Hobbyastronom Heiko Mehring zeigt den Korbachern die Sterne · Teleskop vor dem Rathaus aufgebaut

721 Millionen Kilometer ins All geblickt

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Blick ins All: Hobbyastronom Heiko Mehring (blauer Pullover) lässt die Korbacher durch sein Teleskop schauen.

Korbach. - Weißt du, wie viel Sternlein stehen? Der Korbacher Hobby-Astronom Heiko Mehring hat zumindest den Hauch einer Ahnung.

Unvorstellbare 70 Trilliarden der leuchtenden Himmelskörper gibt es nach Schätzungen von Wissenschaftlern im sichtbaren Universum. Mit seiner „Sternwarte vor Ort“ zeigt Heiko Mehring den Korbachern ein paar von ihnen. Vor dem Rathaus hat er sein Teleskop aufgebaut. „Wollen Sie den Mond schauen?“, spricht er die Passanten an. Viele Neugierige lassen sich darauf ein - und werden mit einer spannende Reise durchs Weltall mit vielen überraschenden Erkenntnissen belohnt.

Ein paar Jugendliche sind die Ersten, die sich trauen. Mehring richtet den Spiegel seines 12-Zoll-Dobson-Teleskops zunächst auf den Mond aus. In 100-facher Vergrößerung leuchtet die krater- übersäte Oberfläche des Trabanten eindrucksvoll aus dem Okular. Obwohl 400 000 Kilometer von der Stechbahn entfernt, wirkt er zum Greifen nah.

Mehring dreht das Teleskop um wenige Zentimeter. Der Blick reicht jetzt 721 Millionen Kilometer tief ins All - zum Jupiter und seinen vier größten Monden Io, Europa, Ganymed und Kallisto, die 1610 schon Galileo Galilei mit seinem einfachen Fernrohr entdeckt hat. „Bewegt sich das?“, fragt einer der Jugendlichen: In nur wenigen Sekunden verschwindet der Jupiter aus dem Blickfeld des Teleskops. „Wir bewegen uns“, korrigiert Mehring: Durch die Erddrehung scheint der Planet zu wandern.

Nicht ohne Grund hat Heiko Mehring sein Teleskop ausgerechnet an diesem Samstag vor dem Rathaus aufgebaut: Der amerikanische Hobbyastronom John Dobson hat nicht nur ein günstiges Selbstbau-Fernrohr entwickelt, sondern 1968 auch die Organisation „Sidewalk Astronomers“ ins Leben gerufen - die Bürgersteig-Astronomie war geboren. Dobson wollte in seinem Leben so vielen Leuten wie möglich mit einem Teleskop die Sterne zeigen. Im Januar starb er im Alter von 98 Jahren. In Gedenken an Dobson stellen Hobbyastronomen in aller Welt am 8. März ihre Teleskope an belebten Plätzen auf, um ihre Begeisterung für die unendlichen Weiten des Weltraums mit anderen zu teilen - so auch Mehring.

Sein erstes Teleskop kaufte er sich als Jugendlicher. Doch dann folgte eine lange Pause, bis vor sechs Jahren ein besonderes Himmelsereignis das Feuer neu entfachte: Ein Arbeitskollege wies ihn darauf hin, dass der Mond den Mars bedecken sollte. Mehring entstaubte sein altes Teleskop und baute es im Hof auf, um zu beobachten, wie der Mars hinter dem Erdtrabanten verschwand. „Ich war so gefesselt davon, dass ich mir danach ein vernünftiges Teleskop angeschafft habe“, sagt Mehring. Die Astronomie ließ ihn fortan nicht mehr los.

Der Sternengucker erklärt seitdem den Korbachern unter anderem in Volkshochschulkursen das Universum. Über sein Hobby informiert er auf seiner Internetseite: www.heiko-schaut-ins-all.de.

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