Bernd Giesekings Jahresrückblick · Heiterer Rundumschlag mit bissigen Pointen

Minensuchen statt Topfschlagen

Korbach - Nur das Positive wollte Bernd Gieseking im 20. Jahr seines satirischen Rückblicks „Ab dafür“ kommentieren, die jüngste gute Nachricht kam zuerst.

Da es der Kabarettist dieses Mal geschafft hatte, auf seinem Weg nach Korbach nicht geblitzt zu werden, stimmte schon einmal die persönliche Kostenbilanz. Das Pub­likum in der sehr gut besuchten Korbacher Stadthalle kam ebenfalls auf seine Kosten und musste auch so einiges einstecke können, denn jeder der Anwesenden hatte im Verlauf der gut zwei Stunden ausreichend Grund zum Lachen oder sich auch für einen Moment bedeckt zu halten, wenn die Repräsentanten eigener Wertvorstellungen an der Reihe waren. Das Schweizer Schwarzgeldkonto der in steten Emigrationsängsten lebenden Alice Schwarzer und die Rechtfertigungsrhetorik der feministischen Gallionsfigur erwiesen sich allerdings als dankbare Steilvorlage für die Auseinandersetzung mit der Doppelmoral. Insbesondere die Relativierung des Vergehens mit dem Hinweis, dass sie ja nie etwas von ihrem als Schutz vor politischer Verfolgung angelegten Auslandskonto abgehoben habe, kommentierte der Kabarettist in seinem Plädoyer fürs Steuerzahlen mit der Bemerkung: „Solange man das Geld nicht ausgibt, darf man also ruhig eine Bank überfallen. Jede Wahrheit braucht eine mutige Person, die sie ausspricht.“ Mit dem Kommentar „Wir marschieren nicht mehr ein, sondern übernehmen Verantwortung“, brachte Gieseking auch die von Bundespräsident Gauck und Außenminister Steinmeier angestoßene Debatte um mehr deutsches Engagement in der Welt auf den Punkt. Die Bundeswehr und eine angemessene Reaktion auf die Nachwuchsprobleme gehörten auch zum Startprogramm des eigentlichen satirischen Jahresrückblicks, denn anders könne die Ernennung von Ursula von der Leyen zur Verteidigungsministerin kaum zu verstehen sein: „Die Frau kriegt ja schon Milcheinschuss, wenn sie das Wort Geburtenstatistik nur hört“, bemerkte er zum Familienzuwachs der Spitzenpolitikerin: „Als sie ins Kabinett Merkel eintrat, hatte sie sieben Kinder, seitdem sind 13 dazugekommen.“ Die Ernennung der furchtbar fruchtbaren Frau zur ersten Verteidigungsministerin könnte als Reaktion auf den Rekrutenschwund betrachtet werden: „Haustruppen gegen Nachwuchsmangel“. „Hoffentlich spielt man jetzt nicht Minensuchen statt Topfschlagen“, lautete das Zwischenfazit aus dem Vorjahr. Seitdem habe die letzte Staffel des Dschungelcamps mit zwei Frauen im Finale und zahlreichen auf der Strecke gebliebenen Männern doch bewiesen, dass die Zukunft der Bundeswehr mit Dschungelkönigin Melanie als Ausbilderin bei den „Pussies“ liege. Als einst gewissensgeprüfter Wehrdienstverweigerer, der seine Gesinnung mit der Fallstudie „Sie haben ein Gewehr und ein Russe vergewaltigt Ihre Mutter“ unter Beweis stellen musste, schloss Gieseking den Themenkreis mit dem bissigen Bonmot „Meine Mutter wird jetzt am Hindukusch verteidigt“ ab. Ursula von der Leyen war danach noch lange nicht vom Haken, schließlich hatte ihre nicht vorhersehbare Amtsübernahme dem Kabarettisten seinen Drohnenreim auf Vorgänger de Maizière erst einmal ruiniert, mit dem er den jüngsten Guerilla-Marketing-Streich von Amazon auf den Punkt gebracht hatte. Die unmissverständliche Feststellung „Bücher mit Drohnen liefern ist Luftkrieg“ stand am Anfang der Auseinandersetzung mit der „Prime-Air“ des Internetversandhändlers, die zahlreiche Fragen aufwarf. Ihre Überprüfung anhand der Praxis der eigenen vier Wände entlarvte die Auslieferung per Drohne als Luftnummer mit Ablenkungsabsichten. Immerhin sei das für zahlreiche Fehlentwicklungen kritisierte Unternehmen mit diesem Propaganda-Coup schnell aus den Negativschlagzeilen herausgekommen. Mit der Guerilla-Taktik zurückschlagen ist die naheliegende Reaktion gegen „Prime-Air“, falls es doch eines Tages Wirklichkeit werden sollte, deshalb wurde Opas Luftgewehr schon mal für Schüsse aus dem Hinterhalt reaktiviert.„Habt ihr das gewollt?“, fragte Gieseking im Hinblick auf das Ergebnis der Hessenwahl. „Amphibien unter sich“ kommentierte Gieseking die Verbindung zwischen den Grünen und der ihnen im Nacken sitzenden Erdkröte Bouffier, der sich nun wie das Männchen jener Spezies beim Begattungsakt für einen weiten Weg auf dem Rücken des Partners festkrallen würde, der bis zum Abschluss des Aktes die volle Last zu tragen hätte. Beim Vergleich des Prozessaufwands beim ehemaligen Bundespräsidenten und Ex-Telefonfreund Christian Wulff und dem Steuersünder Uli Hoeneß stellt der Satiriker die Frage der Verhältnismäßigkeit. Schließlich wurden in dem einen Fall wegen 700 Euro 22 Verhandlungstage angesetzt, im anderen werden drei Millionen in vier Tagen abgehandelt. Verhältnismäßigkeit war mehr als einmal Thema bei der Sticker-Aktion von Rewe, die ein vollkommen neues Deutschlandbild zeichnete, indem sie einen Sticker für Goethe, einen für die Drogensuchwildsau Luise, aber gleich vier für das vollständige Bild des Pandas im Berliner Zoo forderte.

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