Musikunterricht auf Abstand

Mit strengen Regeln: Korbacher Musikschule wieder geöffnet

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Die Musikschule Korbach hat den Betrieb wieder aufgenommen: (von links) Mayleen Macioszek (11) übt Saxofon mit ihrer Musiklehrerin Kerstin Engel. Eine Trennwand aus Plexiglas ist als Spritzschutz aufgestellt.

In der Musikschule in Korbach wird seit Montag nach der langen Corona-Pause wieder musiziert. Doch von Normalität ist alles noch weit entfernt.

Die Töne sitzen auch nach langer Pause noch: Mayleen Macioszek spielt auf dem Saxofon die französische Volksweise „Au clair de la lune“, die schon Generationen von Musikschülern auf dem Weg von einfachen Übungen zu ersten Liedern begleitet hat. Im Unterrichtsraum hätte ein ganzes Orchester Platz. Doch die Elfjährige und ihre Musiklehrerin Kerstin Engel sitzen dort alleine mit gut zwei Metern Abstand zueinander, zwischen beiden ein Holzgestell mit einer Plexiglasscheibe.

Überall in der Musikschule weisen Schilder auf die Maskenpflicht hin. Die Schüler werden schon am Eingang abgefangen und bekommen die wichtigsten Regeln mit auf den Weg: Die Unterrichtsräume sollten nicht eigenständig betreten werden. Die Lehrkräfte empfangen und verabschieden die einzelnen Schüler. So soll gewährleistet werden, dass sich nur die erlaubte Personenzahl im Raum befindet. Nach dem Unterricht lüften und reinigen die Lehrer den Raum.

„Auf viele jüngere Kinder wirkt das alles verstörend“, sagt Rainer Horn, Leiter der Musikschule. Auch für die Einrichtung selbst ist die aktuelle Situation von Normalität noch weit entfernt: Erst knapp 40 Prozent des Unterrichts findet wieder statt. „Wir können zur Zeit nur mit Einzelunterricht weitermachen“, sagt Horn. Komplett fällt die musikalische Früherziehung in zehn Kindergärten aus. „Davon sind etwa 200 Kinder betroffen“, so der Musikschul-Leiter.

Das könnte sich auch langfristig zu einem Problem entwickeln: Viele Mädchen und Jungen, die musikalische Früherziehung genossen haben, melden sich auch später für einen Kurs in der Musikschule an.

Schon jetzt ist die Zahl der Neuanmeldungen eingebrochen. „Wir hatten am 18. März die Letzte erhalten. Erst diese Woche gab es wieder zwei Anmeldungen für Gitarre und für Gesang. Wenn die Situation über den Sommer hinaus anhält, weiß ich nicht, wie die Anmeldesituation fürs nächste Jahr aussieht“, sagt Horn.

Auch die Ensembles wie das „Samstag-Morgen-Orchester“ proben derzeit noch nicht. Das „Haus der Musik“ in der Lengefelder Straße verfügt nicht über ausreichend große Räume, um die Abstandsregeln bei 15 oder mehr Personen einzuhalten. „Wir hoffen, dass wir bald ins Korbacher Bürgerhaus oder nach Lelbach gehen können“, sagt Horn. Auch dann werden vorerst nur sogenannte Registerproben möglich sein: Das bedeutet, dass jeweils nur einzelne Instrumentengruppen spielen, nicht das gesamte Ensemble.

Doch es gibt auch positive Aspekte der Corona-Krise: In den vergangenen Wochen gaben die Korbacher Musiklehrer erstmals Online-Unterricht per Skype, Facetime oder mit Online-Konferenz-Programmen wie Zoom. Die Erfahrungen sind überwiegend gut: „Je älter die Schüler waren, desto besser hat das funktioniert“, zieht Horn Bilanz.

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