Einprägsame Begegnung im Religionsunterricht der Willinger Uplandschule

Ein Lied für Jihan und Helena

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Willingen - Helena hat im Juli im Korbacher Krankenhaus das Licht der Welt erblickt. Sie weiß noch nichts von den Problemen der Welt. Als die Kinder der Willinger Grundschule ein Lied zur Begrüßung anstimmen, strahlt das Baby in die Runde. Und Mama Jihan Rasho singt mit: „Lasst uns froh und munter sein...“

Ja, es ist eine muntere Schar, die an diesem Morgen im Klassenzimmer zusammensitzt: die Jungen und Mädchen der Klasse 4 b der Uplandschule, Klassenlehrerin Inga Schneider, Pfarrerin Dagmar Henning (Korbach), die den Kindern Religionsunterricht erteilt, Annemarie Däge (ebenfalls Korbach) und die Frau aus Syrien, die seit etwa anderthalb Jahren mit ihrer Familie in der Kreisstadt wohnt und in Deutschland Schutz sucht – Jihan Rasho, 29 Jahre jung, eine Kurdin, die sich zum Jesidentum bekennt, mit ihrer kleinen Tochter Helena.

Jihan und ihr Mann Ibrahim Allo haben ihr bisheriges Leben in Syrien zurückgelassen. Über die Türkei sind sie vor dem Krieg geflohen, zusammen mit Söhnchen Leon. Der Kleine ist inzwischen vier Jahre alt. Er besucht in Korbach den Kindergarten, spricht bereits gut Deutsch und kennt sogar schon einige Advents- und Weihnachtslieder auswendig. Die Familie wohnt in der Schwelmer Straße und bemüht sich intensiv, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden. Zusammen mit Asylbewerbern aus verschiedenen Ländern nehmen Jihan und Ibrahim gern die Einladung zur regelmäßigen Begegnung in den Räumen der Korbacher Markusgemeinde an. Jeden Mittwoch treffen sie sich dort mit Dagmar Henning, Annemarie Däge und Hans-Henning Segler, um Deutsch zu lernen, um Antworten auf ihre Fragen rund um den deutschen Alltag zu finden, um vom Leben der kurdischen Jesiden, vom Krieg und von ihrer Flucht zu erzählen.

Jihan Rasho zögerte nicht lange, als die Pfarrerin sie einlud, einmal mit nach Willingen zu fahren und sich im Religionsunterricht den Fragen der Upländer Kinder zu stellen. Dagmar Henning hat die Begegnung sorgfältig vorbereitet. Die Jungen und Mädchen haben in den letzten Wochen einiges über die schwierige Situation in Syrien erfahren, doch sie haben auch noch eine Menge Fragen auf Lager: Wie weit war der Weg aus dem syrischen Dorf nach Deutschland? Ist es schwer, Deutsch zu lernen? Wie gefällt es der Familie in Korbach? Wie schmeckt ihr das deutsche Essen? Was isst man eigentlich in Syrien? Und welche Wünsche und Träume hat Jihan? Das Wichtigste für die junge Frau ist, dass ihre Kinder gesund sind, dass ihre Familie eine gute Zukunft hat ohne Krieg und Flucht; ja, und dass die Menschen in Deutschland ihr offen und mit einem Lächeln begegnen. Zumindest diesen Wunsch können ihr die Viertklässler der Uplandschule sofort erfüllen. Ein Strahlen erfüllt den Raum, das zu einem ansteckenden Lachen anschwillt. Klein-Helena schlägt die Augen auf und lacht zurück.

Von Ulrike Schiefner

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