Rechtspfleger Wolfhard Jaensch absolviert seine letzte Zwangsversteigerung am Korbacher Amtsgericht

Das letzte „und zum dritten“

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Rechtspfleger Wolfhard Jaenschhat seine letzte Zwangsversteigerung am Korbacher Amtsgericht absolviert.Foto: wf

Korbach - Wolfhard Jaensch guckt ein wenig enttäuscht. „Ich hätte ja lieber einen Zuschlag erteilt“, sagt der Rechtspfleger, nachdem er am Freitag seine letzte Zwangsversteigerung geleitet hat.

Es ging um ein Erbbaurecht in Waldeck, eine komplizierte Angelegenheit. Er nahm zwar ein Gebot entgegen, es war aber zu niedrig, um am Ende zu gelten.

Die Verabschiedung des 65-jährigen Arolsers folgt am 31. August. Aber seine Kernaufgabe, die Zwangsversteigerungen, hat Jaensch in diesem Augenblick nach 21 Jahren am Korbacher Amtsgericht hinter sich gebracht. Zumindest fast: Nach dem Verfahren tauscht er die Plätze mit Friedrich Vogel, der ihm in diesem Bereich nachfolgt. Sollte dessen erstes Verfahren problematisch werden, will er ihm zur Seite stehen.

Tatsächlich ist die Versteigerung von zwei Appartements im Willinger Sauerland Stern Hotel hektischer: Bieter haben versäumt, ihre nötigen Sicherheiten als Schecks auszustellen, bitten um Zeit und eilen zur Bank; später überschlagen sich die Gebote. Jaensch und Vogel wechseln nur wenige Worte, der Neue bringt die Verhandlung souverän über die Bühne. „Der Versteigerer muss kurzfristig entscheiden“, weiß Jaensch: „Egal wie viele Anträge und Fragestellungen: Das Publikum erwartet eine Reaktion“.

Der Rechtspfleger weiß noch, wie er nach zehn Jahren am Arolser Landgericht und sechs Monaten Aufbauhilfe im thüringischen Mühlhausen 1994 als Vertretung für eine Kollegin im Mutterschutz nach Korbach kam: Gleich bei seiner ersten Versteigerung ging es um 33 Grundstücke. Er ist dankbar, dass Verwaltungschef Heinrich Kessler ihm während der Verhandlung beistand. Spätere Versteigerungen fielen leichter, auch wenn wertvolle Objekte dabei waren: ein Haus am Edersee etwa, das für 1,6 Millionen DM unter den metaphorischen Hammer kam.

Als die Versteigerung wegen der Beschaffung der Sicherheiten stockt, erinnert Jaensch an alte Zeiten, in denen sie noch in bar geleistet werden durften: „Haben Sie mal 20000 Mark in 50ern gezählt? Da haben sie zu tun“, blickt er zurück, bevor die Versteigerung Fahrt aufnimmt und er endgültig auf seinen Ruhestand zusteuert.(wf)

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