Professor Aufmolk stellt Machbarkeitsstudie für Ufergestaltung am Diemelsee vor

„Es lohnt sich, zu investieren“

Frischzellenkur für den Diemelsee: Die Gemeinde will die Attraktivität des Ufers für Touristen erhöhen. Foto: Archiv

Diemelsee - Der Diemelsee soll attraktiver werden. Zwischen 1,4 Millionen und zwei Millionen Euro muss die Gemeinde dafür wohl in die Hand nehmen - das ist das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie.

„Am Ende steht eine Zahl, die sie wahrscheinlich erschrecken wird“, bereitete Landschaftsarchitekt Professor Dr. Gerd Aufmolk vom Planungsbüro WGF (Nürnberg) Diemelsees Gemeindevertreter am Freitag auf die Summe vor: Rund 2,025 Millionen Euro muss die Gemeinde auf den Tisch legen, wenn sie alle Maßnahmen umsetzt, die Aufmolk in seinem Konzept für die Ufergestaltung geplant hat.

Immer noch 1,385 Millionen Euro sind es, werden nur die Punkte mit höchster Priorität realisiert - sozusagen das Minimum. Die Zahlen seien noch keine belastbare Kostenschätzung, beruhten aber auf Erfahrungswerten, schränkte der Landschaftsarchitekt ein.

„Es lohnt sich aber, zu investieren, weil die Rahmenbedingungen stimmen“, sagte Aufmolk. Landschaft, Staumauer, Kloster Flechtdorf, die gute Erreichbarkeit aus Ballungszentren und den Niederlanden seien Pluspunkte der Region, 70000 Übernachtungen und 22000 Ankünfte pro Jahr eine gute Basis. Nur: „Die Infrastruktur ist in die Jahre gekommen“, sagte Aufmolk. Sie entspreche nicht mehr den Anforderungen eines zeitgemäßen touristischen Angebots: „Da gibt es Nachholbedarf.“ Das koste Geld und das werde die Gemeinde auch nicht alleine stemmen können, verwies Aufmolk auf Förderprogramme.

Bürgerideen eingeflossen

Bei einer „Bürgerwerkstatt“ im Februar hatte Aufmolk Ideen für sein Konzept gesammelt. Vieles davon habe Niederschlag in der Machbarkeitsstudie gefunden, so der Landschaftsarchitekt. Die große Leitlinie seines Konzepts: Sanfter, angepasster Tourismus im Naturpark Diemelsee. Aufmolk: „Das Natur- und Landschaftserlebnis sollte im Vordergrund stehen.“

Seine Vorschläge: Lücken im Wander- und Radwegenetz werden geschlossen, eine dritte Anlegestelle für die St. Muffert im Westen geschaffen und die Zugänge zum Schiff verbessert. Rund um den See entstehen neue Ruhemöglichkeiten und „Erzählstationen“, die Informationen über Natur und Landschaft vermitteln. Denkbar seien auch Lichtinszenierungen, etwa an der Stormbrucher Brücke, sagte Aufmolk.

Sinnvoll sei ein Ferienresort - mit zentralem Gebäude und Hütten oder Tipi-Zelten - als zusätzlicher Übernachtungsbetrieb auf dem „Hohen Rad“. Dafür müsse ein privater Investor gefunden werden, erklärte der Landschaftsarchitekt. Damit dafür die wirtschaftlichen Voraussetzungen stimmten, müssten die Rahmenbedingungen verbessert werden, etwa ein Caravan-Stellplatz für 15 bis 20 Wohnmobile geschaffen werden.

Für die Uferpromenade bei Heringhausen sieht Aufmolk befestigte Wege mit hochwertigem Belag vor. Am Strand locken zusätzliche Schwimmstege mit innenliegender Badewanne für Kinder. Unabdingbar sei ein etwa 1,80 Meter hoher Sichtschutz hin zum Campingplatz, erklärt Aufmolk - abwechselnd aus Holzbohlen mit langen Bänken und Schnitthecken, um die Rückseiten der Wohnmobile abzudecken. Optional sei eine Hängebrücke über die Heringhäuser Bucht. Aufmolk: „Das kann man machen, wenn man sich alles andere geleistet hat.“

„Schiff nicht verpassen“

Bürgermeister Volker Becker warb bei den Gemeindevertretern für das Konzept: „Wir stehen in Konkurrenz zu anderen Seen und müssen aufpassen, dass wir das Schiff nicht verpassen.“ Um die Chancen zu verbessern, müssten frühzeitig Fördermittel beantragt werden. Private Investoren hätten bereits angekündigt, sich zu engagieren, falls das Konzept umgesetzt würde. Für die Machbarkeitsstudie gab es schließlich breite Zustimmung - bei einer Gegenstimme aus den Reihen der Freien Wähler. Von Lutz Benseler

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