Atteste vorgelegt, doch Arzt ist skeptisch

Korbacher Tegut-Markt: Kunden beschweren sich über Mitarbeiter ohne Maske

Tegut-Markt in Korbach: Dass in dem Geschäft Angestellte ohne Mund-Nasen-Schutz arbeiten, hat für Beschwerden gesorgt.
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Tegut-Markt in Korbach: Dass in dem Geschäft Angestellte ohne Mund-Nasen-Schutz arbeiten, hat für Beschwerden gesorgt.

Mitarbeiter, die im Tegut-Markt in Korbach keinen Mund-Nasen-Schutz tragen, haben für Ärger bei Kunden gesorgt.

Wie Ordnungsamtsleiter Carsten Vahland auf Anfrage bestätigte, sind mehrere Beschwerden bei der Stadt eingegangen. „Unserer Kenntnis nach handelt es sich um zwei Mitarbeiter, die ohne Maske im Kundenbereich ihrer Tätigkeit nachgehen.

Laut Marktleiter hätten sie ärztliche Atteste, die sie von der Maskenpflicht befreiten“, so Vahland. Es liege also in der Verantwortung des Arbeitgebers zu entscheiden, ob und wie die Mitarbeiter eingesetzt würden. Mittlerweile seien auch der Landkreis und das Regierungspräsidium (RP) Kassel eingeschaltet worden.

Unsere Zeitung fragte beim RP nach. Dort beschäftigt sich das Arbeitsschutzdezernat mit der Situation im Korbacher Tegut. Zum konkreten Fall könne man sich jedoch nicht äußern. RP-Pressereferent Hendrik Kalvelage informierte stattdessen über das allgemeine Vorgehen. „Die Arbeitsschutzbehörde führt anlassbezogene und anlassunabhängige Kontrollen nach dem Arbeitsschutzgesetz, dem Infektionsschutzgesetz und nach der Corona-Arbeitsschutzverordnung durch.“ Hierbei werde überprüft, ob die Regeln eingehalten werden. Die Kontrolleure seien befugt, vom Arbeitgeber Auskünfte und Unterlagen zu verlangen und bei Verstößen Verwaltungshandeln zur Umsetzung nicht erfüllter Pflichten des Arbeitgebers durchzuführen.

Den Kontrolleuren obliege dabei nicht, die Echtheit und Gültigkeit von Impfausweisen oder ärztlichen Attesten zu kontrollieren oder zu beurteilen. Sollten sich Verdachtsmomente ergeben, könnten die Strafverfolgungsbehörden verständigt werden – also Polizei und Staatsanwaltschaft.

Zweifel, dass es eine medizinische Grundlage für die Atteste der Tegut-Mitarbeiter gibt, hat Dr. Peter Koswig. Der Korbacher Arzt und Grünen-Stadtverordnete hat sich bei Einkäufen in dem Supermarkt an der Briloner Landstraße über die Mitarbeiter ohne Maske gewundert.

Dr. Peter Koswig, Hausarzt und Grünen-Stadtverordneter in Korbach

„Nur extrem selten sind schwer kranke Personen von der Maskenpflicht aus medizinischen Gründen zu befreien. Die Wahrscheinlichkeit, dass bei einer überschaubaren Zahl von Mitarbeitern dieser Sachverhalt gleich auf zwei Personen zutrifft, ist sehr gering. Wegen der dramatischen Infektionslage halte ich das Nicht-Tragen von Masken in Innenräumen mit vielen Kunden aus medizinischer Sicht für inakzeptabel“, so Koswig, der eine Überprüfung der Atteste und Gründe für deren Ausstellung fordert.

Unternehmen will eine Lösung finden

Tegut-Sprecher Matthias Pusch bestätigte auf Anfrage, dass es im Markt in Korbach Mitarbeitende ohne Mund- und Nasen-Schutz gibt. Diese seien durch ärztliche Atteste von der Maskenpflicht befreit. Die Atteste wiesen Merkmale auf, die darauf schließen ließen, dass sie echt seien. Tegut sei es wichtig, dass die Kunden mit gutem Gefühl einkaufen. Daher sei man an einer Lösung interessiert und befinde sich im Austausch mit dem RP, das die Situation vor Ort in Augenschein nehmen werde.

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