Gisela Wiethoff arbeitete zehn Jahre als Schiedsfrau und vermittelte in Streitigkeiten

Die Menschen ernst nehmen

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Ortsgerichtsdirektor Pierre Brandenstein (l.) und Bürgermeister Klaus Friedrich (r.) bedankten sich bei Gisela Wiethoff für ihr zehnjähriges Wirken als Schiedsfrau.

Korbach - Mit viel Fingerspitzen- gefühl, Souveränität und Ernsthaftigkeit hat Gisela Wiethoff zehn Jahre lang ehrenamtlich als Schiedsfrau Streit geschlichtet, vermittelt und als Bindeglied zwischen der Bürgerschaft und dem Rechtswesen fungiert.

„Manchmal dachte ich, das kann überhaupt nicht klappen“, erinnert sich Gisela Wiethoff. „Und dann haben die Parteien am Ende als Freunde den Raum verlassen.“ 302 Beratungen und 33 Verhandlungen hat sie als Schiedsfrau in zehn Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit geführt. Nun beendet sie ihren Dienst.

Dafür bedankten sich die Stadt Korbach und auch das Amtsgericht mit Urkunden. „Sie sind mit ihrem Fachwissen ein ganz wichtiges Bindeglied zwischen der Bürgerschaft und dem Rechtswesen“, betonte Bürgermeister Klaus Friedrich, denn das Schiedsgericht wirkt zunächst vermittelnd, wenn es um nachbarschafts-, straf- und zivilrechtliche Streitigkeiten geht. „Das ist sogar im Gesetz vorgeschrieben“, erklärte Pierre Brandenstein, Direktor des Korbacher Amtsgerichts. In allen 22 Kommunen des Landkreises sind Schiedsfrauen und -männer tätig. Bei Nachbarschaftsstreitigkeiten und zivilrechtlichen Fragen bis zu einer Summe von 700 Euro ist es Pflicht, zunächst den Weg zum Schiedsamt zu nehmen. Erst danach wird ein Antrag vor Gericht angenommen.

Die Position als Schiedsfrau hatte Gisela Wiethoff zehn Jahre lang inne. „Ich habe zuvor schon als Jugendschöffin gearbeitet“, berichtete die einstige Lehrerin. Dann war sie Vertreterin eines Schiedsmannes und übernahm den Dienst schließlich vor zehn Jahren. Nun blickt sie auf zahlreiche Schulungen, über 300 Fälle und viele Erfolge zurück. Was auffällig war? „Im Laufe der Zeit haben Nachbarschaftstreitigkeiten zugenommen“, findet sie.

Reindenken und verstehen

Mit Seminaren wurde sie auf die Arbeit vorbereitet. Was aber mindestens genauso wichtig ist, sei die soziale Kompetenz, meinte Bürgermeister Friedrich. „Sie mussten sich in die Probleme reindenken, die Standpunkte nachvollziehen. Das ist eine beachtliche Leistung“, lobte er. Die Menschen, die bei ihr Rat suchten, habe sie immer ernst genommen. „Man muss sich bewusst sein: Für das Gegenüber ist das Thema ganz wichtig“, erklärte sie. „Und manchmal mussten sich die Parteien eben auch mal anschreien“, verriet sie. Wenn dann alles gesagt war, war es oft einfacher, einen Konsens zu finden. Und gerade die Lösung in oft aussichtslosen Fällen sei das Tolle an ihrer Arbeit als Schiedsfrau gewesen.

Was Gisela Wiethoff jetzt mit der gewonnenen Freizeit anfängt? „Ich übernehme Sprachpatenschaften für Grundschüler“, sagt sie. Ganz ohne Ehrenamt geht es eben nicht. (nic)

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