Und unten steppt der Bär

Mit dem Heißluft-Zeppelin über der Hesentagsstadt

Ein neues Wahrzeichen: Das Riesenrad gehört während des Hessentages zu den herausragenden Orientierungspunkten.

Korbach. Er ist mit 41 Metern genauso lang wie ein Airbus A 320, doch seine Hülle ist aus Stoff, 2500 Quadratmeter Stoff. Darin passen 3000 Kubikmeter Luft, heiße Luft.

Zusätzlich zu den 240 Kilogramm für die Hülle kann der Heißluftzeppelin von Andreas Pohl mit 860 Kilo Startgewicht in die Luft gehen. Nicht verraten wird hier, wie viel Startgewicht Pilot und WLZ-Reporter auf die Waage bringen.

Doch die paar Kilogramm können den 68-PS-Rotex-Motor nicht ausbremsen, der den Propeller antreiben. Mit bis 40 Stundenkilometer bewegt er den Zeppelin über Grund. Der Motor sitzt unmittelbar hinten an der Gondel und er ist so laut, dass Pilot und Passagier sich nur über Kopfhörer und Sprechanlage verständigen können.

„Von diesem Heißluft-Zepplin sind weltweit 50 Stück unterwegs, in Deutschland elf“, weiß Pilot Andreas Pohl aus Mengeringhausen zu berichten. Der Erfinder hat die Produktion aus Altersgründen eingestellt und die Lizenzen verkauft. Aktuell werden keine neuen Zeppeline gebaut.

„Wir Piloten sind eine aussterbende Zunft“, klagt Pohl doch er fügt hinzu: „Ich darf Piloten ausbilden. Vielleicht gibt es ja doch noch genügend Menschen mit dem nötigen Enthusiasmus fürs Fliegen.“

Ja, man braucht Feuer zum Fliegen mit diesem Luftschiff, denn Gasbrenner erhitzen die Luft im Inneren und sorgen für den nötigen Auftrieb, denn heiße Luft ist bekanntlich leichter als kalte. Bis zu 120 Grad werden an der inneren Hülle erreicht.

Für den Aufbau und die Startvorbereitungen benötigt der Luftschiffpilot ein Team fünf Helfern. Sie müssen die Klettverschlüsse der Stoffhülle schließen und Überprüfen. Sie halten die Seile bei der Landung und sie müssen nach der Endlandung zusehen, dass alles wieder nach Vorschrift verpackt wird.

Andreas Pohl hat in diesem Winter Schlagzeilen gemacht, als er mit seinem Happy Ballooning Team und seinem WarsteinAir-Luftschiff bei der Weltmeisterschaft am Tegernsee startete. Dort hat er von zehn Startern immerhin einen guten vierten Platz belegt. Diese Gewissheit im Hinterkopf gibt dem Reporter ein gutes Gefühl beim Start auf dem Korbacher Flugplatz.

Es ist Sonnabend, der Hessentag hat am Vortag begonnen. Jetzt sind alle gespannt auf die ersten Bilder aus der Luft.

Das Luftschiff gleitet vorbei am Kreishaus und am Finanzamt. Da unten befinden sich während des Hessentags der Platz der Streitkräfte und die Landesausstellung, außerdem mehrere Großraumparkplätze, die sich jetzt gerade füllen, denn die Besucher des Abendkonzertes mit Sunrise Avenue reihen sich brav hintereinander ein, um auf der Wiese ihre Autos abstellen zu können.

Der Blick geht in die Ferne. Unübersehbar das Riesenrad in der Innenstadt. Ein Flug über die Hessentagsstraße ist nicht möglich – aus Sicherheitsgründen.

Schließlich sollte kein Luftgefährt ohne Not über großen Menschenansammlungen kreisen. Nicht auszudenken, was passieren könnte, wenn auch nur ein Kugelschreiber zu Boden stürzen würde. Deshalb auch die Fotos nur aus der Ferne.

Nach gut einer halben Stunde ist ein eindrucksvoller Flug zu Ende. Und die Aussichten haben Lust gemacht auf einem Bummel durch die Hessentagsstraße.

Hier geht es zur Bildergalerie mit Luftbildern aus der Hessentagsstadt: Bildergalerie

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