Finca-Betrugsprozess: 54-jährige Frau zu 18-monatiger Bewährungsstrafe verurteilt

Luxuriöses Landhaus als Luftschloss vermietet

Korbach - Die schönsten Wochen des Jahres in einem luxuriösen Landhaus auf Mallorca zu verbringen: Diesen Urlaubstraum versprachen Annoncen, die vor mehr als vier Jahren in betrügerischer Absicht aufgegeben wurden. Denn die Finca gab es gar nicht.

Hinter der Masche steckte ein inzwischen verstorbener Deutscher, der lange Zeit in Spanien lebte, mit 34 Aliasnamen operierte und mehr als ein Dutzend Mal verurteilt wurde. Seine 54-jährige Lebensgefährtin war beim Finca-Betrug zwar nicht die treibende Kraft, aber Mittäterin und in ihrer Darstellung, von den kriminellen Machenschaften wenig bis nichts gewusst zu haben, als Angeklagte unglaubhaft. Zu dieser Einschätzung kamen Staatsanwaltschaft und Schöffengericht am Ende des Prozesses vor dem Korbacher Schöffengericht gestern gleichermaßen. Entsprechend folgte der Vorsitzende Richter Karl-Heinz Kalhöfer-Köchling dem Antrag der Anklagevertreterin und verurteilte die Angeklagte zu 18 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Menschen aus ganz Deutschland antworteten auf die Annoncen, die das Paar von ihrem vorübergehenden Domizil aus, einem Ferienhaus am Twistesee, in verschiedenen Zeitungen aufgegeben hatte. 18 Interessierte überwiesen nach telefonischer Absprache im Sommer 2010 Vorschüsse auf den Mietpreis in Summen zwischen 425 und 1680 Euro. Nachdem sie bezahlt hatten, war der Urheber nicht mehr erreichbar.

Im August begann die Hauptverhandlung vor dem Korbacher Amtsgericht, nachdem die 54 Jahre alte Frau aus dem Kreis Borken lange Zeit nicht auffindbar war und per internationalem Haftbefehl gesucht wurde. Ihr warf die Staatsanwaltschaft vor, für ihren Lebensgefährten Konten eröffnet zu haben, auf denen dann die erschlichenen Anzahlungen eingingen.

Zweifel nicht ausgeräumt

Von den tatsächlichen Hintergründen nichts gewusst zu haben, hatte die Frau vor Gericht immer wieder betont. Sie sei davon ausgegangen, dass die Finca existiere. Ihr habe der Vorsatz gefehlt, argumentierte der Anwalt der Frau, der gestern auf Freispruch plädiert hatte. Denn: „Es ist nicht strafbar, seinem Lebensgefährten zu vertrauen.“ Weil zuletzt auch ein graphologisches Gutachten kein eindeutiges Ergebnis brachte und Zweifel an der Mitschuld seiner Mandantin nicht ausgeräumt werden konnten, sei der juristische Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“ anzuwenden.

Als reine Schutzbehauptung bezeichnete hingegen die Staatsanwältin die von der Angeklagten geschilderte Version der Geschichte, die sie für „ziemlich fantasievoll und zusammen gesponnen“ hielt. Einige Episoden und Schlussfolgerungen ergäben überhaupt keinen Sinn, stünden in krassem Widerspruch zur alltäglichen Lebenswirklichkeit.

„Die Geschichte ist insgesamt zu glatt“, befand auch Richter Kalhöfer-Köchling. Zu Gunsten der Angeklagten sei zu werten, dass sie nicht vorbestraft sei und die Taten mehr als vier Jahre zurückliegen. Der Verteidiger der Frau kündigte an, Rechtsmittel gegen das Urteil einzulegen.(tk)

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