Gedanken des pensionierten Forstbeamten Lehnhausen zur Waldgesellschaft

Mehr Buchen im hohen Upland

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Die Sonne scheint durch den Buchenbestand.

Willingen - Der pensionierte Forstbeamte Gerhard Lehnhausen (Schwalefeld) macht sich Sorgen um die Zukunft der Buchenbestände im hohen Upland - und hält Fürsprache für sie. Hier seine Gedanken zu dem Thema.

. Wenn ich aus meinem Wohnzimmerfenster auf den gegenüberliegenden Berghang zwischen dem Hohen Eimberg und dem Treiskopf schaue, sehe ich im schwindenden Gegenlicht der untergegangenen Sonne von links eine gezackte Lisière. Sie wird gebildet von den Baumspitzen des Fichtenwaldes, geht zum Treiskopf hin über in eine geschwungene Linie der Kronen der dort bis zum Plateau den Berg hinauf stehenden Buchen.

Existenzkampf

Ich kenne sie seit Jahren. In dieser Höhenlage von bis zu 800 Metern über dem Meeresspiegel können sie nicht mehr ihren großen Vorteil anderen Laubbaumarten gegenüber ausspielen, um ihre Nachkommenschaft unter ihrer breiten Krone schützend aufwachsen zu lassen. Sie sind hier nicht mehr auf dem optimalen Standort, sondern in einem Existenzkampf gegen unterstehende Pflanzenarten, die zwar zu ihrer Gesellschaft gehören - zum Beispiel Himbeere, Borstgrasarten und Kräuter -, die sie in wachstumsgünstigeren, tieferen Lagen zugunsten ihrer Nachkommenschaft im Kronenschatten beherrschen können. Und da sind noch andere Schwierigkeiten, mit denen die Sorge aufsteigt, diese Bäume der hochgelegenen flachgründigen Tonschieferböden könnten die Letzten ihrer Art sein: Die wenigen Jungbuchen und -fichten - natürlich gemischt - unter dem lückigen Kronendach sehen gärtnerisch herangezogenen „Bonsai-Gewächsen“ ähnlicher als jungen Waldbäumen. Sie sind vom hohen Wildstand durch jahrelangen Verbiss im Höhenwuchs geschädigt und erfahrungsgemäß in solch geringer Zahl vorhanden, dass bei dem Alter dieser Buchenbestände damit zu rechnen ist, dass der Nachwuchs nicht mehr ausreicht, wieder einen neuen Buchenbestand für die Zukunft zu bilden.

Mehr Geduld

Die alten Förster vor 150 Jahren hatten scheinbar auch mehr Geduld mit dem zeitlichen Lauf der Verjüngung; die Art der Bejagung des Wildes muss wohl auch erfolgreicher gewesen sein.

Die waldbauliche Zielsetzung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten gefestigt im Bewusstsein einer wie auch immer verursachten Klimaänderung mit abschätzbaren Folgen für die Zusammensetzung mit einheimischen Baumarten in den Waldbeständen. Sie geht vor allem hin zum Mischwald in einem Grundbestand aus Laubbäumen - Buchen - in natürlich gewonnenem Jungwuchs. Das Leitwort heißt „Naturgemäßer Waldbau“, keine Kahlschlagwirtschaft mehr.

Wildbestand senken

Wenn dieses Ziel in den Hochlagen des Uplandes auch erreicht werden soll, muss der Wildstand gesenkt werden auf eine Zahl von zirka drei Stück Rehwild je 100 Hektar. Dies ist die vom Jagdgesetz gemeinte Wilddichte, die es ermöglicht, dass alle einheimischen Baumarten ohne künstlichen Schutz ungehindert hochwachsen können in einer waldbaulich notwendigen, natürlichen Zeitspanne. Für die Abschussplanung und die Kontrolle des Vollzuges ist die Untere Jagdbehörde zuständig und verantwortlich.

In diesen Buchenbeständen, die ich besuchte, ist die Zeit auf den hoch gelegenen Flächen fast abgelaufen. Wie die Folgen daraus aussehen können, ist in angrenzenden Fichtenwäldern in Nordrhein-Westfalen deutlich zu sehen, die auch einmal Buchenwälder waren: Sie sind beim Orkan im Frühjahr 2007 umgeweht worden. Darum sollte den Buchen am Treis noch eine Chance gegeben werden.

Buchen färben den Wald

Sie sind die autochthone Baumart und färben den Wald über das ganze Jahr weit sichtbar vom hellen Grün im Frühjahr über das satte Grün im Sommer bis zum Braunrot im Herbst. Und im Winter stehen sie schweigend da, die leichte Raureiflast tragend.

Sie haben dem reinen Nadelbaumbestand gegenüber an dieser Stelle nicht nur den Vorteil der Standfestigkeit, und wenn ich bei ihnen bin, gefallen sie mir in ihrer Urigkeit auch besser.

Zur Person

Gerhard Lehnhausen (83)stammt ursprünglich aus Kassel. Als junger Förster war er zunächst in der Rhön tätig, wohnte später in der Hüstenmühle bei Frankenberg, war Büroleiter im Forstamt Korbach und wirkte 20 Jahre als Revierförster in Dehringhausen. Seit seiner Pensionierung im Jahr 1994 lebt er in Schwalefeld, wo die Familie bereits seit 1969 ein zunächst als Ferienwohnung genutztes Haus besaß. (bk)

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