Aktionstag für Auszubildende von Continental mit der Berufsschule zum Thema Ernährung und Bewegung

„Mein Gott, ich esse ja nur Nudeln“

+
Einer für alle, alle für einen. Teamschulung war ein wichtiger Baustein bei dem Aktionstag für die rund 80 Auszubildenden von Continental.

Korbach - Geht es den Lehrherrn etwas an, ob sich sein Lehrling gesund ernährt oder durch Sport fit hält? Nein, eigentlich nicht, das ist Privatangelegenheit. Beim Autozulieferer Continental sieht man das seit einigen Jahren anders und er fördert dies mit Angeboten, bei denen sich die Auszubildenden Wissen über Gesundheit und Fitness aneignen können.

Eine dieser Offerten ist der Aktionstag „Bewegung und Ernährung“, der gestern in Zusammenarbeit mit den Beruflichen Schulen Korbach und Bad Arolsen stattfand. Dabei durchliefen die rund 80 Conti-Auszubildenden sechs Workshop-Stationen, drei für Ernährung (Leistungsumsatz, Sportgetränke, gesunde Ernährung) und drei für Bewegung (Sportabzeichen, Teamtraining, Fitnesstest).

Die Kurse wurden von sechs Berufschullehrern geleitet. Dort erfuhren die Jugendlichen etwa Leitsätze wie diesen: Es gibt keine gesunden Lebensmittel, es gibt nur eine gesunde Ernährung. „Wenn jemand sich nur von Äpfeln ernährt, wandelt sich der Apfel zum ungesunden Lebensmittel“, erklärt Dirk Schmid, federführender Pädagoge des Ernährungsteils. In der Sportgetränke-Abteilung wurden Mineralwässer, Säfte, isotonische Getränke und Energiedrinks auf ihre Inhaltstoffe hin unter die Lupe genommen. Den Azubis wurde der mehrheitliche Irrglaube genommen, Nektar sei für die gesunde Ernährung und von den Inhaltsstoffen her wertvoller als Saft.

Die Lebensmittel- und Werbeindustrie führten den Verbraucher mit optischen Tricks und geschickter Wortwahl immer wieder auf falsche Ernährungspfade.

Wie viel Sport muss ich treiben, bis ich einen Burger wieder abtrainiert habe? Die Antwort ist nicht nur für Jugendliche schockierend: Vier Stunden schwimmen.

Nachdenken über mögliche Nachtische

Der Workshop „Leistungsumsatz“ appellierte an einen bewussteren Umgang mit Essen. Dort blieben viele eine genaue Antwort auf die Frage schuldig: Was habe ich in den vergangenen zwei Tagen gegessen? Hier kann sich übrigens jeder mal an die eigene Nase fassen.

Und bei diesem intensiven Nachdenken über mögliche Nachtische wurden aus der Magengegend unerwartete Erkenntnisse ins Bewusstsein gelenkt: „Mein Gott, ich esse ja nur Nudeln“ sagte ein Lehrling erstaunt und ein weiterer musste feststellen, dass er sich unbewusst nahezu ausschließlich von Pizza ernährt.

Beim Workshop „Bewegung“ wies der hier federführende Lehrer Peter Trietsch darauf hin, dass eine Stunde Sport auch für Berufsschulklassen noch im Lehrplan verankert sei, sie aber kaum noch stattfinde. Eine Argument dagegen: „Ihr spielt in dieser Stunde doch nur Fußball.“ Diese 45 Minuten könnten sehr wohl sinnvoll genutzt werden, betonte der Pädagoge, indem an der Teamschulung oder der persönlichen Fitness gearbeitet werde. Teamfähigkeit sei überall in der Gesellschaft wichtig, ob in Firma, Familie oder Verein.

Im Workshop wurden folgende Fragen gestellt: Was ist ein gutes Team oder wie funktioniert es gut? Die Antworten fanden die Lehrlinge teilweise in Bewegungsspielen, bei denen eine Gruppe nur durch gemeinsame Aktionen ans Ziel kommt.

Beim Fitnesstest, wo Kondition, Geschicklichkeit und Kraft auf dem Prüfstand standen, wurde vielen Teilnehmern klar, dass sie vor allem im Ausdauerbereich nicht gut drauf sind. Beim 12-Minuten-Lauf ging einigen die Puste vorzeitig aus. Mit dem Angebot „Sportabzeichen“ bekommt der Aktionstag auch einen längeren Atmen, denn wer hier auf den Geschmack der Bewegung gekommen ist, kann diese Lust weiterhin ausleben.

„Wir werden eine innerbetriebliche Sportabzeichen-Gruppe gründen, die sich einmal pro Woche zum Training trifft“, sagte Dr. Thomas Fölsch, Leiter der Aus- und Weiterbildung bei Continental. Er hat diesen Aktionstag ins Leben gerufen, der alle zwei Jahre stattfindet. 2011 hätten zehn Lehrlinge das Sportabzeichen erworben und ein Jahr später seien es 13 gewesen. Das Unternehmen belohne diese Azubis zusätzlich mit einer kleinen Anerkennung.

Die Reaktionen der Lehrlinge auf den ersten Aktionstag 2011 seien meist positiv gewesen, betont Fölsch. Es wurde ein Feedback-Bogen verteilt, auf dem jeder seine Meinung anonym mitteilen konnte.

Der Ausbildungsleiter hat auch festgestellt, dass die Bereitschaft der Jugendlichen groß sei, in ihrem Leben in Sachen Ernährung und Bewegung etwas zu verändern. Dieser Aktionstag, Fölsch und die Lehrer sind dabei nur die Wegweiser für die Jugendlichen, den Weg müssen die dann selbst gehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare