63-jähriger Korbacher vor Gericht

Prozess wegen Betrugs bei Kreditvermittlung: Kriminalbeamter sagt als Zeuge aus

Laut Anklage hat der Beschuldigte seine Kunden über das Internet generiert und ihnen per E-Mail Darlehen versprochen, ohne diese später auszuzahlen.
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Laut Anklage hat der Beschuldigte seine Kunden über das Internet generiert und ihnen per E-Mail Darlehen versprochen, ohne diese später auszuzahlen.

Im Prozess um den Korbacher Unternehmensberater, der sich im Internet als privater Kreditvermittler ausgegeben haben soll, hat ein Kriminalbeamter der Kripo Korbach als Zeuge ausgesagt.

Korbach. Der Polizeibeamte hat in den Fällen ermittelt, bei denen der 63-jährige Korbacher Beschuldigte zahlreiche Menschen betrogen haben soll.

Ein Urteil war für den dritten Verhandlungstag am Korbacher Amtsgericht erwartet worden, doch die Hauptverhandlung wurde unterbrochen, weil weitere Zeugen geladen und Akten eingesehen werden sollen.

Wie berichtet, haben die Geschädigten laut der Anklage zwischen 2011 und 2014 meist jeweils Tausend Euro und mehr auf ein Konto des Beschuldigten überwiesen. Dieses Geld sollte als so genannte Sicherheit dienen, um schließlich ein Darlehen zu bekommen, das jedoch keiner von ihnen jemals ausgezahlt bekam. Insgesamt soll der Angeklagte dadurch 98 200 Euro kassiert haben.

Zwei Fälle mit ähnlichen Vorgängen

Ende Oktober 2014 ging nach Aussage des Kriminalbeamten eine Anzeige aus Baden-Württemberg ein. Diese Anzeige wegen Kreditvermittlungsbetruges richtete sich demnach gegen den besagten Korbacher. Der Sachverhalt sei daraufhin bei der Staatsanwaltschaft Kassel vorgetragen worden. „Dort lag bereits ein ähnlicher Fall vor“, berichtete der Beamte.

Der zweite Fall bezog sich demzufolge auf einen Betrug im Raum Chemnitz – mit demselben Beschuldigten aus Korbach. Dabei hatte eine Frau 24 900 Euro auf ein Konto des Mannes aus Korbach überwiesen. Diese habe aber nie ihre vertraglich vereinbartes Darlehenssumme erhalten. Das hatte die Frau am ersten Verhandlungstag als Zeugin vor Gericht bestätigt.

Weiterer Beschuldigter

In beiden Fällen sollte das geliehene Geld später auf ein Konto der Bank of Scotland zurückgezahlt werden. Der Inhaber dieses Konto sei ein bekannter Betrüger und in diesen Fällen weiterer Beschuldigter aus Walsrode, der bereits wegen diverser anderer Betrugsfälle in Haft war und mit dem Korbacher Angeklagten in Kontakt gewesen sein soll.

Der Kriminalbeamte berichtete von zwei Durchsuchungen bei den beiden Beschuldigten im Juli 2015. Er selbst sei nur bei der in Walsrode dabei gewesen. „Dort fanden wir nicht viel Belastendes“, außer ein Buch des Korbacher Unternehmensberaters und Autors, der dieses mit einer handschriftlichen persönlichen Widmung versehen haben soll.

Außerdem habe man ein Buch des Mannes aus Walsrode beschlagnahmt, mit dem „vielsagenden“ Titel „Mein Leben als Finanzbetrüger“.

USB-Stick mit "vielen Beweisen"

Derweil fand man bei dem vorbestraften Mann aus Korbach Unterlagen und Datenträger sowie einen USB-Stick mit „vielen Beweisen“, darunter die Namen der Geschädigten. Fotos von der Durchsuchung beweisen, dass dieser Stick neben dem Laptop des Angeklagten gelegen hatte. Doch dieser behauptet, den Stick von Dritten zugestellt bekommen und nie eingesehen zu haben. 

Eine weitere Zeugin berichtete indes von E-Mail-Verkehr mit Personen und Firmen, deren Existenz von der Staatsanwaltschaft angezweifelt wird. Hinter diesen soll der Korbacher stecken. 

Dessen Verteidiger wiederum meint, dass diese Firmen- und Alias-Namen sowie Mailadressen ausschließlich von dem zweiten Beschuldigten und nicht von dem Korbacher verwendet worden seien. Sein Mandant habe zwar das Geld – die „Sicherheiten“ – bekommen. Der Angeklagte trage aber keine Verantwortung für Dritte, die die Darlehenssummen nicht ausgezahlt hätten. 

Weitere Zeugen sollen aussagen

Der zweite Beschuldigte und weitere Beteiligte – sofern sie auffindbar sind – sollen daher als Zeugen aussagen. Der zweite Beschuldigte wird aber laut dem Richter Karl-Heinz Kalhöfer-Köchling zurzeit von der Staatsanwaltschaft Hannover gesucht. Bis zum nächsten Verhandlungstermin sollen Verfahrensakten über diesen Mann eingesehen werden. 

Ein weiterer Mann, der hinter einem der vermeintlichen Alias-Namen stecken soll, hat dem Gericht eine Nachricht zukommen lassen, dass er wegen Brüchen an beiden Beinen nicht vor Gericht erscheinen könne.

Bereits zu Beginn der Hauptverhandlung hatte der Angeklagte zugegeben, das Geld erhalten zu haben. Jedoch habe er dafür ausschließlich Aufträge von Dritten erfüllt, behauptet er.

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