Ernst Hamel und Ole basteln Schiffe

Mit Milchtüten auf hoher See: Besonderes Hobby von Opa und Enkel

+
Schiffe aus Milchtüten: Ernst Hamel und sein Enkel Ole betreiben originelles Recycling.

Der Korbacher Ernst Hamel und sein Enkel Ole basteln Schiffe aus Milchtüten. 

Korbach – Basteln und Bauen waren schon immer seine Leidenschaft, und es gibt wohl kaum etwas, was Ernst Hamel noch nicht verbaut, verschraubt oder verklebt hat. An Ideen mangelt es dem 70-Jährigen nicht.

Mit Bausätzen für Schiffe war es mal losgegangen. Dann kamen Eigenkonstruktionen dazu. Riesige Schiffsmodelle sind so entstanden, nicht vorgefertigt als Bausatz, sondern aus den Gegenständen, die ihm vor die Finger kamen, gefertigt: Büroklammern, Kuli-Minen, Ösen, Schrauben, Beschläge von Zigarrenkisten, Holz- und Metallreste, Scheibenwischermotoren, Schaschlikspieße… und ganz viel Kleber. „Ich kaufe nichts, das ist alles Abfall oder Schrott“, sagt er.

Die Begeisterung für diese Art Hobby hielt sich bei seinen Kindern etwas in Grenzen, aber nachdem eine Generation übersprungen wurde, ist mit seinem jüngsten Enkel Ole (6) jetzt wieder ein begeistertes Bastlertalent am Start. Er schneidet, biegt, klebt und schraubt, was das Zeug hält und verliert nur selten die Geduld, auch wenn er oft mal warten muss, bis der Kleber getrocknet ist. Opa gibt die Maße und die Technik vor, und Ole arbeitet das Ganze ab.

Kleine Kunstwerke mit viel Details: Der Trapper hat in seinem Kanu jede Menge Ausrüstung dabei.

Das letzte große Projekt war ein Containerschiff aus Milchtüten. Mit Milchtüten kennt Ernst Hamel sich aus, er hat damit schon häufiger gewerkelt. Sie sind 100 Prozent wasserdicht und eignen sich ideal für den Schiffsbau. Mit Oles Hilfe konnte im vergangenen Sommer ein größeres Projekt angegangen werden. Der Milchkonsum in der beteiligten Familie stieg kurzfristig ins Unendliche, Bio-Milch war selbstverständlich, obwohl das dem Schiff egal ist.

Der Rumpf war schnell gefertigt, Steuerhaus, Schornstein und Takelage kamen dazu. 101 „Container“ zu finden, die noch dazu das gleiche Format hatten, gestaltete sich zunächst schwierig. Da kamen gerade bei einem Discounter „Emojis“ ins Angebot, verpackt in den passenden Kartons. Ole hatte seine Kameraden aus dem Kindergarten und weitere Freunde und Bekannte schnell mit dem „Emoji“ Sammelfieber angesteckt, und so kam zügig die benötigte Anzahl von „Containern“ zusammen.

Danach wurde das Schiff noch mit Motor, Akku, Antrieb und Fernsteuerung versehen und auf dem nächsten See zu Wasser gelassen, Fazit: Läuft super geradeaus und nicht voll. Dazu wurde noch ein Hafenschlepper mit LED Lampen gebaut wie im richtigen Leben auch.

Mittlerweile stehen 14 Schiffe in der Auto-Garage, die nebenbei als Werkstatt dient. „Damit kannst du die Jungs begeistern, das glaubst du nicht“, sagt Ernst Hamel, denn immer mehr junge Konstrukteure aus dem Freundeskreis sind vom Milchtütenbastelvirus infiziert.

Das neueste Projekt ist ein Trapper in einem Kanu, na klar: aus einer Milchtüte. Die Figur wurde aus Draht und Papiertaschentüchern geformt und bemalt. Der Trapper hat dazu jede Menge Ausrüstung dabei: Rucksack, Kochgeschirr, Pfeile und Bogen, ein Gewehr, eine Säge, alles gefertigt aus Zahnstochern, Dachdeckerblech und Holunderästen. Hinter ihm liegt ein „Bär“ im Kanu, den er erlegt hat: Ein alter Teddy musste dafür geopfert werden. Das war für Ole aber kein Problem, denn Basteln mit Opa Ernst ist voll angesagt. (os)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare