Hansestadt und Land Hessen unterzeichnen Vertrag zur Renaturierung an der Aar

Mehr Raum für Fluss und Tiere

Grünes Ufer, klares Wasser: Der Lauf der Aar, wie hier in Eppe, wirkt natürlich. Die meisten Flüsse und Bäche sind jedoch seit Jahrhunderten von Menschenhand verändert, verrohrt und kanalisiert. Ein Abschnitt der Aar soll künftig „renaturiert“ werden.

Korbach - 450 000 Euro des Landes sollen einem Flusslauf im Korbacher Westen auf die Sprünge helfen: Bis 2015 wird die Talaue der Aar von Nieder-Schleidern über Eppe bis Hillershausen „renaturiert“.

Scheinbar sanft schlängelt sich die Aar durch ihre Talaue. Doch bei Schneeschmelze im Frühjahr oder Regenfluten im Sommer kann das Flüsschen auch reißerisch werden. So dient eine „Renaturierung“ dem Schutz vor Hochwasser - aber gleichermaßen auch einer ökologischen Verbesserung für Pflanzen und Tierwelt.

Für einen 5,5 Kilometer langen Abschnitt im Korbacher Gewässersystem schlossen Hansestadt und Land Hessen deshalb einen Vertrag. Bürgermeister Klaus Friedrich und Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke unterzeichneten gestern im Rathaus das Papier.

Stark beteiligt an der Planung war ebenso der Landkreis mit seiner Wasserbehörde, wie Erster Kreisbeigeordneter Jens Deutschendorf betonte. Rathauschef Friedrich dankte Land, Regierungspräsidium und Landkreis für die Unterstützung.

Bis 2015 soll das Projekt umgesetzt werden. Dabei muss Korbach aus der Stadtkasse keinen Cent hinzutun, denn das Vorhaben wird zu 100 Prozent vom Land Hessen bezahlt. Dieser Glücksfall hat indes Methode: Stadt und Kreis verknüpften für das Projekt zwei Vorgaben der Europäischen Union (EU) - die „Wasserrahmenrichtlinie“ und „Natura 2000“. Durch die Verbindung unterschiedlicher Fördertöpfe kann die Hansestadt das Projekt ohne eigene Investitionen verwirklichen.

Basis ist ein großräumigeres Konzept zur Renaturierung der Flussläufe von Aar, Neerdar und Rhena, das im Büro „Bioline“ (Lichtenfels) für die Stadt Korbach erarbeitet wurde. Auf einem Teilabschnitt von 5,5 Kilometern der Aar wird das Vorhaben nunmehr realisiert.

Der Fluss erhält künftig mehr Raum, alte Wehre, Schwellen oder Rohrdurchlässe werden stellenweise entfernt. Aufschüttung von Kies, teils neue Furten gehören ebenso zum Konzept. Damit kann sich die Aar natürlicher ausdehnen, zugleich sinkt die Fließgeschwindigkeit. Und dies soll sich in der Folge bis in Eder und Fulda auswirken.

An der Aar wiederum sollen Fische (Groppe, Neunauge), Fischotter, Amphibien, Eisvogel, Flussregenpfeifer oder Schwarzmilan von besseren Lebensbedingungen profitieren.

Bevor die Bagger loslegen können, muss die Stadt aber zunächst Vereinbarungen mit Grundbesitzern an der Aar treffen. Dann folgen die Ausschreibungen für Planung und Bau.

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