Berthold Schreiber nimmt nach 18 Jahren Gemeindebrandinspektor seinen Helm

Mittendrin fühlt er sich am wohlsten

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Vöhl-Obernburg - Berthold Schreiber wird am Freitag offiziell seinen Abschied vermelden - vom Amt des Gemeindebrandinspektors in Vöhl und von der Feuerwehr. Während der Versammlung der Wehren stellt er die Gleise Richtung Zukunft.

Er erinnert sich an jeden Einsatz. Fast 1000 Mal ist Berthold Schreiber mit Feuerwehruniform und Helm ausgerückt - immer mit seinen Kameraden. Sie haben Leben gerettet, Brände gelöscht, Opfer aus zerstörten Autos befreit und Menschen sterben sehen. Und wenn sich der 56-Jährige konzentriert, dann sieht er alle Einsätze vor sich. „Meine Erinnerungen sind so wach“, sagt der Obernburger.

Einsatz als Ausbilder

Und das gilt auch für die Ereignisse vor 40 Jahren. Damals gründeten die Obernburger als dritter Ort im Landkreis eine eigene Jugendfeuerwehr. „Wir hatten eigene Uniformen, ein volles Programm, Zeltlager und Wettkämpfe“, sagt Schreiber, „wir waren etwas Besonderes“. Elf Jungs starteten damals in das Abenteuer Feuerwehr. „Und wir konnten wirklich von Abenteuer reden“, sagt Schreiber lachend.

Damals war er gerade 13 und ahnte schon, dass sich mit der Feuerwehr Türe öffnen würden, die sein Leben prägen könnten. Als er das Alter für die Einsatztruppe erreichte, musste er nicht überlegen. Er trat bei und wurde Jugendwart. „Das waren tolle Zeiten“, sagt er, „wenn uns jemand gezeigt hätte, wo wir den Hebel hätten ansetzen können, dann hätten wir die Welt aus den Angeln gehoben.“

Ob er nie gezögert habe, verantwortungsvolle Aufgaben zu übernehmen. „Ich habe gemerkt, das läuft gut“, sagt er, „vielleicht bin ich einfach der Typ dafür“. Das fand auch die Obernburger Wehrführung und so animierten sie Schreiber schnell, an Lehrgängen teilzunehmen und sich weiterzubilden. 1992 übernahm er seinen ersten großen Posten: Er wurde Kreisausbilder im Sprechfunkbereich. „Ich war nie einer, der sich vor den Kameraden aufgebaut hat“, sagt er, „am wohlsten habe ich Mitten zwischen ihnen gefühlt“. Vielleicht wusste das auch die Vöhler Feuerwehrleitung zu schätzen. Denn 1994 fragten sie ihn, ob er nicht die Nachfolge des Gemeindebrandinspektor übernehmen wolle. „Nein, das mache ich nicht“, sagte er. Als sie ihn das nächste Mal fragten, da hatte er darüber bereits geschlafen und sagte „Ja“. 1995 wählten sie ihn.

„Und als ich am Morgen danach aufwachte, da war ich sicher, dass es ein Fehler gewesen war“, sagt er, „für fünf Jahre würde ich nun diesen Posten besetzen müssen“. Aus fünf wurden 18 Jahre.

Im Kopf hatte er immer ein festes Bild davon, wie Feuerwehr sein sollte - eine starke, bereite Einsatztruppe, die handfest zupackt, obwohl sie freiwillig ist. „Die Kameraden haben sich freiwillig für einen Dienst gemeldet, der sie Rund um die Uhr in Anspruch nimmt“, sagt er, „das macht sie zu etwas Besonderem“. Das ist es, was er seinen Feuerwehrleuten und Wehren, den Jugendlichen und Zweiflern immer wieder verdeutlicht. „Aber daraus wächst auch eine Verantwortung“, sagt er. Und die nahm Schreiber Ernst. Ob Schutzkleidung, die entsprechende Technik, Lehrgänge oder Beförderungen: Schreiber baute eine neue Gemeindefeuerwehr auf - mit 250 Kameraden im Rücken. Er war einer von ihnen - mittendrin, so wie er es wollte. „Ich wollte den Wehrführern und Feuerwehrleuten immer den Rücken stärken“, sagt er, „darin habe ich meine Aufgabe gesehen“. Und wer stärkte ihm den Rücken? „Ohne meine Familie und meine Eltern wäre diese Arbeit nie möglich gewesen“, sagt er.

Abschied von der Wehr

Während der Jahreshauptversammlung der Vöhler Feuerwehren Freitagabend wird Schreiber seinen Rücktritt ankündigen - nicht nur von seinen Ämtern, sondern auch aus der Einsatzabteilung. „Jetzt sind andere dran“, sagt er. Bis November bleibt er noch dabei, dann will er gleichzeitig mit dem Bürgemeister abtreten und sein Stellvertreter Bernd Schenk übernimmt fürs erste. „Ich werde nichts aus dieser Zeit vergessen“, sagt er, „alles ist in meinem Kopf“.

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