Rund 800 Mitarbeiter bei der Betriebsversammlung des Korbacher Continental-Werkes

Mehr Flexibilität und Qualifikation

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Dem Pressegespräch nach der Betriebsversammlung stellten sich gestern: Personalleiter Kambiz Shahid, der Geschäftsführer von Conti-Tech, Ulrich Spitzer, Werksleiter Lothar Salokat, Vorstand Heinz-Gerhard Wente von der Continental-AG in Hannover, Petra Beckmann von der Conti-Tech-Geschäftsleitung, Jörg Schönfelder und Björn Schöffe vom Betriebsrat und Gewerkschafter Heinz Schweinsberg.Foto: -sg-

Korbach - Mit mehr Flexibilität und Qualifikation sollen die etwa 3400 Mitarbeiter des Korbacher Werkes auf die Schwankungen der Märkte reagieren und das Kostenniveau konstant halten.

Darum drehten sich die Reden bei der Betriebsversammlung. Der Vorsitzende des Betriebsrats, Jörg Schönfelder, und Werksleiter Lothar Salokat zogen Bilanz und blickten aufs nächste Jahr. Zu Gast war wieder der Leiter der „Division Conti-Tech“ und AG-Vorstand Heinz-Gerhard Wente aus Hannover. Er schilderte die Lage auf den Märkten.

Ein Industriewachstum sei eher in Übersee zu erwarten, sagte er. Auf dem für Conti großen „Heimatmarkt Europa“ sei jedoch kein „dramatisches Wachstum“ absehbar. Aber diese Märkte gelte es gegen die Wettbewerber zu verteidigen. Der geplante Kauf eines amerikanischen Wettbewerbers habe auf Conti-Tech keine Auswirkungen. Der Standort Korbach schlage sich im Wettbewerb gut, betonte er. Diese Position gelte es zu stabilisieren: „Wir trauen dem Werk einiges zu.“ Aber es werde ebenfalls nicht gravierend wachsen, daher sei es als Erfolg zu werten, wenn die Zahl der Mitarbeiter gehalten werde. Wente mahnte, die Werke müssten sich immer wieder restrukturieren, um sich dem schwankenden Bedarf anzupassen.

Er hob auch die großen Investitionen in Korbach hervor. Das seien letztlich Rationalisierungsinvestitionen, um Kosten zu senken, erklärte Schönfelder. „Das hat hier funktioniert - denn Betriebsrat und Gewerkschaft begleiteten die Prozesse aktiv mit, durch Tarifverträge sollten Beschäftigung und Standort gesichert werden.

Für die Industriegewerkschaft Chemie und Energie stellte der nordhessische Vorsitzende Heinz Schweinsberg die Tarifforderungen für 2015 vor. Die Löhne sollen um fünf Prozent steigern, der Demographie-Fonds für ältere Beschäftigte soll beibehalten werden. Conti wolle weiter die „Sozialpartnerschaft pflegen“, versicherte Wente. Er blickte aber auch auf den Kostendruck durch den Wettbewerb. Er forderte daher einen Abschluss „mit Augenmaß“ und kündigte „harte, aber konstruktive Verhandlungen“ an.

Mit mehr als 85 Prozent Mitgliedern habe die Gewerkschaft im Korbacher Werk einen hohen Organisationsgrad, sagte Schweinsberg. Auch alle 100 Vertrauensleute im Werk seien Gewerkschafter. Er lobte die hohe Ausbildungsquote in Korbach: 145 Lehrstellen sind es derzeit - mit vier Prozent liege sie über dem Konzerndurchschnitt, sagte Wente.

Im „Mix“ produzieren

Für die Hochdruckschläuche von Conti-Tech machte Salokat als Trend aus, es gebe immer weniger Großserienfertigung und immer mehr kleine Produktionslinien mit hochwertigen Produkten. Bei den Kleinserien müsse ein gewisses Volumen erreicht werden, um das Kostenniveau zu halten, erläuterte Wente. Conti brauche den Standort Korbach, „aber wie legen wir die Produktion aus?“

Ein Weg: Bestimmte Arbeiten werden in Billiglohnländer verlagert, etwa nach Osteuropa. Dies bringe auch Korbach Aufträge, betonte Petra Beckmann von der Conti-Tech-Geschäftsleitung: Das Werk liefere technisch anspruchsvolle Schläuche zu. Dieser „Mix“ habe sich bewährt, sagte Salokat.

In der Reifenproduktion soll 2015 das Programm „Facharbeiter plus“ anlaufen, dabei sollen Facharbeiter so fortgebildet werden, dass sie sogar Aufgaben von Ingenieuren übernehmen können. Außerdem läuft bereits ein Programm, um Beschäftigte aus anderen Berufen intern zu qualifizieren, ohne dass sie gleich das IHK-Zertifikat erwerben. Sie sollen Arbeitszeit einbringen, der Betrieb stellt die Ausbildung sicher. Eine Projektgruppe habe ein Motto ausgegeben, berichtete Schönfelder: „Dein Wissen ist unsere Zukunft, unsere Zukunft bist du“.

„Je besser die Qualifikation ist, desto besser ist das Arbeitsergebnis, erklärte Salokat. Den Beschäftigen solle das „Grundverständnis für den Reifenbau“ vermittelt werden, davon verspricht er sich „einen deutlichen Sprung bei der Qualität“.

Auch er hob die Bedeutung der Flexibilität hervor: Eine Maschine in der Reifenproduktion werde inzwischen am Tag acht mal umgerüstet, um die verschiedenen Größen herzustellen, bei Conti-Tech seien es sogar bis zu zehn Umrüstungen. Und die Maschinen würden immer komplexer, fügte Björn Schöffe vom Betriebsrat hinzu.

Die Zahl der Größen werde zunehmen, sagte Salokat: von derzeit 90 auf mehr als 100. Korbach habe sich damit hervorgetan, diese Bandbreite zu schaffen, fügte Wente hinzu.

Schönfelder verwies aber auch auf Folgen der hohen Flexibilität für die Beschäftigten, etwa durch die Arbeitszeitkonten. Dies gelte es zu managen.

Neue Büros und Lager

Salokat ging auch auf die Bauarbeiten am Standort ein. So entstehen derzeit am Tor 1 neue Büros für die „deutlich gewachsene“ Zweiradsparte, auf zwei Flächen sollen 70 Mitarbeiter Platz finden. Schließlich sei in Korbach alles von der Forschung und Entwicklung bis zum Marketing angesiedelt. „Wir sind erfolgreich unterwegs.“ Der Bau des neuen Fahrradreifen-Lagers liege im Zeitplan, im Februar soll der Einzug beginnen.

Viel sei im Werk in den vorigen Monaten verändert und angepasst worden, sagte Salokat. „Es war ein anspruchsvolles Jahr - aber wir sind die Herausforderungen angegangen und haben gute Arbeit geleistet.“

Von Dr. Karl Schilling

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