Karl-Friedrich Pohlmann baut Motoren und Maschinen im Kleinformat

Bis ins Detail nachgebaut: Korbacher Modelle sogar in Hamburger Museum

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In seiner Werkstatt hat Karl-Friedrich Pohlmann jahrzehntelang an den Modellen gearbeitet und hier stehen sie auch heute noch, geschützt unter Glas. Auf dem Foto steht der Modellbauer neben einer von zwei Antriebsmaschinen der Titanic. Das Gegenstück ist in Hamburg zu sehen. 

Viele Modellbauer bauen Schiffe, Autos oder Flugzeuge nach. Doch der Blick aufs Äußere hat Karl-Friedrich Pohlmann nie wirklich interessiert, er schaute stets nach innen.

Korbach – In rund 40 Jahren hat er 50 historische Maschinen und Motoren als Modelle gebaut. Drei Exemplare haben einen festen Platz im Internationalen Maritimen Museum Hamburg.

„Ich habe mein Leben lang gebastelt und gebaut“, sagt Pohlmann. Doch los ging es zunächst mit zwei ganz großen Exemplaren: In den 60er-Jahren baute er ein Paddel- und ein Motorboot, passend zum Häuschen der Familie am Edersee. Doch anschließend wurden die Bauten kleiner. Erst seien es einfache Dampfmaschinen gewesen, dann wurden die Modelle immer komplizierter, sagt der heute 91-Jährige.

Und dabei geht er unterschiedlich vor. Manches Mal hat er Baupläne samt Guss-Sätzen gekauft und zusammengesetzt, oftmals hatte er aber nur die Zeichnungen – und hat jedes Teil eigens in seiner Werkstatt von Hand angefertigt. Von Computern und CNC-Maschinen habe er keine Ahnung, „ich will alles selbst machen“.

Jahrelang arbeitet Karl-Friedrich Pohlmann so an einem einzigen Modell. „Man muss unglaublich geduldig sein“, sagt er. „Viele wollen beim Modellbau schnelle Fortschritte sehen, das ist mir nicht wichtig.“ Für ihn bedeutet das Arbeiten an den Modellen Entspannung. Stets war dies für den gelernten Kaufmann der Ausgleich zum Beruf.

Prominenter Standort: Das Foto zeigt zwei von drei Modellen Pohlmanns in dem Museum in Hamburg.

Unter anderem hat er so auch die Modelle der beiden Antriebsmaschinen nachgebaut, die in der Titanic liefen. Im Maßstab 1:20 ist eine Maschine 72 Zentimeter lang und 52 hoch. Gewicht: 190 Kilo. Mehrere Bücher über den Untergang des berühmten Schiffes hatte er seinerzeit in die Finger bekommen und schließlich auch alte Skizzen des Antriebs gefunden. Gut dreieinhalb Jahre habe er für ein Modell gebraucht.

Wichtig ist ihm dabei stets auch: Alle gebauten Maschinen und Motoren funktionieren auch tatsächlich, selbst die kleinsten Druckanzeiger. Doch nur äußerst selten dampfen, dröhnen und rattern die Modelle, meist stehen sie, gut geschützt, unter Glas in der Werkstatt. Oder eben im Internationalen Maritimen Museum in Hamburg.

Eingerichtet werden konnte dieses riesige Museum dank der privaten Sammlung von Peter Tamm, eines Hamburger Managers und Verlegers, der 2016 starb. Er habe Tamm gut gekannt, sagt der Korbacher. Und Tamm habe ihn mehrfach gebeten, einige seiner Modelle für die Ausstellung abzugeben. Pohlmann sagte schließlich zu, seitdem stehen drei seiner Schiffsantriebe in dem Gebäude in der Speicherstadt. Zunächst habe er sich ungern trennen wollen von den Stücken, „doch jetzt bin ich stolz darauf“, sagt der Senior. Zur Museumseröffnung war er eigens in die Hansestadt gereist.

"Mut haben, mit dem Hammer drauf zu hauen"

Dabei legte er nie einen Fokus auf Schiffsantriebe. Auch Stromgeneratoren und Motoren von Zügen hat er gebaut. „Mich hat immer die Konstruktion gereizt.“ Aber selbst der begabte Tüftler ist auch mal gescheitert. An einem Opel-Motor von 1929 habe nichts richtig passen wollen, erinnert er sich. Kein Wunder: Manches Teil müsse dabei bis auf den hundertstel Millimeter genau passen. „Dann muss man auch mal den Mut haben, mit dem Hammer drauf zu hauen“, sagt Karl-Friedrich Pohlmann und lacht. Die Überreste habe er verschrottet.

Die Liebe zu Maschinen, so erzählt er, habe er schon als Kind im heimischen Betrieb – Rektol – entwickelt. Die Rührwerke und Abfüllanlagen habe er sich als Junge angeschaut und sei fasziniert gewesen. Seit einigen Jahren jedoch wollen die Augen nicht mehr richtig funktionieren, deshalb musste er seine Leidenschaft aufgeben.

Doch ab und an gönnt er sich mit einem befreundeten Modellbauer eine kleine Freude: Dann wird ein Motor angeworfen „und wir freuen uns wie kleine Kinder“.

Weitere Infos zum Internationalen Maritimen Museum gibt es hier

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