Beim Buß- und Bettag ging es um die Frage nach dem Leben und was es ausmacht

„Mal alle fünfe gerade sein lassen“

+
Wann lebst du? – Das war die zentrale Frage des Buß- und Bettagsgottesdienstes, den Dekanin Eva Brinke-Kriebel (l.) hielt und in dem Chefredakteur Jörg Kleine predigte.

Korbach. - Wann lebst du? Biologisch gesehen von der Geburt bis zum Tod. Das ist allgemein bekannt. Aber ist das schon alles? Dieser Frage gingen die Menschen beim Buß- und Bettags-Gottesdienst in der Killianskirche nach.

„Bist du nur auf der Welt, oder lebst du schon?“ - angelehnt an den Werbespruch eines schwedischen Möbelhauses ging Jörg Kleine, Chefredakteur der Waldeckischen Landeszeitung, der großen Fragestellung des Buß- und Bettags in der Predigt auf den Grund. Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck rief in diesem Jahr die Gläubigen dazu auf, innezuhalten, ein Pause im schnellen Alltag einzulegen und sich mit dem eigenen Leben auseinanderzusetzen. In Korbach ist es Institution geworden, dass eine Person des öffentlichen Lebens die Predigt an diesem Tag hält.

Jörg Kleine ging dabei auf die Vielfältigkeit der kniffligen Fragestellung ein. Leben, was ist damit gemeint? Im alltäglichen Gebrauch finde es vor allem bei „außergewöhnlichen und herausragenden Momenten“ Beachtung, findet Kleine.

Aber Leben, das passiere eben auch fernab vom Trubel. Das Markus-Evangelium zum Buß- und Bettag erzählte die Geschichte des reichen Jünglings, dem Jesus rät, sein Hab und Gut herzugeben - denn „eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in den Himmel kommt“. Für Jörg Kleine bedeutet das nicht, dass nun jeder Mensch seine kleinen oder großen Reichtümer hergeben solle. Dennoch beinhalte der zentrale Punkt des Evangeliums eine Frage, die auch heute noch aktuell sei. Was ist der einzelne Mensch bereit aufzugeben, um anderen zu helfen? Wie viel Einsatz möchte der Mensch für seine Mitmenschen und das, was ihm am Herzen liegt, bringen?

Als Mitglied einer sozialen Gesellschaft erfahre jeder Einzelne auch immer die Begegnung mit anderen - Freunden, Familien oder Fremden. Und in diesem Miteinander werde das Lebendigsein deutlich. Eine kleine Geste, ein stummer Dank oder beherztes Anpacken könnten manchmal wahre Lebenszeichen sein. Leben, das sei dort, wo Gefühle gezeigt werden. Und das passiere eben auch dort, wo „wir einfach mal alle fünfe gerade sein lassen“, findet Jörg Kleine. Ausbrechen aus dem alltäglichen Korsett und das Leben spüren. (nic)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare