Amtsinhaber Friedrich und Herausforderer Dörflinger auf dem Podium in der Stadthalle

Mehr als 600 Besucher beim Wahlforum

+
Auf dem Podium in der Korbacher Stadthalle (von links): WLZ-Chefredakteur Jörg Kleine, Herausforderer Martin Dörflinger, Amtsinhaber Klaus Friedrich und Redakteur Thomas Kobbe.

Korbach - Wunsch und Wirklichkeit: Im WLZ-Wahlforum haben am Dienstag die beiden Bürgermeisterkandidaten Klaus Friedrich und Martin Dörflinger über Leerstände in der Fußgängerzone, Verantwortung in Sachen Hallenbad und einen Hochschulstandort Korbach diskutiert.

Zack, und der kleine, knochenharte Ball landete wieder im Tor: Die erste Runde des WLZ-Wahlforums endete unentschieden mit 1:1. Beim Duell am Tischkicker gaben sich beide Kandidaten nichts. Für die Waldeckische Landeszeitung waren Klaus Friedrich und Martin Dörflinger zum Derby vor dem Derby angetreten. Flink bewegten sie die 22 daumengroßen Männchen aus Hartplastik an acht Stahlstangen. Das Match in einem Nebenraum wurde auf die große Leinwand im Saal der Stadthalle übertragen, wo es die mehr als 600 Besucher zur Einstimmung live verfolgen konnten - bevor es auf der Bühne zum politischen Schlagabtausch kam.

Dort fühlten schließlich Chefredakteur Jörg Kleine und Redakteur Thomas Kobbe dem Amtsinhaber und dem Herausforderer auf den Zahn. Die Themen reichten von Altstadt über Bildung und Finanzen bis hin zu Wirtschaftsförderung und Hallenbad. Außerdem mussten sich beide Kandidaten den Fragen der Leser stellen.

„Sparbuch aufgebraucht“

Zuerst sollten Dörflinger und Friedrich die Kassenlage der Stadt Korbach bewerten. „Wir haben unser Sparbuch aufgebraucht“, sagte Dörflinger und mahnte, mit den knappen finanziellen Mitteln überlegt umzugehen. Sparpotenzial stecke noch in den laufenden Verwaltungsausgaben.

„Wir haben kein Ausgabe-, sondern ein Einnahme-Problem“, entgegnete Friedrich. Wichtig sei es, Arbeitsplätze zu sichern, vor allem bei den großen Arbeitgebern: „Korbach ist ohne Conti nichts“, so der Bürgermeister.

Dann ging es um Leerständein der Innenstadt: Dörflinger vermisste in erster Line die Anbindung der Altstadt an die Fußgängerzone, hier sei zu viel Zeit verstrichen: „Ich erwarte ein Konzept von der Stadt“, so der Kandidat von SPD und Grünen. Unklar sei außerdem die Verteilung von Zuständigkeiten bei der Wirtschaftsförderung. Friedrich will hingegen das Scharnier Altstadt/Fußgängerzone „in einem Guss“ mit dem Neubau des Rathauses. „Davor möchte ich warnen“, spielte Dörflinger auf die Kosten für ein neues Rathaus an.

Aus dem Publikum meldete sich Rainer Emde zu Wort: Vor sechs Jahren habe Friedrich erklärt, er mache die Professor-Kümmell-Straße zur Chefsache. Bereits im Vorfeld hatten die Leser der Waldeckischen Landeszeitung die Möglichkeit, schriftlich Fragen an die Kandidaten einzureichen. Jörg Friese etwa fragte: „War die Einführung der Sperrstunde richtig?“ Hier waren sich beide Kandidaten einig: Die Vandalismusschäden seien deutlich zurückgegangen. Auch im Publikum in der Stadthalle trauten sich nun weitere Besucher, ihre Fragen ins Mikrofon zu sprechen. Dirk Virnich vermisste Angebote für junge Erwachsene, etwa eine Bowlingbahn: „Da ist in Korbach nichts da.“ Solche Projekte rechneten sich offenbar noch nicht, analysierte Dörflinger: „Wir müssen die Innenstadt attraktiver machen, um Investoren nach Korbach holen zu können.“ Friedrich setzt vor allem auf das Angebot der Vereine. Diese müssten weiter von der Stadt unterstützt werden.

Alltagstest auf der Leinwand

Mit der Kamera hatte die WLZ vor dem Forum beide Kandidaten einem augenzwinkernden Alltagstest unterzogen. Das Ergebnis gab es auf der Leinwand in der Stadthalle zu sehen. Die erste Aufgabe: alle 14 Korbacher Ortsteile aufzählen. Friedrich hatte die richtige Taktik und arbeitete sich in einer gedanklichen Rundfahrt vor, Dörflinger verhaspelte sich zunächst beim Ortsteil-Hopping und fand dann aber die Orientierung wieder. Anschließend musste Dörflinger das Gebäude finden, in dem vor 1930 die Stadtverwaltung untergebracht war (die Musikschule). Friedrich erhielt die Aufgabe, das fünfte, eher unbekannte Steinhaus in der Altstadt zu finden (der Herrenhof an der Nikolaikirche). Beide passten - erneut ein Unentschieden.

„Grund zur Rückkehr“

Wieder meldete sich ein Besucher zu Wort: Heinz Faupel aus Hillershausen sah ein Defizit bei der Hochschulausbildung in Korbach. Die Betriebe benötigten qualifiziertes Personal. „Wir müssen nicht in jeder Kleinstadt eine Hochschule haben, das halte ich für den falschen Weg“, sagte Friedrich. Wichtiger sei es, den jungen Menschen einen Grund zur Rückkehr zu bieten. Dörflinger entgegnete, bei praxisbezogenen Berufen könne eine Außenstelle einer Hochschule durchaus ein Erfolgsmodell sein.

Am Saalmikrofon fragte Dr. Manfred Dönitz nach der politischen Verantwortung in Sachen Hallenbad. Absehbare Abstimmungsprobleme zwischen Energie Waldeck-Frankenberg und der Stadt, nannte Dörflinger als ein Hauptgrund für viele Mängel. Es sei ein Fehler gewesen, den EWF-Geschäftsführer komplett aus der Verantwortung zu nehmen: „Da hätte man als Bürgermeister eingreifen müssen“, so der Herausforderer.

„Bad schnell eröffnen“

Seit Anfang Mai seien die Zuständigkeiten klar geregelt und EWF-Geschäftsführer Stefan Schaller allein verantwortlich für die Abwicklung der Mängel. Während des Baus sei indes alles scheinbar in Ordnung gewesen. Jetzt gehe es darum, das Bad schnellstmöglich wieder zu eröffnen. Aus dem Publikum bemängelte Rainer Emde die Auswahl des Generalplaners. Der habe bereits vorher in Lauterbach Schiffbruch erlitten. Weitere Fragen stellten Leser unter anderem zu den Themen Zertifizierung als Fair-Trade-Stadt, Forstwirtschaft oder Blumenschmuck an den Kreiseln, der Stadtmauer und im Stadtpark.

Beim letzten Teil des Alltagstests mussten beide Kandidaten schließlich Ortskenntnis an den Tag legen. Die Aufgabe: den kürzesten Weg vom Rathaus zum Kindergarten in der Laake finden. Dörflinger steuerte, begleitet von der WLZ-Kamera, auf direktem Weg über Hagen- und Schlesische Straße in die Pyritzer Straße, Friedrich nahm den Bogen über Medebacher Landstraße und Westring und war damit zwar schneller aber ein paar Hundert Meter weiter gefahren als Dörflinger. Der Punkt ging an den Herausforderer.

Zum Abschluss wurden beide Kandidaten auf ihre Behördendschungel-Tauglichkeit geprüft. Sie mussten beantworten, wo Sozialschwache die Übernahme der Kindergarten-Gebühren beantragen können. Dörflinger tippte auf die Arbeitsagentur, Friedrich nannte richtig den Fachdienst Jugend im Korbacher Kreishaus. Der Endstand: ein Unentschieden.

Wähler entscheidet

Zumindest beim Kickerturnier und beim Alltagstest lagen beide Kandidaten somit gleichauf. Wer aber genügend Stimmen auf sich vereint, um ins Rathaus einzuziehen, das entscheiden die Korbacher Bürger am 23. September an den Wahlurnen.

1229591

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare