Neue Messdaten zu Mauser in Gutachten eingeflossen · im Rathaus einsehbar

„Luftbelastung in Korbach verbessert“

Auch Heizungsanlagen tragen wohl bedeutend zur Luftbelastung in Korbach bei. Um wie viel, ist allerdings unbekannt. Kieler Toxikologen empfehlen deshalb eine Luftmessung. Foto: Lutz Benseler

Korbach - Die Korbacher Luft ist etwas besser geworden - jedenfalls auf dem Papier: Die Kieler Toxikologen haben ihr im Februar vorgestelltes Gutachten über die Luftqualität in der Kreisstadt überarbeitet.

Vor knapp einem Monat präsentierten Professor Dr. Edmund Maser, Dr. Hermann Kruse und Dr. Christiane Aschmann vom Institut für Toxikologie und Pharmakologie der Universität Kiel die Ergebnisse ihrer Auswertung in der Stadtverordnetenversammlung. Mittlerweile liegt das Gutachten auch in schriftlicher Form bei der Stadt vor. Das 123 Seiten starke Papier kann seit gestern öffentlich im Rathaus eingesehen werden.

Mauser-Daten überholt

Durch veraltete Daten aus dem Jahr 2009 war in der Sitzung im Februar der Korbacher Büromöbelhersteller Mauser besonders ins Blickfeld gerückt. Das Unternehmen hatte vor vier Jahren die Grenzwerte für Feinstaub um ein Vielfaches überschritten. Doch schon 2011 stellte sich die Situation ganz anders dar, wie die WLZ daraufhin recherchierte: Einen Tag nach der Präsentation im Rathaus hatte diese Zeitung beim Regierungspräsidium nachgefragt und die aktuellen Werte erhalten.

Inzwischen sind die Daten auch in das Gutachten der Kieler Wissenschaftler eingeflossen. In der überarbeiteten Endfassung heißt es jetzt: Durch eine Umstellung in der Produktion würden die Grenzwerte bei Mauser mittlerweile deutlich unterschritten.

Seit 2011 stelle Mauser außerdem sukzessive auf Wasserlacke um. Auch die Zielemissionen für Lösungsmittel würden seitdem unterschritten. Nachgebessert hat in den vergangenen Jahren auch Continental - bei Abluftreinigung und Filteranlagen. Der Reifenhersteller verwendet außerdem seit 2009 das Lösungsmittel Toluol nicht mehr in der Produktion.

„Es ist davon auszugehen, dass sich die Luftbelastung in Korbach emissionsseitig zwischenzeitlich verbessert hat“, heißt deshalb das Fazit der Kieler Toxikologen.

Die aktuelle Emissionserhebung des Hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie (HLUG) in Wiesbaden für das Jahr 2012 liege allerdings noch nicht vor.

Während es zu Continental, Mauser, dem Müllheizkraftwerk, den Biogasanlagen und Mauser immerhin Daten gibt, ist völlig unbekannt, was der Straßenverkehr, Heizungsanlagen und kleinere Gewerbebetriebe in die Korbacher Luft blasen. Doch dürften gerade diese bedeutend zur Luftbelastung beitragen, so die Einschätzung der Wissenschaftler. Zur Beurteilung der aktuellen Luftqualität gebe es deshalb zu wenig Befunde. Maser, Kruse und Aschmann folgern daraus: Immissionsmessungen sind unerlässlich.

Während es bei Emissionsmessungen darum geht, was direkt aus Schornsteinen, Abgasanlagen und Lüftungen herauskommt - also um den Ausstoß von Schadstoffen -, wird mit den Immissionen die Menge aller ausgestoßenen Substanzen gemessen, nachdem sie sich in der Luft, im Boden oder im Wasser ausgebreitet haben. Die Kieler Toxikologen schlagen deshalb vor, einen Messcontainer über einen längeren Zeitraum in Korbach aufzustellen. Denn nur so kann herausgefunden werden, wie gut oder schlecht die Korbacher Luft tatsächlich ist.

Absprache mit Behörden

Weitere Exemplare des Gutachtens sind an das Regierungspräsidium nach Kassel und das HLUG gegangen. Mit beiden Behörden wolle die Stadt darüber sprechen, welche Schritte nun möglich seien, erklärte Heinz-Willi Müller, Büroleiter im Rathaus, gegenüber der WLZ-FZ das weitere Vorgehen. Was schlussendlich getan wird, um der Luftqualität weiter auf die Spur zu kommen, entscheidet danach die Stadtverordnetenversammlung.

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