Sehen Sie die LTE-Abdeckung in Ihrer Straße

Kein flächendeckendes Handynetz und viele Funklöcher: Die Region ist ein Flickenteppich

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1100 neue Mobilfunkmasten sollen in Hessen gebaut werden.

In Nordhessen und Südniedersachsen ist vielerorts an mobiles Surfen nicht zu denken. Wir zeigen im Detail, wo das Mobilfunknetz besonders schlecht ist und erklären, was sich bald ändern soll.

Die Netzabdeckung in Deutschland gleicht einem Flickenteppich. Nur rund 53 Prozent der Flächen im Bundesgebiet sind mit dem schnellen LTE-Netz versorgt - ähnlich sieht es in unserer Region aus. Während es in den Ballungsgebieten und Oberzentren meist noch eine gute Mobilfunkabdeckung gibt, ist der ländliche Raum übersäht mit Funklöchern.

Unsere Funkloch-Karte zeigt: Auch vermeintlich gut abgedeckte Gebiete in der Nähe größerer Dörfer oder von Städten sind in der Region manchmal handyfreie Zone. (Lesen Sie dazu auch: Immer noch kein Netz: Flechtdorfer hoffen auf neue Mobilfunkmasten) Insbesondere in Waldgebieten und auf Landstraßen zwischen zwei Orten gibt es keine Verbindung. Wenn Sie sich in die Karte klicken, sehen Sie auf 250 Meter genau, wie hoch die Abdeckung mit dem schnellen LTE-Standard an jedem Ort in der Region ist:

Um die Ladezeit der Daten zu verkürzen, wurden Gebiete mit hundertprozentiger LTE-Abdeckung in dieser Ansicht zusammengefasst. Die Daten zur Abdeckung stammen aus dem Breitbandatlas des Bundesministeriums für Verkehr und Infrastruktur (BMVI) vom September 2018. Eine Ansicht für langsamere Übertragungstechniken findet sich außerdem beim BMVI. Laut BMVI basiert die Darstellung der lokalen Breitbandversorgung auf freiwilligen Angaben der Breitbandunternehmen. Diese Angaben wurden in Stichproben vom BMVI überprüft. Dennoch könne es lokale Abweichungen zur tatsächlichen Versorgungssituation geben. Diese werden in weiteren Aktualisierungen in den Breitbandatlas eingepflegt, so das BMVI, das keine Gewähr für die individuelle Verfügbarkeit vor Ort übernimmt.

1100 neue Masten in Hessen geplant - Standorte unklar

Damit Karten wie diese in Zukunft weniger Rot zeigen, hat das Land Hessen angekündigt, gemeinsam mit der Deutschen Telekom, Vodafone und Telefonica 1100 neue Mobilfunkmasten bauen zu wollen. Bereits im September, also mitten im Wahlkampf, hatten Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) mit den Mobilfunkunternehmen eine Vereinbarung unterzeichnet.

Sie sieht vor, dass das Land mit rund 50 Millionen Euro den Bau von 300 der 1100 geplanten Masten an Standorten finanziert, die für die Anbieter nicht wirtschaftlich sind. Die letzten Funklöcher sollten bis 2020 verschwunden sein, hieß es vor drei Monaten. Der Pressesprecher des Wirtschaftsministeriums, Marco Kreuter, sagte nun auf Anfrage, die Förderrichtlinie für nicht wirtschaftliche Standorte von Mobilfunkmasten werde derzeit erarbeitet. Die Umsetzung solle nicht 2020, wie im Wahlkampf angekündigt, sondern erst 2024 abgeschlossen sein.

Jedes Unternehmen macht eigene Planung

Die drei Mobilfunkunternehmen Telekom, Telefonica und Vodafone sagen auf Anfrage, jedes Unternehmen mache seine eigene Netzplanung. Den Überblick im Rahmen des Förderprogramms für die neuen Masten solle laut Vereinbarung eine Kompetenzstelle beim Breitbandbüro des Landes haben, so Telefonica-Sprecherin Katja Hauß. Das Förderprogramm sei allerdings noch nicht gestartet. Telekom und Telefonica wollten gegenüber unserer Zeitung noch keine Angaben dazu machen, wo neue Standorte entstehen – auch weil die Planungen noch laufen. Vodafone teilte die Zahl der neuen Stationen pro Landkreis mit. So sollen etwa neue Masten in Kirchheim, Philippsthal, Hersfeld, Cornberg und Heringen errichtet werden.

Unabhängig davon treiben die Anbieter ihre eigenen Pläne voran und kündigen für 2019 und 2020 in Hessen neue Mobilfunkmasten in jeweils dreistelliger Zahl an – wo sie sich wirtschaftlich lohnen. "Der Bau einer Station kostet 200.000 Euro, dazu kommen Betriebskosten", sagt Telekom-Sprecher George-Stephen McKinney.

Bundesweit soll Mobilfunknetz bis 2021 fast flächendeckend sein

Bei einem Mobilfunkgipfel im Juli haben die drei führenden Telekommunikationsanbieter auch auf Bundesebene Großes angekündigt: Im Laufe des Jahres 2021 sollen 99 Prozent der Haushalte in jedem Bundesland mit Mobilfunk versorgt werden. Diese Zusage machten Telekom, Vodafone und Telefonica dem für digitale Infrastruktur zuständigen Bundesminister Andreas Scheuer (CSU).

Es soll neue Sendemasten, sogenannte 4G-Standorte, in bislang unversorgten Gebieten geben sowie tausend neue 4G-Standorte, um die „weißen Flecken“ zu beseitigen. Außerdem sollen tausende bestehende Standorte auf 4G aufgerüstet werden. Das Angebot ist nicht ganz uneigennützig. Die Anbieter machten zur Bedingung, dass die Vergabe der Lizenzen für den nächsten Mobilfunkstandard 5G im nächsten Jahr nach ihren Wünschen läuft.

Hintergrund: Das bedeuten die Abkürzungen der Übertragungstechniken

Viele Smartphonenutzer fragen sich, wie hoch ihre Internetgeschwindigkeit sein muss, damit sie ihr Gerät vollumfänglich nutzen können. Während Chat-Dienste wie Whatsapp auch mit einer geringen Bandbreite genutzt werden können, brauchen Nutzer eine Übertragungsrate von 16 Megabit pro Sekunde, um zügig ein Video herunterladen zu können. Ein Überblick über die Übertragungstechniken:

  • GSM (Global System for Mobile Communications) ist ein Mobilfunkstandard für digitale Mobilfunknetze. Er wird für Telefonie, aber auch für die Übertragung von Datenpaketen und Kurzmitteilungen (SMS) genutzt. Deshalb spricht man bei GSM von der sogenannten zweiten Generation (2G) als Nachfolger von analogen Systemen der ersten Generation. Um die Datenübertragungsrate in GSM-Mobilfunknetzen zu erhöhen, wurde EDGE (Enhanced Data Rates for GSM Evolution) entwickelt. EDGE gilt als Zwischenschritt auf dem Weg zu UMTS.
  • UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) ist die dritte Generation der Mobilfunktechnologie (3G). Aufgrund des Übertragungsstandards können Datenübertragungsraten bis zu 42 Megabit pro Sekunde realisiert werden. Damit ist die Übertragung von Video- und Textdateien möglich.
  • LTE (Long Term Evolution) ist der aktuelle Mobilfunkstandard, der als 4G bezeichnet wird. Mit bis zu 1200 Megabit pro Sekunde sind je nach Empfangssituation deutlich höhere Downloadraten als bei älteren Standards möglich.

So können Sie Ihre Funklöcher melden

Mit der App der Bundesnetzagentur können Sie Funklöcher melden, die App kann hier kostenlos heruntergeladen werden.

Bundestagsabgeordneter Michael Roth (SPD) zur Mobilfunkversorgung

Wie beurteilt die Bundesregierung die jetzige Mobilfunkabdeckung, was wird gegen Funklöcher in der Region getan? Das fragten wir den Bundestagsabgeordneten für den Wahlkreis Werra-Meißner/Hersfeld-Rotenburg, Michael Roth.

Warum ist es in manchen Bereichen immer noch unattraktiv für Mobilfunkunternehmen, die Versorgung aufzubauen?

Michael Roth: In den weniger bewohnten ländlichen Regionen können die Netzbetreiber schlichtweg weniger Geld verdienen als in den bevölkerungsreichen Ballungszentren. Eine flächendeckende und leistungsstarke Mobilfunkversorgung in ganz Deutschland herzustellen, ist für die Netzbetreiber aber nicht die Kür, sondern die Pflicht. Wenn sie Frequenzen ersteigern, verpflichten sich die Mobilfunkunternehmen im Gegenzug, bestimmte Versorgungsauflagen zu erfüllen. Das haben sie auch im Jahr 2015 getan: Bis Ende 2019 soll eine Abdeckung von 98 Prozent der Haushalte mit 4G erreicht werden.

Wie will der Bund der unzureichenden Netzabdeckung entgegenwirken?

Roth: Funklöcher sind gerade im ländlichen Raum ein echter Standortnachteil. Diese Lücken in der Mobilfunkabdeckung müssen behoben werden. Seit Oktober gibt es mit der Funkloch-App der Bundesnetzagentur die Möglichkeit, diese einfach und unbürokratisch zu melden. Mit den so gesammelten Informationen sollen die Mobilfunkanbieter ihre Netze weiter verbessern. Künftig werden wir die Lizenzvergabe noch stärker an Ausbauauflagen knüpfen. Es muss die Vorgabe gelten: neue Frequenzen nur gegen verpflichtende flächendeckende Versorgung.

Michael Roth

Was wird auf Bundesebene getan, um die Mobilfunkabdeckung zu verbessern?

Roth: Beim Mobilfunkgipfel im Juli 2018 haben die Netzbetreiber zugesagt, bis 2021 mindestens tausend neue 4G-Standorte in den weißen Flecken aufzubauen beziehungsweise aufzurüsten. Das ist eine Ausbauoffensive, von der auch unsere Region profitieren wird.

Was ist derzeit die größte Herausforderung, wenn es um Mobilfunkabdeckung geht?

Roth: Es wird sicher nicht leicht werden, eine zukunftssichere und lückenlose Versorgung zu erreichen. Die letzten weißen Flecken sind die schwierigsten und teuersten. Trotzdem bleibt es mein Ziel, auch an jeder Milchkanne eine moderne und flächendeckende Netzinfrastruktur zu schaffen. Dafür setze ich mich ein.

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