Auf dem blauen Sofa der Waldeckischen Landeszeitung

ARD-Experte Markus Gürne: "Börse ist nicht sexy aber wichtig"

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Auf dem blauen Sofa der Waldeckischen Landeszeitung: ARD-Börsenexperte Markus Gürne spricht über Politik, Finanzen und Wirtschaft.

Korbach. Auf dem blauen Sofa der Waldeckischen Landeszeitung spricht der ARD-Börsenexperte Markus Gürne darüber, wie wichtig Wissen über Finanzen und Wirtschaft ist.

In der Sendung „Börse vor Acht“ erklärt Markus Gürne seit 2012 den Deutschen kurz vor der 20-Uhr-Tagesschau, welchen Einfluss Politik und Weltgeschehen auf die Börsen und Kurse haben.

Herr Gürne, Ihr Studium und Ihre journalistische Laufbahn führten nicht gradlinig in Richtung Börsenparkett. Wie kam es dazu, dass Sie nach einer Zeit als Krisen- und Kriegsreporter und Korrespondenten-Stationen in Kairo und im Irak Börsenexperte wurden?

Gürne: (lacht) Ich berichte ja immer noch von Krisenherden, ich habe nur den Stahlhelm gegen den Anzug getauscht. Tatsächlich hat mich das Thema Wirtschaft schon seit meiner Kindheit bewegt. Mein Vater ist früh gestorben, ich war gerade zehn Jahre alt. Meine Mutter musste sehen, wie sie mit mir und meinen drei älteren Geschwister über die Runden kam. Ich habe in dieser Zeit gelernt, wie wichtig ein eigenes Einkommen ist. Als Schwabe habe ich diesen Gen-Defekt mit dem Geld auch einfach im Blut.

Später im Jurastudium hatte ich den Schwerpunkt Wirtschaftsrecht. Schon bei meinen ersten journalistischen Stationen habe ich über Tarifverhandlungen berichtet. Nach den Auslandsjahren bin ich 2012 zur Finanzmarkt- und Wirtschaftsberichterstattung zurückgekehrt.

Die Deutschen galten lange Zeit als Börsenmuffel und risikoscheu bei der Geldanlage. Hat sich daran etwas geändert?

Gürne: Die Krise am neuen Markt und die Finanzkrise haben die Deutschen verunsichert. Mein Ansatz ist nun, zu erklären, dass eine Gesellschaft, die keine Rohstoffe hat, etwas in der Birne haben muss – und zwar finanzwirtschaftliches Wissen. Aus vielen Rückmeldungen weiß ich: Die Leute finden das Thema nicht sexy aber wichtig. In der Sendung „Börse vor Acht“ versuche ich deshalb, die Zusammenhänge zwischen Politik, Wirtschaft und Finanzen zu erklären.

Wann gibt es mal wieder Zinsen?

Gürne: Nach dem Einleiten der Zinswende werden sich die Negativzinsen der Europäischen Zentralbank für die Banken zu einem Nullzins wandeln. Für den normalen Bankkunden werden sich die Zinsen erst Schritt für Schritt über einen sehr langen Zeitraum erhöhen. Wer Rendite haben will, muss also ins Risiko gehen. Entscheidend ist dabei, das Risiko zu minimieren, und das geht nur über Kenntnisse.

Wie legen Sie Geld an?

Gürne: Ich selbst habe ein sehr hohes Sicherheitsbedürfnis, ich bin eigentlich nicht risikobereit. Ich möchte gut leben mit einem vertretbaren Risiko. Das gelingt mit Wissen über Wirtschaft und Finanzen.

Ihr wichtigster Rat für Börsen-Neueinsteiger?

Gürne: Einsteiger sollten sich drei Fragen stellen: Wie viel Geld habe ich übrig, das ich gerade nicht brauche? Welchen Zeithorizont habe ich für meine Anlage? Und wie dramatisch ist es, wenn ein Teil meines angelegten Geldes futsch ist?

Wissen über Wirtschaft und Finanzen zu vermitteln, ist Ihnen ein wichtiges Anliegen. Sollte das in den Lehrplänen der Schulen noch eine viel größere Rolle spielen?

Gürne: Finanzbildung beginnt nicht in der Schule, sondern zu Hause. In vielen Familien ist das aber noch ein Tabu. Über Geld spricht man nicht. Aber genau da gehört es hin – in die Familien. Natürlich muss auch in den Schulen über Wirtschaft und Finanzen gesprochen werden. Das ist in den meisten Bundesländern noch ausbaufähig. Es ist aber wichtig, zu verstehen, welche Auswirkungen beispielsweise Donald Trumps Politik auf die deutsche Wirtschaft hat.

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