Neue Perspektiven für un- und angelernte Conti-Mitarbeiter 

Mit 45 noch einmal Azubi bei Continental in Korbach

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Freuen sich über die neue berufliche Perspektive: Juri Kleimens aus Frankenberg (links) und Andreas Daines aus Sachsenhausen. 

Korbach – Seit 21 Jahren arbeitet der gelernte Maurer Andreas Daines bei Continental in Korbach. Dass er noch einmal die Möglichkeit erhält, sich zum Verfahrensmechaniker ausbilden zu lassen, hat er nicht unbedingt erwartet.

Doch seit November 2019 ist der Sachsenhäuser mit 32 Kollegen mittendrin in der Ausbildung, welche sich an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Korbacher Reifenherstellers richtet, die bislang als un- oder angelernte Arbeitskräfte unter anderem in der Produktion tätig waren. „Ich habe sofort zugesagt, als man mich fragte“, berichtet der 45-Jährige, der zuletzt als Extruder-Fahrer in der Produktion von Contitech gearbeitet hat.

Auch für Juri Kleimes, der nach einer abgebrochenen Ausbildung zum KfZ-Mechatroniker ebenfalls in der Produktion von Contitech arbeitet, freut sich über die neue Perspektive. „Die Produktionsabläufe und Arbeitsprozesse werden immer umfangreicher und digitaler. Wenn man den Anschluss nicht verlieren und beruflich weiterkommen will, muss man jetzt etwas machen. Deshalb bin auch ich dabei“, sagt der 30-jährige Frankenberger. Er betont zudem, dass sich die Auszubildenden gegenseitig unterstützen und helfen, damit am Ende alle die Abschlussprüfung schaffen.

Für das seit November laufende Programm, bei dem aktuell 33 Mitarbeiter eine Ausbildung zum Verfahrensmechaniker absolvieren, wird zudem eine Werkstatt am Conti-Standort in Korbach errichtet. Auf mehr als 250 Quadratmetern werden den Auszubildenden dort ab dem Sommer alle notwendigen praktischen Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt. Am Donnerstag schaute sich auch Dr. Ariane Reinhart, Personalvorstand und Arbeitsdirektorin der Continental AG Hannover, die bislang noch im Rohbau befindliche Werkstatt an.

Hoher Besuch: Personalvorstand und Arbeitsdirektorin Dr. Ariane Reinhart (2. von links) schaute sich die Werkstatt im Rohbau an. Rechts: Werkleiter Lothar Salokat.

Für Continental-Werkleiter Lothar Salokat ist der neu geschaffene Ausbildungszweig innerhalb des Unternehmens sehr wichtig, um am Standort Korbach auch in Zukunft voll auf die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu setzen. „Qualifizierung ist der Schlüssel zum Erfolg“, betonte Lothar Salokat am Donnerstag.

Für die in mehrere Module aufgeteilte Ausbildung zum Verfahrensmechaniker werden die Mitarbeiter aus ihren bisherigen Arbeitsbereichen bei weiterer Entlohnung freigestellt, um sich ganz auf die neue Aufgabe konzentrieren zu können. Geplant ist, dass nach Fertigstellung der Werkstatt eine weitere Gruppe mit Auszubildenden hinzu kommt. 

Hintergrund: Abschlussprüfung schon nach 24 Monaten

Basierend auf dem Qualifizierungschancengleichheits-Gesetz hat Continental zur Qualifizierung seiner Mitarbeiter das so genannte Institut für Technologie und Transformation (CITT) gegründet. Hierbei liegt der Fokus auf der Gruppe der Un- und Angelernten, denen Continental eine IHK-zertifizierte Aus- und Weiterbildung ermöglicht. Auch in Korbach findet dies statt, indem seit November 2019 un- und angelernte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine Ausbildung zum Verfahrensmechaniker absolvieren. Aufgeteilt ist dieser Ausbildungsweg in fünf Module, die jeweils vier bis sechs Monate dauern. Nach zwei Jahren und einer erfolgreich abgeschlossenen Prüfung sind die Mitarbeiter schließlich ausgebildete Verfahrensmechaniker.

Flaute auf dem Automarkt ist in Korbach spürbar

Während die Vorstellung der neuen Qualifizierungsoffensive am Conti-Standort in Korbach lief, gab parallel in Hannover der Continental-Gesamtkonzern bei seiner Jahrespressekonferenz einen Verlust von mehr als 1,2 Milliarden Euro für das Jahr 2019 bekannt. 

Dass dies nicht spurlos am Standort Korbach vorbeigegangen ist, darauf wies Werkleiter Lothar Salokat auf Anfrage der WLZ hin. 

Die Flaute auf dem Automarkt und die damit verbundene angespannte Auftragslage bei der Erstausrüstung für Autos habe in Korbach für Rückgänge bei der Produktion von Pkw- und Industriereifen gesorgt. 

Mitarbeiter hätten aber nicht entlassen werden müssen. Salokat: „Wir konnten dies durch Neuentwicklungen bei den Hochleistungsreifen auffangen.“ 

Bei Contitech sei die Situation etwas angespannter. „Dort haben wir noch Kurzarbeit – aber auch nicht mehr in dem Umfang wie es noch im Januar und Februar der Fall war“, sagte Salokat. Contitech stellt in Korbach unter anderem Bremsschläuche her. 

„Mit Blick in die Zukunft werden wir versuchen, das fehlende Wachstum durch Automatisierungen und Effizienzsteigerungen in der Produktion aufzufangen“, sagte Salokat. Ein Stellenabbau sei in keinem Bereich geplant.

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