Andrea Dittrich tritt in Fußspuren ihrer Mutter und wird Gemeindereferentin

„Meinen eigenen Glauben weitergeben“

+
Andrea und Marliese Dittrich aus Hillershausen: Zwei Generationen von Gemeindereferentinnen erzählen aus ihrem Arbeitsalltag.

Korbach-Hillershausen - Sie sind beide auf Umwegen zu ihrem Beruf gekommen und würden ihn gegen keinen anderen eintauschen: Andrea Dittrich und Mutter Marliese aus Hillershausen engagieren sich als Gemeindereferentinnen.

Wenn Andrea und Marliese Dittrich aus Hillershausen nach ihrer Motivation gefragt werden, dann antworten sie wie aus einem Mund: „Wir wollen mit Menschen arbeiten und unseren Glauben weitergeben“. Da sind sich Mutter und Tochter völlig einig. Ohnehin weisen ihre Lebenswege Parallelen auf, die unverkennbar sind. „Ich arbeitete als Speditionskauffrau, als mir klar wurde, dass das Leben im Büro mir nicht genug war“, erinnert sich Marliese Dittrich an eine Zeit vor 37 Jahren. Der Priester hatte sie damals darauf gebracht: „Mädchen, mach was mit Menschen, das ist was für Sie.“ Marliese Dittrich glaubte ihm und bereute es nie: Sie studierte und begann vor 31 Jahren als Gemeindereferentin.

Studium in Paderborn

„Nein, diesen Job wollte ich auf keinen Fall machen“, erinnert sich Andrea Dittrich schmunzelnd an 2002, als sie an der Alten Landesschule ihr Abitur machte. „Ich wollte nicht studieren und entschied mich für eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten“, erzählt sie. Wie ihr Papa. Aber wohl nicht ohne Grund zog es sie zur Ausbildung nach Paderborn ins Erzbischöfliche Generalvikariat. Und eben dort laufen auch die Fäden der Gemeindereferenten zusammen. „Schon immer war mir Gott und Glaube wichtig“, erzählt Andrea Dittrich, „aber erst im letzten Jahr meiner Ausbildung erkannte ich, dass ich auch als Gemeindereferentin arbeiten will.“

Sie schloss ihre Ausbildung ab und entschied sich für ein Studium der Religionspädagogik an der Kirchlichen Hochschule in Paderborn. Ganz anders als ihre Mutter vor mehr als 30 Jahren wusste die junge Hillershäuserin, worauf sie sich einließ: „Schließlich lag ein 20-jähriges Praktikum hinter mir“, sagt sie schmunzelnd und erinnert sich an viele Termine rund um Hillershausen, bei denen sie ihre Mutter begleitet hatte. Sie wusste, wie vielseitig der Beruf ist und wie vielen Menschen sie dabei begegnen würde. „Das sind Menschen aller Generationen in ganz verschiedenen Lebenssituationen“, sagt Andrea Dittrich. Und sie im Leben und Glauben zu begleiten, das wünschte sie sich.

Sie schloss das Studium ab, wurde Gemeindeassistentin, bestand in diesem Jahr ihre zweite Prüfung und erhielt am vergangenen Wochenende von Weihbischof Matthias König ihre pastorale Beauftragung als Gemeindereferentin. Und was bedeutet das für ihren Arbeitsalltag? „Ich arbeite als Teil eines großen Teams gemeinsam mit den Priestern“, erzählt sie. Angestellt ist sie im Pastoralverbund Heder-Gunne-Lippe. Dort ist sie vor allem zuständig für die Erstkommunionvorbereitung. „Ich feiere mit Kindern und Eltern Gottesdienste, bin für Seelsorgestunden in der Schule eingeteilt und wirke bei der Firmvorbereitung, in der Altenarbeit und Frauenarbeit mit“, erzählt sie.

Viel habe sich seit damals verändert, sagt Marliese Dittrich nachdenklich, als sie ihre Tochter erzählen hört. „Als ich vor 27 Jahren nach Hillershausen kam, da waren die Menschen froh, dass wieder jemand ins Pfarraus einzog“, sagt sie. Vor allem für die Menschen vor Ort habe sie als Ansprechpartner gegolten, dann weitete sich ihre Arbeit auf Katholiken in ande-ren Orten aus - vor allem die Kinder nahm sie in den Fokus, sie unterrichtet an den Grundschu-len in Eppe und Sachsenberg.

Neue Strukturen

„Heute arbeiten Gemeinde-referentinnen für Pastoralverbunde“, sagt Marliese Dittrich, die selbst inzwischen im ge-samten Pastoralverbund Korbach tätig ist. Statt für einzelne Orte sind sie für besondere Themen verantwortlich und organisieren ihre Arbeit im Team. „Längst lebt nicht mehr auf jedem Dorf ein Priester“, sagt Andrea Dittrich. Die Zeiten haben sich verändert und mit ihnen das Berufsbild der Gemeindereferentin. „Unsere Generation denkt bereits in großen Verbänden“, sagt sie. Und so gilt auch ein Teil des Studiums der Arbeit innerhalb der neuen Strukturen. „Wir haben zum Beispiel gelernt, Ehrenamtliche auszubilden, die uns unterstützen“, erklärt die 28-Jährige, denn auf den Einsatz Freiwilliger kommt es zukünftig noch viel stärker an.

Traurig darüber, dass sie in der katholischen Kirche nicht selbst Pfarrerin werden kann, war sie nie. „Ich fühle mich im Team und in der Zusammenarbeit mit den Priestern als gleichberechtigt“, sagt sie, „ich möchte Gemeindereferentin sein.“

Obwohl sich das Berufsbild verändert hat und auch Marliese Dittrich ihre Arbeit den neuen Gegebenheiten angepasst hat, steht die Tochter mit den gleichen Idealen am Berufsbeginn wie ihre Mutter vor 31 Jahren: „Meine Entscheidung für diesen Beruf ist ein Ja zu Gott und zu den Menschen“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare