Bürgermeister kündigt Gespräche mit dem Schulträger und der Uplandschule an

Millionenprojekt im Herzen von Willingen

Der Neubau, der auf dem Gelände der Schreinerei Meyer entstehen soll. Die Zeichnung wurde uns freundlicherweise von Architektin Helga Köster-Saure (Medebach) zur Verfügung gestellt.

Willingen - Das Willinger Pflegehotel soll erweitert werden - unter Einbeziehung des benachbarten, knapp 1000 Quadratmeter großen Schreinereigrundstücks und der alten Volksschule.

Die geschäftsführende Gesellschafterin des Unternehmens, Waltraud Rebbe-Meyer, und der aus Usseln stammende Karl-Ulrich Saure, der gemeinsam mit seiner Frau, der Architektin Helga Köster-Saure, zu den Investoren gehört, stellten das Vorhaben am Montag in der Gemeindevertretersitzung vor.

Saure bezifferte die Gesamtinvestition auf geschätzte acht Millionen Euro. „Die Finanzierung ist in vollem Umfang gesichert“, betonte er. Neben ihm, seiner Frau und Waltraud Rebbe-Meyer gehören Bernhard und Doris Potthoff aus Versmold zur Investitionsgemeinschaft. Bernhard Potthoff ist der Bruder von Waltraud Rebbe-Meyer. Er und seine Frau sind von Anfang an Gesellschafter des Pflegehotels. Den Investoren schwebt vor, mit dem Bau möglichst im Frühjahr 2015 zu beginnen.

Das Willinger Pflegehotel wurde 2008 eröffnet und hat sich einen ausgezeichneten Ruf erarbeitet. Es bietet modellhafte Versorgungsleistungen im Bereich der Kurzzeit- und Übergangspflege und seit 2013 auch im Bereich der Tagespflege an. Die Uplandgemeinde wurde im vergangenen Jahr für das von Waltraud Rebbe-Meyer entwickelte Projekt „Gesunder Urlaub für pflegende Angehörige“ mit dem hessischen Tourismuspreis ausgezeichnet. Das Angebot stößt, wie berichtet, auf sehr positive Resonanz.

7000 Belegtage

Waltraud Rebbe-Meyer nannte einige Zahlen, die den Erfolg des Hauses belegen. Die Auslastung in den Bereichen der Kurzzeit- und Übergangspflege und des Urlaubs für pflegende Angehörige liegt bei über 95 Prozent. „Dies führt zu rund 7000 Belegtagen im Jahr. Die Nachfrage ist - über das ganze Jahr betrachtet - schon jetzt wesentlich höher als das derzeitige Platzangebot. Rund 85 Prozent der Gäste sind Stammkunden, von denen einige das Angebot schon häufiger als zehnmal genutzt haben.“ Knapp 20 Prozent der Gäste kommen aus Willingen und Umgebung, etwa 40 Prozent aus dem Ruhr- und Rheingebiet und die übrigen 40 Prozent aus dem gesamten Bundesgebiet.

Im Pflegehotel stehen derzeit 14 Kurzzeit- und Übergangspflegeplätze zur Verfügung; diese Zahl soll auf 46 angehoben werden. Augenblicklich können maximal sechs begleitende pflegende Angehörige im Haus untergebracht werden, in Zukunft dann 18. Die Zahl der Tagespflegeplätze soll von 20 auf 24 erhöht werden. Außerdem sollen ein telemedizinisches Zentrum, ein Physiotherapiebereich und ein Begegnungscafé eingerichtet werden. Es ist Investoren und Betreibern wichtig, dass die pflegenden Angehörigen auch in Zukunft in erster Linie in heimischen Hotels und Pensionen untergebracht werden sollen, denen das Pflegehotel keine Konkurrenz machen will. Waltraud Rebbe-Meyer geht davon aus, dass durch dieses Angebot mindestens 10 000 zusätzliche Übernachtungen pro Jahr requiriert werden können. Im Pflegehotel selbst sollen diejenigen untergebracht werden, die zusammen mit ihren pflegebedürftigen Angehörigen nach Willingen kommen und in deren unmittelbarer Nähe bleiben wollen.

Grundstück ideal geeignet

Was ist konkret geplant? Im jetzigen Pflegehotel sollen nach Fertigstellung der Baumaßnahme junge Pflegebedürftige untergebracht werden.

Der Eigentümer der Schreinerei Meyer, der seinen Betrieb ins Gewerbegebiet am Wakenfeld aussiedeln möchte, ist bereit, das rund 1000 Quadratmeter große Grundstück in der Dorfmitte zu verkaufen. Nach Abbruch der Schreinerei soll auf dem Gelände ein Neubau mit 32 Einzel- und drei Doppelzimmern sowie vier Suiten einschließlich der notwendigen Nebenräume gebaut werden. Hier werden dann in Zukunft die Kurzzeit- und Übergangspflegegäste sowie begleitende Angehörige untergebracht.

Die Lage des Grundstücks ist aus Sicht von Waltraud Rebbe-Meyer ideal für diesen Zweck. Sie verweist auf den direkt gegenüberliegenden Kurgarten, die nahe gelegene ärztliche Gemeinschaftspraxis, die Apotheke und die evangelische Kirche. Im Erdgeschoss sind Aufenthalts- und Therapieräume und ein Kiosk geplant.

Die Tagespflegegäste sollen in der alten Willinger Volksschule ihren Platz finden. Dieses unter Denkmalschutz stehende Gebäude gehört der Gemeinde, die das Erdgeschoss an den Landkreis vermietet hat. Hier sind derzeit noch drei Grundschulklassen der Uplandschule untergebracht. Waltraud Rebbe-Meyer ist überzeugt davon, dass sich die Tagespflegegäste in dem Haus sehr wohl fühlen werden, da die meisten älteren Mitbürger dort die Schulbank gedrückt haben. „Deshalb ist die emotionale Bindung an dieses Gebäude sehr groß.“

Begegnungscafé

Auch das frühere Hausmeisterhaus, das ebenfalls unter Denkmalschutz steht, soll für die Zwecke des Pflegehotels genutzt werden. Es ist geplant, hier ein Begegnungscafé einzurichten.

Hinter der Schule soll in einem weiteren Neubau Platz geschaffen werden für ein telemedizinisches Angebot und Reha-Sport. Mit Sensoren werden Vitalwerte beispielsweise von Herzerkrankten, Diabetikern oder Lungenerkrankten erfasst und an ein Kontrollzentrum gesendet, sodass sofort reagiert werden kann, wenn die Werte nicht in Ordnung sind.

Mit Know-how und Herzblut

Zwischen dem bestehenden Pflegehotel, dem Neubau auf dem Schreinereigelände und der Schule sollen wintergartenähnliche Verbindungen geschaffen werden. Autos können dann also den bestehenden Weg zwischen Pflegehotel und derzeitiger Schreinerei nicht mehr nutzen; für Fußgänger soll jedoch eine Durchgangsmöglichkeit geschaffen werden.

Karl-Ulrich Saure zeigte sich beeindruckt von der Aufbauarbeit, die Waltraud Rebbe-Meyer in den letzten Jahren geleistet hat, von ihrem Know-how und dem Herzblut, mit dem sie bei der Sache ist. Bürgermeister Thomas Trachte betonte, dass das Vorhaben das Willinger Gesundheitsangebot weiter verbessere und touristisch hoch interessant sei. Die Gemeindevertreter beauftragten den Gemeindevorstand, die erforderlichen Schritte zur Verwirklichung des Projekts einzuleiten.

Hintergrund

Willingen. Die alte Volksschule soll Bestandteil des Pflegehotels werden (siehe oben). „Das Grundstück ist erforderlich für die Erweiterung“, so Bürgermeister Thomas Trachte in der Gemeindevertretersitzung. „Wir setzen die Schulkinder nicht vor die Tür“, versicherte er den Parlamentariern und Zuhörern, darunter die stellvertretende Schulleiterin Ilse Klingenberg. Er kündigte Gespräche mit dem Landkreis als Schulträger und mit der Schule an. „Wir werden einen für alle gangbaren Weg finden.“ (bk)

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