Junge Politiker diskutieren mit Schülern der Alten Landesschule

Mitreden statt nur reden lassen

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Ob Bahnlinie, Islamunterricht oder G8: Timo Lockemann (Junge Union), Jochen Rube (Junge Liberale) und Eric Friedewald (Jusos) diskutierten mit den Schülern der Alten Landesschule über politische Themen. Schulsprecherin Nicole Schäfer moderierte.

Korbach - Soll Islamunterricht an Schulen angeboten werden? Lohnt die Investition in die Reaktivierung der Bahntrasse? Und wie stehen Schüler zum demografischen Wandel? Jungpolitiker stellten sich gestern in der ALS den Fragen der Schüler.

Ihnen wird Politikverdrossenheit vorgeworfen, der Titel „Spaßgeneration“ verliehen oder eine größere Affinität zum Internet als zur Realität unterstellt. Und doch engagieren sich immer mehr Schüler wieder in den Jugendverbänden der Parteien, sie wollen mitdiskutieren und mitgestalten.

Raum dafür bietet den Schülern der Alten Landesschule regelmäßig die Podiumsdiskussion vom Ring der Politischen Jugend. Vertreter der Jungen Liberalen, der Jungen Union, der Jusos, zuweilen auch der Grünen und der FWG setzen sich dann aufs Podium, diskutieren über aktuelle Themen, die Schüler betreffen und laden die Jugendlichen dazu ein, ihre Meinung zu sagen. Gestern waren in der ALS Timo Lockemann (Junge Union), Jochen Rube (Junge Liberale) und Eric Friedewald (Jusos) zu Gast - die Grünen hatten kurzfristig abgesagt, die Freien Wähler sich gar nicht erst gemeldet.

Angst vor Wettbewerb

Vor den künftigen ALS-Abiturienten brachte Schulsprecherin Nicole Schäfer versiert Themen wie G8, Islamunterricht, die Bahnstrecke und den demografischen Wandel zur Sprache.

„Wir sehen das achtjährige Gymnasium als gescheitert hat“, verkündete dann Friedewald und forderte die Rückkehr zum vertrauten Prinzip. Zu wenig Freizeit, zu wenig Individualismus, zu wenig Förderung der Selbstständigkeit, kritisierte er. Überhastet eingeführt, fand Rube und Lockemann forderte, die Entscheidung über G8 oder G9 künftig Schülern und Eltern zu überlassen. Währenddessen machten sich Schüler im Publikum sorgen um den internationalen Vergleich. „Wie sollen wir wettbewerbsfähig sein, wenn wir länger zur Schule gehen“, fragte eine Schülerin. Mut zur Qualität statt zur Quantität, forderte Friedewald von der Mitschülerin.

In Sachen Islamunterricht waren sich dann alle einig - ob Politiker oder Schüler: „Er muss und er wird kommen“. Und als sich der Zuschauer schon fast über die ständige Einigkeit wunderte, kam das Thema „Bahnlinie“ auf den Tisch. „Die Reaktivierung ermöglicht die Anbindung der Region ans Netz“, freute sich Friedewald, „sie schafft Möglichkeiten für den Tourismus und der finanzielle Einsatz wird sich lohnen“. Der Widerspruch ließ nicht lange auf sich warten.

Bus oder Bahn?

„Wir kämpfen um den Erhalt des Anrufsammeltaxis und hauen für 16 Millionen Euro eine Bahnlinie raus“, beschwerte sich Lockemann, „für das Geld könnten wir Busse mit warmen Speisen und Massagen anbieten“. Und auch Jochen Rube wollte sich nicht über die Pläne freuen. „Busse sind eine gute Alternative“, stellte er fest, „für die Bahn gibt es hier gar keine Notwendigkeit“. Und darin waren sich auch die meisten Schüler einig: „Wir profitieren davon wenig“.

Von den Jugendlichen hätte man sich zuweilen mehr Diskussionseifer und weniger Parteibegeisterung gewünscht, während die Jung-Politiker mutig genug waren, auch über Parteigrenzen hinweg zu argumentieren.

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