„Dramatische Werke“ sorgen für ausverkaufte Stadthalle · Altbekannte Klassiker ziehen immer noch

Loriot bild- und buchstabengetreu

„Die Ente bleibt drin“ – Müller-Lüdenscheid (Peter Albers) und Dr. Klöbner (Hubert Bail) im Grundsatzstreit in der knappen Wanne. Fotos: Hennig

Korbach - Just for fans war die Vorstellung von „Loriots dramatischen Werken“, mit denen die „Komödie im bayerischen Hof“ in Korbach gastierte.

Der Altmeister des Humors hat auch in Korbach viele Anhänger: 673 Zuschauer fanden den Weg in die Stadthalle und wurden nicht enttäuscht. Die Inszenierung von Hardy Hosam geriet absolut bild- und buchstabengetreu.

Loriot zieht immer noch, auch wenn seine Klassiker des Alltags in einer Lebenswelt spielen, die gut 40 Jahre zurückliegt. Allerdings sind Imponiergehabe, Pedanterie, Rechthaberei und unvermeidliche Missverständnisse zwischen Frau und Mann so alt wie die Menschheit selbst, auch wenn sich die Themen, Medien und Umgangsformen seitdem in vielen Bereichen stark geändert haben - nicht zuletzt das Fernsehen, in dem Vicco von Bülows Sketche schon vor 40 Jahren einen prominenten Platz einnahmen, auch wenn er es auf die Schippe nahm.

Die Zuschauer in der selten so gut besuchten Korbacher Stadthalle freuten sich über eine lebendige Wiedergabe der Klassiker des (bundes)deutschen Humors durch Schauspieler mit Bezug zum Thema. Schließlich waren Hans-Peter Korff und Christiane Leuchtmann mit der Loriot-Muse Evelyn Hamann später noch lange Zeit in der Serie Adelheid auf Mörderjagd. Und mit Ulla Wagner und Peter Albers gesellte sich weitere Film- und Fernsehprominenz in tragenden Rollen zum Traumpaar, das in den Klassikern wie „Garderobe“, „Fernsehabend“ oder „Das Frühstücksei“ diverse sich immer dichter verwickelnde Knoten von Missverständnissen zwischen langjährigen Ehepartnern abspulte. Bei der denkbar ungeschickten „Liebeserklärung im Büro“, die Herr Meltzer bei seiner langjährigen Sekretärin Renate Dinkel versucht, sorgt das Verhalten des Chefs immerhin für eine zusätzliche komische Ebene beim Abgleiten von einer Horizontalen in die nächsttiefere.

Unconditional Behaviour oder schieres Banausentum mit sämtlichen komischen Konsequenzen war bewusst Thema beim „Bayreuther Pausengespräch“, das fließend in den „Konzertbesuch“ überging. Die Begleitmusik zum verpatzten Übersteiger war zwar kein Wagner, aber die offensichtlicheren Stilbrüche des zwischen zwei Sitzreihen eingeklemmten Konzertkartengewinners (Hans-Peter Korff) sorgten für eine heitere Grundstimmung.

Mit dem denkbar peinlich zu Ende gegangenen Streit zwischen zwei Männern, ob das Bad mit oder ohne Wasser sinnvoller sei und wer denn nun länger könne, ging die Heiterkeitskurve weiter nach oben.

Die ohne Rücksicht auf Zusammenhänge ins Bett verlegte Grammatikdemonstration in „Deutsch für Ausländer“ geriet zum Höhepunkt der ersten Hälfte, in der auch die diversen Dödelvariationen der „Jodelschule“ für zahlreiche Lacher gut waren. Bei der „Inhaltsangabe“ zum achten Teil einer sechzehnteiligen englischen Krimiserie verstolperte sich Christiane Leuchtmann programmgemäß zwischen den unzähligen Ths in den Namen der Lords und Ladys - eine köstliche Reminiszenz an die unvergessene Evelyn Hamann.

Als Umbaupausenfüller dienten eingestreute Kochrezepte mit Elefanten, Nashörnern und Walen als mehrtägig oder -wöchig gekochtem Hauptgang.

Das vollkommen gestellte und, trotz etlicher Anläufe, vollkommen verpatzte Dankesvideo an die Mutter für das geschenkte Klavier wirkte danach fast schon zeitgemäß. Zum Gipfel der Komik geriet der „Vertreterbesuch“, in dessen Verlauf der Weinvertreter Blühmel (Korff) nicht nur die Hausfrau Hoppenstedt, sondern auch seine Kollegen Jürgens (Hubert Bail) und Schöber (Peter Albers) gnadenlos abfüllte, mit allen vorhersehbaren Konsequenzen. Der Staubsauger mit paralleler Trockenhaubenfunktion gehörte­ dabei zu den Accessoires, die durch ihre Überholtheit eher noch an Komik gewonnen haben.

Als Paar, das konsequent aneinander vorbeiredet, hatten Christiane Leuchtmann und Hans-Peter Korff das Programm mit dem Garderoben-Dialog eröffnet. Im selben Geist war auch die Zugabe zwischen dem Mann, der nur entspannt dasitzen will, und seiner nervenden Frau, die ihrem Mann mit allerlei unverlangten Zerstreuungen und Aktivitäten zum Glück verhelfen will. Die letzte Variation zu diesem schier unerschöpflichen Thema. (ahi)

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