Auto Club Europa untersucht Handygebrauch am Steuer

Männer, die auf Handys starren

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Erwin Lueg (l.) und Uwe Völker zählen in Korbach telefonierende Autofahrer.Foto: Wilhelm Figge

Korbach - Taxifahrer, Pannenhelfer und Polizisten telefonieren am Steuer, Autobahnfahrer schlingern beim SMS-Tippen, und Tablets liegen auf dem Lenkrad.

Beobachtungen bei der diesjährigen Verkehrssicherheitsaktion des Auto Clubs Europa (ACE) würden zeigen, dass Mobiltelefone im Straßenverkehr ein Problem sind, sagt ACE-Regionalbeauftragter Uwe Völker. „Die Waldeck-Frankenberger sind aber fast vorbildlich“, erklärt er, nachdem er und Kreisvorstand Erwin Lueg an der Briloner Landstraße in Korbach gestanden und „Handysünder“ gezählt haben.

In dreieinhalb Stunden haben sie 13 Fahrer beim Telefonieren gesichtet, drei beim Tippen. Die Probe für Frankenberg liegt auf ähnlichem Niveau, lediglich telefonierende Fahrlehrer und Holztransport-Fahrer hinterließen einen schlechten Eindruck. Zum Vergleich: In Kassel ergaben die Tests mehr als acht Verstöße pro Stunde, in Frankfurt 50, in Gießen 65. Auch ländliche Regionen wie Wächtersbach oder Büdingen liegen deutlich über Korbach. Die getesteten Straßen sind nicht immer direkt vergleichbar, für Völker steht aber fest: „Das Waldeck-Frankenberger Ergebnis ist positiv.“ Allerdings sei jeder Fall von Handy-Gebrauch am Steuer zu viel: Laut ACE ist telefonieren die häufigste Ablenkung beim Fahren. SMS und Soziale Medien würden Fahrer seltener beschäftigen, ihre Konzentration dafür umso mehr abreißen lassen. Ein zwei Sekunden langer Blick bei Tempo 50 bedeutet einen 30 Meter langen „Blindflug“.

Für wie viele Unfälle die Kombination von Handynutzung und Autofahren verantwortlich ist, ließe sich nicht beziffern - der gleichzeitige Anstieg der Zahlen von Handys und Unfällen mit ungeklärter Ursache sei aber auffällig, sagt Völker. „Die Menschen sind teilweise in Hektik“, sucht er nach Gründen für das gefährliche Hantieren mit dem Mobiltelefon. Auch bei Essen und Trinken am Steuer wirke sich das aus.

Knapp zwei Drittel der erwischten „Handysünder“ sind Männer, aber das Problem beschränke sich nicht auf sie: „Ich sehe immer wieder Frauen, die ihr Handy weit weg halten und beim Telefonieren auf die Straße gucken“, erklärt Völker kopfschüttelnd.

Dieses gut gemeinte Verhalten sei kein Ersatz für eine Freisprechanlage, betont er. Diese würden sich auch zu viele Fahrer von Oberklasse-Autos sparen: „Wer einen Wagen für 100000 Euro fährt, sollte sich wirklich die 20 Euro für eine Freisprecheinrichtung leisten können“, findet er.

Von Wilhelm Figge

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