Drogenanbau und Darknet-Bestellungen

Mit Cannabis und Falschgeld experimentiert: Vier Heranwachsende in Korbach verurteilt

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Ganz so ergiebig fiel die Cannabis-Ernte für vier junge Männer aus der Region nicht aus - zudem mussten sie sich vor Gericht verantworten.

Den Partyraum herrichten und zusammen feiern? Soweit normale Beschäftigungen für Heranwachsende. Dafür Cannabis anbauen und Falschgeld bestellen? Das endete für vier junge Männer am Korbacher Amtsgericht.

„Es ist schon ungewöhnlich, Betäubungsmittel zu verkaufen, um Bodenausgleichsmasse und Betonestrich zu erwerben“: Der Vertreter der Jugendgerichtshilfe hatte einen Fall wie den der vier Freunde aus dem Waldeckisch-Westfälischem Grenzgebiet noch nicht gesehen. Die an einem Party-Raum arbeitenden Heranwachsenden hatten im Laufe des Jahres 2018 Cannabis angebaut – zunächst zum Eigenkonsum, schließlich verkauften sie 150 Gramm. Weil zwei von ihnen auch Falschgeld bestellt hatten, flogen sie auf, als dessen Verkäufer dingfest gemacht wurde.

Bloß einer von ihnen wurde vorher mit Drogen erwischt, sonst waren sie unbescholten: „Wir sind nicht hier, um euch die Köpfe abzureißen – eine Jugendstrafe wird es höchstwahrscheinlich nicht geben“, erklärte der Staatsanwalt kurz nach Beginn des Prozesses am Korbacher Amtsgericht: „Je offener ihr zu dem Mist steht, den ihr gebaut habt, desto leichter werden die Folgen.“ Zögerlich folgten sie dem Rat – und kamen am Ende damit davon, je nach Verstrickung ein ganzes oder halbes Monatsgehalt zu zahlen.

Auf dem Dorf kein Cannabis gekriegt: Im Waldecker Land selbst was angebaut

Es kristallisierte sich eine Version heraus, welche Staatsanwaltschaft, Schöffengericht und Richterin Dr. Peter glauben konnten: Die vier waren beim Angucken einer Doku auf die Idee gekommen, selbst Cannabis anzubauen: „Wir kannten halt niemanden, der uns etwas verkaufen konnte“, so der junge Mann, in dessen Zuhause sie die Pflanzen zunächst anzogen. Sie hatten gut 2000 Euro für Ausrüstung und im Internet erhältliche Samen zusammengelegt, schließlich setzten sie die Pflanzen im Wald aus. Von ursprünglich elf fielen sieben Unwettern und Tieren zum Opfer – da half auch Wildschwein-Abwehrspray nichts.

400 Gramm Stängel und Blätter blieben am Ende übrig. Nach einigen Nachfragen räumten sie ein, dass die Möglichkeit des Verkaufs zumindest bei einigen schon früh im Hinterkopf war, um Unkosten des Projekts und des Partyraums wieder reinzuholen. Nur der jüngste beteiligte sich nicht am Verkauf auf einem Parkplatz – seinen Anteil an den 825 Euro für die verkauften 150 Gramm bekam er trotzdem: Je nach persönlicher Investition wurde geteilt, die sichergestellte Buchführung der vier war recht detailliert. „Wir haben viel mehr reingesteckt, als wir rausbekommen haben“, befand einer von ihnen.

Prozess in Korbach: Flaschgeld im Darknet bestellt

Zwei der jungen Männer mussten sich auch wegen Geldfälschung verantworten: Wieder hätten sie eine Doku gesehen und seien neugierig geworden. Im Darknet, einem Anonymität bietenden Teil des Internets, bestellte einer von ihnen mehrere Ladungen Falschgeld. Zehn falsche Fünfziger erreichten ihn, zehn einen der Freunde. Dieser wurde in Dortmund mit Falschgeld erwischt, als er ein Eis kaufen wollte, erzählte er – was sonst damit geschah, ist nicht bekannt.

Trotz allem: Die Jugendgerichthelfer bescheinigten den jungen Männern eigentlich gute Aussichten. Sie haben stabile Familienverhältnisse und berufliche Perspektiven – teils auch schon große Erfolge und größeren Ehrgeiz. Wegen der Gruppendynamik und „jugendlichen Leichtsinn“ wurde für alle vier das Jugendrecht und Geldstrafen vorgeschlagen – Staatsanwaltschaft, Verteidiger und Gericht konnten dem folgen. Das Geld geht an den Verein Kiste, der Straftäter wieder eingliedern soll. Das Urteil ist rechtskräftig.

Teils wurden ihnen Beratungsgespräche und Drogenscreenings auferlegt. Die jungen Männer zeigten Reue und beteuerten, sich von Drogen und Straftaten fernhalten zu wollen. Wie es einer von ihnen sagte: Wenn die eigene Oma um 6 Uhr früh wegen seiner Verbrechen von der Polizei geweckt wird, habe er bemerkt: „Das ist das alles einfach nicht wert.“

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