Noch ist offen, wer für Messcontainer bezahlen soll

Luftmessung kostet bis zu einer Million pro Jahr

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Eine Messstation, ähnlich wie in Kohlgrund bei Bad Arolsen, soll über ein Jahr lang Schadstoffe in der Korbacher Luft dokumentieren, empfehlen Toxikologen.

Korbach - Wer zahlt für eine Luftmessstation und wie lassen sich Firmen dazu bewegen, noch strengere Schadstoffwerte einzuhalten, als gesetzlich gefordert? Korbachs Stadtverordnete stehen vor neuen Fragen.

Weil es Hinweise darauf gibt, dass Schadstoffe in einer Konzentration in der Korbacher Luft auftreten könnten, die unter Umständen bereits Auswirkungen auf die Gesundheit haben, empfehlen Toxikologen von der Uni Kiel über ein Jahr lang Stoffe wie Stickoxide, Schwefelverbindungen und Feinstaub zu messen (wir berichteten). Denn nur so kann festgestellt werden, was wirklich in der Luft liegt und ob tatsächlich eine Gesundheitsgefahr besteht.

Noch völlig offen ist, wer eine solche Luftmessstation bezahlt. Professor Dr. Edmund Maser vom Institut für Toxikologie und Pharmakologie bezifferte in der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag die Kosten für einen Messcontainer auf bis zu eine Million Euro pro Jahr – abhängig davon, nach wie vielen Stoffen die Sensoren schnüffeln. Bereits für das Gutachten der Wissenschaftler hat die Stadt 18 000 Euro bereitgestellt. „Das kann Korbach nicht alleine schultern“, stellte Daniel May (Grüne) fest. Er forderte, das Land Hessen mit in die finanzielle Pflicht zu nehmen – etwa über das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie (HLUG), das bereits mehr als 30 Messstationen landesweit betreut.

Die Kieler Toxikologen empfehlen den Korbachern außerdem, strengere Vorsorgewerte für Emissionen anzustreben, die zum Teil deutlich unter den gesetzlichen Grenzwerten liegen. Während sich die Emissionen der heimischen Firmen, also die von ihnen ausgestoßenen Schadstoffe, in der Regel im Rahmen der vorgeschriebenen Werte bewegen, werden die enger gezogenen Grenzen der Vorsorgewerte in vielen Fällen überschritten.

Das Problem: Die Unternehmen lassen sich nicht dazu verpflichten, mehr für gute Luft zu tun, als der Gesetzgeber vorgibt. „Wie können wir auf die Unternehmen einwirken, wenn die administrativen Grenzwerte weitgehend eingehalten werden?“ , fragte Helmut Schmidt (SPD) folgerichtig. Maser setzt auf den „Bürgerfrieden“. Die Firmen müssten dazu bewegt werden, freiwillig die Emissionen an ihren Schornsteinen mit niedrigerer Nachweisgrenze als bisher zu messen.

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