Arztinterview im Stadtkrankenhaus Korbach

Hilft bei Leistenbruch nur  die OP?

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OP-Vorbereitung im Stadtkrankenhaus Korbach.

Der Leistenbruch ist eine typische Männererkrankung. Dabei handelt es sich um ein Loch in der Bauchwand, das zum Beispiel entsteht, wenn man etwas Schweres anhebt. Christian Mumme, leitender Oberarzt Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie im Stadtkrankenhaus Korbach, informiert.

Was ist ein „Leistenbruch“?

Der Leistenbruch ist kein Bruch im herkömmlichen Sinn. Beim Leistenbruch, auch Leistenhernie genannt, handelt es sich um einen Eingeweidebruch im Bereich der Leiste. Kommt es in der äußeren Hülle der Muskeln, Sehnen oder des Bindegewebes zu Schwachstellen, entstehen Lücken, die sogenannten Brüche (Hernien). Bei einem Leistenbruch hat sich also Gewebe aus der Bauchhöhle durch die Leiste vor die Bauchdecke verlagert.

Wie erkennt man die Krankheit?

Häufig tritt beim Leistenbruch Darm durch den Leistenkanal. Als Ergebnis ist eine sicht- und spürbare Vorwölbung oder auch Beule, die sich beim Husten oder Pressen verstärkt. Meistens sind Leistenbrüche am Anfang eher nicht schmerzhaft. Beim Einklemmen von Darmanteilen in der sogenannten Bruchlücke oder bei Druck auf in der Leistenregion verlaufenden Nerven können allerdings auch Schmerzen auftreten.

Christian Mumme ist Leitender Oberarzt der Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie am Korbacher Stadtkrankenhaus.

Werden jedoch ausgetretene Eingeweide im Bruch eingeklemmt, kommt es zu massiven Schmerzen, häufig begleitet von Übelkeit und Erbrechen. Hierbei handelt es sich um einen absoluten Notfall, der sofortiges Handeln erforderlich macht.

Wer ist davon besonders gefährdet (Geschlecht, Alter, Berufsgruppe)?

Leistenbrüche können nicht nur beim Sport und großen Anstrengungen auftreten, sondern auch beim Husten, beim Tragen oder beim Toilettengang. Männer sind von Leistenhernien etwa neun bis zehn Mal häufiger betroffen als Frauen. Das lebenslange Risiko, einen Leistenbruch zu entwickeln, liegt bei Männern bei ungefähr 25 Prozent, bei Frauen hingegen nur bei fünf Prozent.

Welche Behandlungsmöglichkeiten bzw. Therapien gibt es? In welchen Fällen raten Sie zu einer Operation?

Leistenbrüche gehen von selbst nicht mehr weg, sie werden sogar meistens mit der Zeit größer, und es kann sich im schlimmsten Fall der Darm darin so einklemmen, dass unter Umständen ein lebensbedrohlicher Darmverschluss entsteht. Um gefährliche Notoperationen zu vermeiden, sollten Leistenhernien möglichst zeitnah operiert werden. 

In seltenen Fällen, bei nur zufällig entdeckten kleinen Leistenbrüchen, die keinerlei Beschwerden machen, ist manchmal auch eine zunächst abwartende Beobachtung möglich. In jedem Fall sollte ein Arzt aufgesucht werden, um die Diagnose zu sichern und um das weitere Vorgehen festzulegen.

Was geschieht bei diesem Eingriff?

Bei dem Eingriff wird der Bruchsack samt Inhalt wieder in die Bauchhöhle zurückverlagert. Anschließend wird die Lücke in der Bauchwand verschlossen.

Die moderne operative Versorgung erfolgt heute fast immer mit einem Kunststoffnetz zur Verstärkung der Bauchwand. Darum herum bildet sich Narbengewebe, das das Netz festhält. Häufig ist der Eingriff problemlos mittels der minimal invasiven Schlüssellochtechnik möglich, bei dem kleine Zugänge einen großen Hautschnitt ersetzen.

Was sollten Betroffene nach der OP beachten?

Bei minimal invasiven Verfahren wird weniger Gewebe zerstört als bei herkömmlichen Operationen. Daher haben Patienten nach der Operation weniger Schmerzen und die körperliche Belastung ist recht schnell wieder möglich. Bereits wenige Stunden nach der OP beginnen wir mit leichten Bewegungs- und Laufübungen. Art und Intensität der Bewegungen sollten davon abhängig gemacht werden, wie man sich fühlt und ob man die Belastung verträgt. In den ersten zwei bis drei Wochen ist es besser, auf schweres Heben zu verzichten. Ziel der Operation ist es, dass die Patienten nach der OP wieder alle Tätigkeiten ohne Einschränkung wie vor der Erkrankung ausführen können.

Wie viele OPs führen Sie in Korbach jährlich durch?

Weltweit werden etwa 20 Millionen Operationen aufgrund eines Leistenbruchs durchgeführt, in Deutschland sind es jährlich etwa 250.000 bis 300.000 Leistenhernien-Operationen. Im Stadtkrankenhaus Korbach ist die Leistenbruchoperation mit im Schnitt bis zu fünf Eingriffen pro Woche ebenfalls eine der häufigsten Operationen.

Kann man Leistungsbrüchen durch die Lebensweise vorbeugen?

Da die Neigung einen Leistenbruch zu entwickeln überwiegend anlagebedingt ist, kann man seiner Bildung nicht wirklich vorbeugen. Allerdings kann sich regelmäßige Bewegung/Sport, Vermeidung von Übergewicht, wenig Alkohol und kein Tabakkonsum positiv auswirken. 

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