Stadt will in Photovoltaik investieren · SPD/Grüne fordern mehr Bürgerbeteiligung

Mehr Solarzellen aufs Dach

Korbach - Die Stadt wird auf eigenen Dächern stärker Sonnenenergie nutzen. SPD und Grüne wollen indes mehr Nachdruck bei der Energiewende im Rathaus.

Stadt und Bürger sollen sich gemeinsam an einer Gesellschaft zur Förderung erneuerbarer Energien beteiligen. Das war das Ziel von SPD und Grünen mit einem Antrag im Februar. Zumal im Finanzplan der Stadt für 2012 bereits 100 000 Euro verankert sind.

Im Blickpunkt hatte Rot-Grün die Photovoltaik, also Strom aus Sonnenenergie. Die aktuelle Vorlage der Stadtverwaltung überzeugte SPD und Grüne deshalb zunächst nicht. „Beim ersten Lesen dachte ich: ein Begräbnis dritter Klasse“, erklärte SPD-Sprecher Henrik Ludwig. Doch beim genaueren Hinsehen sah Ludwig am Dienstagabend im Parlament doch einen praktikablen Ausweg: „Es ist das, was momentan geht.“

Städte und Gemeinden dürfen sich nach einer Änderung der Hessischen Gemeindeordnung Ende 2011 bei erneuerbaren Energien wirtschaftlich betätigen. Statt der Gründung einer neuen Gesellschaft, an der sich nach Wunsch von SPD und Grünen möglichst Stadt und Bürger je zur Hälfte beteiligen, schlägt die Stadt aktuell aber direkte Investitionen vor. Argument: Die Rendite bei Solarstrom sinkt weiter, eine sichere Prognose der Einspeisevergütung ist derzeit nicht möglich. Denn das Bundesgesetz steckt derzeit in Überarbeitung.

Lieber Spatz in der Hand

Das im Stadtsäckel verankerte Geld soll deshalb zunächst für Solarzellen auf eigenen Dächern genutzt werden. Beispiele für geeignete Flächen sind der Kindergarten Strother Straße, eine Scheune am Ellerbruch, das Dorfgemeinschaftshaus Strothe, ein Wohnhaus in der Frankenberger Landstraße und das Altenheim am Nordwall.

Größere Dachflächen, wie etwa am Parkhaus oder der Mehrzweckhalle Eppe, kommen für zusätzliche Lasten nicht in Betracht. Um eine stärkere Bürgerbeteiligung bei erneuerbaren Energien künftig doch noch zu ermöglichen, sieht die Stadt die bereits gegründete „Windpark Korbach GmbH“ als Alternative.

So warb Andreas Ruppert (CDU), dem Vorschlag der Verwaltung zu folgen. Zumal die Renditen für die Bürger bei Photovoltaik in einem finanziellen Beteiligungsmodell nicht sehr interessant seien. „Hätten wir im Februar ordentlich Gas gegeben, dann hätten wir eine attraktivere Vergütung noch nutzen können“, kritisierte derweil Grünen-Fraktionschef Daniel May.

Ablehnen wollte May den Vorschlag der Stadt aber auch nicht. Devise: Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. Für die Zukunft fordern May und SPD-Fraktionschef Martin Dörflinger jedoch mehr Beteiligungschancen der Bürger an der Energiewende: „Hier ist wertvolle Zeit verstrichen“, unterstrich Dörflinger. Zudem fehle es bislang am Konzept.

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