Bischof Dr. Martin Hein reist durch den Kirchenkreis

Menschen auf Augenhöhe begegnen

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Mit vielen Fragen bestürmten die Kinder der Paul-Zimmermann-Schule Bischof Dr. Martin Hein.

Korbach - Er will den Menschen im Kirchenkreis begegnen - den kleinen und den großen, Menschen in Wirtschaft, Kirche und in der Schule. Deswegen reist Dr. Martin Hein, Bischof der Landeskirche von Kurhessen-Waldeck, seit gestern durch die Region.

Die Aufregung in der Paul-Zimmermann-Schule ist groß. Es kommt berühmter Besuch, haben die Lehrer den aufgeweckten Schülern erzählt. Eine fröhliche, kleine Abordnung empfängt Bischof Dr. Martin Hein schließlich im Foyer. Gemeinsam mit Dekanin Eva Brinke-Kriebel und Propst Helmut Wöllenstein (Marburg) hat er sich auf den Weg nach Korbach gemacht.

Am Abend besucht Bischof Hein in Flechtdorf die Synode, das Parlament des Kirchenkreises Twiste-Eisenberg, am Mittag aber nimmt er sich Zeit für die Schüler der Paul-Zimmermann-Schule. Begeistert entdeckt er Snoozle-Raum und Schwimmbad, steigt in das Gespräch mit einem jungen Schüler ein, der sich über einen Computer verständigt, und stellt sich den Fragen der Kinder: „Du bist der Chef der Kirche“, stellt ein Junge fröhlich fest. Und dann: „Hast du auch Kinder?“

Dr. Martin Hein nimmt sich Zeit, antwortet, fragt und stellt sich schließlich dem Gespräch mit den Lehrern. Die Landessynode in der nächsten Woche beschäftigt sich mit dem Thema „Inklusion“, sagt er und nimmt deutlich Stellung: „Es ist ein falscher Zugang, unter ideologischen Maßstäben alles rückgängig machen zu wollen, was in den vergangenen 40 Jahren erarbeitet worden ist“, befindet der Bischof. So gerieten Förderschulen wie die Paul-Zimmermann-Schule unter Legitimationsdruck, nachdem es lange genug gedauert habe, um solche Schulen überhaupt einzurichten.

Unterstützung bekommt er von Nina Jonescu, Leiterin der Paul-Zimmermann-Schule, und Ute Moldenhauer, Rektorin an der Humboldtschule. „Natürlich wünschen wir uns, dass die Akzeptanz von Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft erhöht wird“, sagt Nina Jonescu, „aber in unseren Schulen bieten wir unseren Kindern einen Schonraum mit besonderen Möglichkeiten zur Förderung.“ Und deswegen sei es keine Alternative, alle Kinder mit Behinderung in Regelschulen zu unterrichten. Stattdessen seien andere Modelle gefragt.

Wie die aussehen können, erklärt dann Ute Moldenhauer: „Wir müssen Begegnungen schaffen.“ Und das gelinge Humboldt- und Paul-Zimmermann-Schülern inzwischen gut. „So bauen wir Berührungsängste ab“, freuen sich die beiden Schulleiterinnen. Ihr Nachmittagsangebot haben beide Schulen auch für Kinder der jeweils anderen Schule geöffnet, gemeinsame Projektwochen und Veranstaltungen haben zu Freundschaften geführt.

Besuch im Werk

„Mir ist wichtig, dass ich bei Besuchen der Kirchenkreise auch die Rahmenbedingungen kennenlerne, unter denen die Menschen leben“, betont Bischof Hein. Und dazu hatte er am Morgen den Einblick erhalten in ein weithin einzigartiges Unternehmen - die Firma Horizont in Korbach.

Weidezaungeräte und Verkehrssicherheit (Signaltechnik) sind die beiden Schwerpunkte des Unternehmens, das weltweit rund 450 Mitarbeiter beschäftigt, davon 260 in der Hansestadt Korbach. Horizont hat dabei eine enorme Fertigungstiefe, wie die Geschäftsführer Dirk Trompeter und Steffen Müller beim Rundgang durchs Werk hautnah präsentierten.

Werkzeuge für Kunststoffformen, Gehäuse, Spulen, Platinen für Steuerung und Schaltungen - Stück für Stück wird in Korbach produziert. Damit gelingt es Horizont, schnell, qualitativ hochwertig und sehr individuell die Nachfrage von Kunden aus aller Welt zu erfüllen.

Was Bischof Hein ebenso an wichtiger Erkenntnis mitnimmt: In Waldeck-Frankenberg stammen ein Viertel aller Arbeitsplätze aus der Industrie, wie Trompeter schilderte. So ist die Region eben weit mehr als Hessens beliebtestes Urlaubsziel - vor allem nämlich eine tatkräftige Hochburg gewerblicher Wertschöpfung.

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