusammentragen und weiterentwickeln - das alles gehört zum anspruchsvollen, aber auch vielseitigen Beruf des 24 Jahre alten Michael Martin.

Seinen Beruf gibt es erst seit 1997, er kommt aus der schnell wachsenden Welt der Informationstechnologie: Martin ist Fachinformatiker in der Fachrichtung Anwendungsentwicklung. Er gehört zu den 21 Landesbesten aus Nordhessen, die - wie berichtet - die Industrie- und Handelskammer Kassel/Marburg jüngst bei einer Feierstunde in Kassel geehrt hat.

Gute Prüfungsergebisse

Bei Kocos-Messtechnik am Korbacher Südring hat Martin seine Ausbildung durchlaufen. Für das weltweit tätige Unternehmen ist es der zweite große Erfolg: Schon vor zwei Jahren hat die IHK einen Einser-Absolventen aus dem Haus ausgezeichnet. Aber sehr gute oder gute Prüfungsergebnisse seien für Lehrlinge des Betriebs die Regel, sagt Martins Chef Frank Richter, der bei Kocos Abteilungsleiter für Entwicklung ist.

Martin stammt aus Gieboltshausen bei Göttingen. Mit Computern ist er aufgewachsen. Und wie viele Nutzer störte er sich an den Unzulänglichkeiten von Programmen. „Das muss doch auch besser gehen“, sagte er sich: „So fängt man selbst an zu programmieren.“ Dass er auch beruflich in die Richtung Informationstechnologie gehen wollte, stand für ihn schon ziemlich früh fest: „Mir war klar, dass ich nichts anderes machen wollte.“ Schon in der Realschule belegte er das Wahlpflichtfach Informatik. Mit der Mittleren Reife wechselte er zur Berufsfachschule mit Schwerpunkt Informatik und begann eine Lehre. Doch nach einem Jahr war für ihn klar, dass es nicht passte.

Die Liebe führte ihn nach Korbach: Übers Internet lernte er eine Frau aus der Kreisstadt kennen. Für sie zog er aus Niedersachsen um, seit anderthalb Jahren wohnen sie zusammen. Und in Korbach fand er schnell den Weg zu Kocos: Mit einem weiteren jungen Mann begann er 2011 seine dreijährige Ausbildung zum Fachinformatiker.

In der Fachrichtung Anwendungsentwicklung geht es um die Entwicklung und Umsetzung von Softwareprojekten nach Kundenwunsch. Auszubildende lernen, „Softwaredesign“ zu programmieren. Design steht dabei weniger für das Aussehen der Benutzeroberfläche auf dem Bildschirm, es geht um die „Softwarearchitektur“. Sie legt fest, wie die grundlegenden Komponenten eines Computersystems zusammenwirken. Für Nutzer sollen sie möglichst einfach zu bedienen sein, viele „Dienste“ laufen daher im Hintergrund, ohne dass es Anwender mitbekommen. Die Auszubildenden lernen aber auch, Projekte zu dokumentieren oder die klassische Programmierung.

All dies erledigen auch die Anwendungsentwickler bei Kocos. Das 1988 gegründete Unternehmen entwickelt, produziert und vertreibt weltweit Mess- und Prüfsysteme für die elektrische Energieversorgung. Die Niederlassung in Weimar ist spezialisiert auf laseroptische Inspektionssysteme zur Qualitätsüberwachung.

Derzeit 19 Auszubildende

Derzeit sind am Standort Korbach 120 Mitarbeiter beschäftigt, weltweit sind es 240. Die Ausbildungsquote ist mit 15 bis 20 Prozent relativ hoch. In Korbach absolvieren derzeit 19 angehende Fachinformatiker, Bürokaufleute, Kaufleute für Groß- und Einzelhandel, Mediengestalter und Elektroniker für Geräte ihre Lehre. „Wir haben viele hoffnungsvolle Talente unter unserem Dach“, beschreibt Richter. In seinem Gebiet der Fachinformatiker sind derzeit fünf Auszubildende unter Vertrag, auch in diesem Jahr wurden zwei neue eingestellt.

Gegen den Markttrend verzeichne das Unternehmen eine steigende Qualität von Bewerbungen, erklärt Richter. Ein Grund: Immer mehr Fachabiturienten von technischen Gymnasien streben statt eines Studiums eine Ausbildung an. Mit seinem starken Engagement für die Ausbildung will sich Kocos den Nachwuchs von morgen heranziehen, seit Jahren seien alle Auszubildenden auch übernommen worden, betont Richter.

Was Martin gefallen hat: Er sei gleich zu Beginn seiner Lehre in Projekte eingebunden worden, „ich habe vom ersten Tag an produktiv mitgearbeitet.“ Das ist nicht selbstverständlich: „Wir haben einen hohen Anspruch an die Betriebssicherheit unserer Produkte“, betont Richter. Nur wer sich als gut erweise und seriös arbeite, werde in ein Team mit einbezogen.

Martin hebt hervor, er habe vom Wissen der Kollegen profitiert. „Im Betrieb sind Top-Leute“, alle hätten ihre Ausbildung schon abgeschlossen, sie hätten ihm beigestanden. Der Austausch ist ohnehin Prinzip: Projektarbeit bei Kocos ist immer Teamarbeit. Und zur Unternehmenskultur gehört, dass Kollegen offen nachfragen können, wenn sie etwas nicht wissen.

Mit der Auszeichnung als Landesbester hat Martin dennoch nicht gerechnet: „Erstaunlich, dass ich es geschafft habe.“ Die schriftliche Prüfung fand bei einer Firma in Marburg statt, in 60 Minuten waren Fragen über Wirtschaft und Soziales zu beantworten, dann hatte Martin 90 Minuten, um Aufgaben aus der Fachinformatik darzulegen.

Im praktischen Teil hatte er ein Projekt abzuarbeiten. Seine Aufgabe war das Schreiben eines „Software-Updaters“, der bestimmte festgelegte Programme übers Internet automatisch auf einen neuen Stand bringt. Für die Entwicklung hatte er 70 Stunden Zeit. Dabei kam es nicht nur aufs Programmieren an, er musste wie im Unternehmen üblich einen Projektplan, die Dokumentation und einen Zeitplan zusammenstellen und seine Version testen.

Das Ergebnis musste er den Prüfern in 20 Minuten präsentieren - so wie er das Produkt einem möglichen Kunden erläutern würde. Dieser Auftritt wurde bewertet. Auch das hat er geübt. Denn auch bei den Teamsitzungen im Betrieb werden regelmäßig Planungen vorgestellt und erörtert. Und Richter saß früher selbst in der Prüfungskommission, so konnte er Martin wertvolle Hinweise geben.

Im Entwicklungsteam

Mit dem Abschlusszeugnis in der Tasche und der IHK-Auszeichnung ist Martin bei Kocos Mitglied in einem Team von sieben Leuten geworden. Es gibt zwar einen Chef, „aber jeder wirkt mit“, sagt er - der Betrieb setzt auf flache Hierarchien.

Auch privat lässt ihn seine Leidenschaft nicht los, so gestaltet er für Verwandte Internetseiten oder er hilft ihnen sonst in Sachen Computer weiter. Doch seine Freizeit füllt er auch mit anderen Dingen aus. In Niedersachsen war er im Schützenverein aktiv, er überlegt, auch in Korbach beizutreten. Mit seiner Freundin geht er gern Minigolf spielen oder ins Kino, dieses Wochenende wollen sie die Kirmes in Mühlhausen besuchen.

Mit dem IHK-Preis ist ein Stipendium verbunden, aber Martin hat sich noch nicht entscheiden zu studieren. Und langweilig wird es bei Kocos nicht: „Es ist ein kreativer Beruf“, sagt Richter. Ein Beruf, der für Michael Martin auch Berufung ist.

Von Dr. Karl Schilling

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