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„Trifft den Nerv der Zeit“: Dr. Marion Lilienthal hat ein Buch über Korbach in der Nachkriegszeit veröffentlicht

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Von: Marianne Dämmer

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Rückt die Zeit von 1945 bis 1959 in den Fokus: Dr. Marion Lilienthal (vorn) präsentiert ihr neues Buch „Korbach entdecken – Nachkriegszeit, Aufbruch und Wirtschaftswunder 1945 bis 1959“. Es gratulieren (von links) Violetta Bat, Bürgermeister Klaus Friedrich, Karl Oppermann, Museumsleiter Dr. Arnulf Scriba und Britta Hein.
Rückt die Zeit von 1945 bis 1959 in den Fokus: Dr. Marion Lilienthal (vorn) präsentiert ihr neues Buch „Korbach entdecken – Nachkriegszeit, Aufbruch und Wirtschaftswunder 1945 bis 1959“. Es gratulieren (von links) Violetta Bat, Bürgermeister Klaus Friedrich, Karl Oppermann, Museumsleiter Dr. Arnulf Scriba und Britta Hein. © Marianne Dämmer

Spannend, unterhaltsam und sehr informativ: Die Neuerscheinung „Korbach entdecken – Nachkriegszeit, Aufbruch und Wirtschaftswunder 1945 bis 1959“ von Dr. Marion Lilienthal ist im Wolfgang-Bonhage-Museum vorgestellt worden.

Korbach – Auf 300 Seiten gewährt die Historikerin und Studienrätin der Alten Landesschule Einblicke in eine Zeit, die bislang in Forschung und Veröffentlichungen kaum berücksichtigt wurde. Dabei ist Marion Lilienthal nicht nur in Archiven auf Suche nach Informationen gegangen, sondern hat vor allem Zeitzeugen zu Wort kommen lassen.

Mehr als 40 Korbacherinnen und Korbacher haben ihr Bilder zur Verfügung gestellt, ihre Erinnerungen und ihr Wissen für die Nachwelt geteilt, bei der Suche nach Namen geholfen – sie alle waren damit in die Entstehung des Buches involviert. „Sie waren für mich das Korrektiv, halfen beim Rekonstruieren, dafür bin ich sehr dankbar“, sagt Marion Lilienthal.

Dank all der Informationen aus erster Hand konnte die Historikerin ein lebendiges Bild zeichnen von den Lebensverhältnissen nach dem Krieg bis Ende der 1950er Jahre: In elf Kapiteln skizziert sie den vielschichtigen Alltag in allen Facetten – die soziale, politische und wirtschaftliche Entwicklung, wobei der Fokus auf der Alltagsgeschichte liegt. Das Buch zeichnet auch ein Bild der Mentalität der Menschen jener Zeit und verfolgt die ersten Schritte in der noch ganz jungen Demokratie. So erinnert die Autorin im Kapitel „Kriegsende und Einmarsch der US-Truppen“ etwa daran, welchen Mut es bedurfte, die weiße Fahne beim Einmarsch der Amerikaner zu hissen, um unsinniges Blutvergießen zu vermeiden, obwohl es den Befehl der Ortsverteidigung gegeben hatte und die Todesstrafe drohte.

Die Historikerin blickt nicht nur auf die Höhen jener Zeit, sie schaut auch auf Themen, die sonst gern ausgeblendet werden – etwa auf die mangelnde Aufarbeitung der NS-Zeit, eine kaum erfolgte Entnazifizierung und „Persilscheine“, die schwierige Rolle der Frau, die Lage vieler Vertriebener und Flüchtlinge. Damit dient das Buch auch „der Bildungsarbeit und Aufklärung“, erklärt Marion Lilienthal. Es richtet sich an Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen, diffizile Sachverhalte werden heruntergebrochen, verständlich dargelegt und die Methode folgt doch wissenschaftlichen Kriterien.

Aufruf: Fotos und Objekte aus den Nachkriegsjahren

Zum Thema „Korbach entdecken – Nachkriegszeit, Aufbruch und Wirtschaftswunder 1945 bis 1959“ plant Dr. Arnulf Scriba, Leiter des Bonhage-Museums, eine Ausstellung und ruft Interessierte aus dem Waldecker Land dazu auf, Fotos und Gegenstände aus dieser Zeit zur Verfügung zu stellen.

„Wir suchen aus der Zeit von 1945 bis in die 1950er Jahre Objekte, die im Alltag Einsatz fanden – Siebe, die aus Stahlhelmen hergestellt wurden, und andere Küchenutensilien, Gerätschaften, Radios oder Plattenspieler, Zeitschriften, Fotos, Dekoartikel und dergleichen mehr.“ Wer Leihstücke zur Verfügung stellen kann, wendet sich bitte an das Museum unter Telefon 05631/53-289, E-Mail: museum@korbach.de. (md)

Viele Fotos helfen dabei, die Geschichten lebendig zu halten – und die Menschen, die darauf zu sehen sind, wurden nach Möglichkeit alle benannt. „Sie leben fort mit ihrem Namen, sie bleiben so in der öffentlichen Wahrnehmung verankert“, weiß Marion Lilienthal – sie schaffen auch mehr Nähe und Emotionalität, was der Lektüre des Werkes zusätzlich Spannung verlieht.

„Das Buch weckt das Interesse auf die eigene lokale Geschichte, es sensibilisiert für Demokratie und trifft den Nerv der Zeit“, sagt Museumsleiter Dr. Arnulf Scriba. „Es ist ein gelungener Mix aus Bildern und Texten, sehr gut lesbar – ein großes Lob an Marion Lilienthal und danke an alle, die sich engagiert haben“, unterstreicht Bürgermeister Klaus Friedrich.

„Das Buch zeigt, Demokratie lebt von Menschen, die sie machen“, sagt Violetta Bat vom Netzwerk Toleranz Waldeck-Frankenberg. „Es ist wichtig, diese Themen in den Fokus zu rücken, solange es noch Menschen gibt, die befragt werden können“, unterstreicht Britta Hein, Vorsitzende der Bezirksgruppe Korbach im Waldeckischen Geschichtsverein. Solch wichtige Projekte unterstütze der Lions-Club Korbach-Bad Arolsen gern, sagt der amtierende Präsident Karl Oppermann.

Die Auflage umfasst 300 Bücher. Gesponsert wurde die Veröffentlichung von der Stadt Korbach, dem Netzwerk Toleranz, dem Förderverein der Alten Landesschule, dem Lions-Club Korbach-Bad Arolsen und dem Waldeckischen Geschichtsverein.

Erhältlich ist das Buch, das in der gemeinnützigen Schriftenreihe „Korbach entdecken“ erscheint, zum Preis von 24,90 Euro im Korbacher Museum, dem Stadtarchiv, in der Alten Landesschule und der Korbacher Tourist-Information in der Prof.-Bier-Straße. (Von Marianne Dämmer)

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