Seit 40 Jahren im Amt: Pfarrer Gisbert Wisse feiert am Sonntag um 11 Uhr in St. Marien sein Priester

„Lieben Gott und die Menschen mögen“

+
Er baut seit 40 Jahren Brücken: Sonntag feiert Pfarrer Gisbert Wisse sein PriesterjubiläumFoto: Demski

Korbach - „Der liebe Gott zieht die Fäden manchmal anders, als wir es planen“, sagt Gisbert Wisse. 40 Jahre nach seiner Priesterweihe blickt er dankbar auf viele Begegnungen und wertvolle Erfahrungen zurück - und auf die Anfänge. Am Sonntag wird Jubiläum gefeiert.

Er öffnet pfeifend die Tür. Ihm scheint - wie so oft - der Schalk im Nacken zu sitzen und auf dem Weg in sein Büro beginnt er fröhlich zu erzählen. Wandbehänge, Schnitzereien und Geschenke erinnern Gisbert Wisse an vergangene Zeiten. Schmunzelnd deutet er auf eine Holzarbeit, die die Geschichte von der Sturmstillung erzählt - Jesus, Petrus, Johannes und am Rand ein Jünger, der über der Rehling hängt und grün im Gesicht ist. Wisse lacht und sein Temperament steckt an.

Studium in Paris

Seit 40 Jahren lebt der 67-Jährige als Priester - und er bereut keinen Tag. „Zum ersten Mal habe ich mit zwölf darüber nachgedacht, diesen Weg einzuschlagen“, erzählt er. Geboren in Beverungen an der Weser und aufgewachsen in Iserlohn, sei er in den Genuss einer exzellenten Jugendarbeit gekommen. „Ich wuchs in einem katholischen Elternhaus mit zwei Geschwistern auf, wir waren eine gläubige Familie“, sagt er. Als engagiert und glaubwürdig habe er den Priester der Gemeinde empfunden. „So ein Leben schien mir lebenswert“, sagt er. Und so entschied er sich nach dem Abitur, statt die Laufbahn des Studienrates einzuschlagen, Theologie zu studieren. Der Verzicht auf Familie und die Wahl der besonderen Lebensform eines Priesters traf er nicht leichtfertig. „Ich habe mich von Semester zu Semester gehangelt“, sagt er. Doch ob im Priesterseminar in Paderborn oder später an der Uni Freiburg: Sein Wunsch hatte Bestand.

1966, damals war Gisbert Wisse gerade 22, entschied er sich dann für Paris. „Das war für uns damals wie für die jungen Leute heute Amerika“, schmunzelt er. Drei Trimester lang studierte er an der katholischen Universität und an der Sorbonne. „Das war international, ich konnte über den Tellerrand hinausschauen“, schwärmt er. Die französische Spiritualität, die Begegnung mit jungen Menschen aus der ganzen Welt und die Liebe zu der Stadt, haben ihn tief geprägt.

„Dann musste ich zurück nach Paderborn“, sagt er und es wirkt, als würde auch nach 45 Jahren Wehmut mitklingen. Dort schaffte er 1968 sein Diplom. „Damals war ich aber erst 23 Jahre alt und entschied mich für ein zweites Studium“, berichtet Gisbert Wisse. Für zweieinhalb Jahre ging er nach München, genoss nochmal das internationale Flair und lernte Religionspädagogik und Katechetik. Zwei Jahre nach seinem Abschluss, am 10. Juni 1972, wurde er zum Priester geweiht.

„Man kann nur dann Priester werden, wenn man den lieben Gott und die Menschen mag“, sagt er. Und dass beides auf ihn zutrifft, das beweist Wisse im Alltag seit 40 Jahren. Ob bei seiner ersten Stelle in Neheim oder später in Herne, Langscheid am Sorpesee und ab 1989 in Korbach: Er bemühte sich um eine lebendige Gemeinde, setzte sich für die Jugendarbeit ein und für die Weitergabe dessen, was sein Leben begründete. „Ich glaube an einen guten und gütigen Gott, der mit uns die Wege des Lebens geht und in dessen Dienst wir stehen“, sagt er. Das spüren die Menschen, die mit ihm arbeiten und das prägt sie. „Aber man prägt nicht nur die Menschen, sondern man wird auch von ihnen geprägt“, sagt Wisse und denkt an viele Begegnungen in den vergangenen 40 Jahren, die nachwirkten.

Beherzter Blick nach vorn

Das gilt auch für Korbach: „Viele verschiedene Menschen, die in verschiedenen Ländern ihre Heimat haben, die verschiedenen Strömungen der katholischen Kirche angehören oder die evangelische Ehepartner haben, leben hier zusammen“, sagt er. Er schätzt diese vielen Facetten. „Und sonntags stehen wir alle um einen Altar und schöpfen aus derselben Kraftquelle“, sagt er, „das ist Gemeinde“. Und auch wenn es um die Zusammenarbeit mit den Protestanten geht, setzt er auf Verständigung und Ökumene.

1993 wurde Gisbert Wisse Dechant, 2011 gab er das Amt wieder ab. Da hatte ihn der Bischof bereits zum Domkapitular ernannt. „Ich habe all diese Aufgaben mit Leidenschaft gemacht“, sagt er, „aber ich wollte immer auch Zeit für die Menschen haben“. Ende 2014 geht er in den Ruhestand. Dann will er reisen, mehr lesen, Zeit mit seinen Patenkindern verbringen. „Ich bin nicht der Typ für Langeweile“, sagt er. Aber er will auch Priester sein. „Die Kirche wird sich verändern“, sagt er, „aber mir ist davor nicht bange“. Ein beherzter Blick nach vorne, statt ein wehmütiger Blick zurück, das sei seine Strategie.

Am Sonntag, wenn um 11 Uhr in St. Marien die Heilige Messe zu seinem Priesterjubiläum beginnt, dann will er dem „lieben Gott Danke sagen“ - dafür, dass er die Fäden gezogen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare