Lucas Mohr und Band begeistern im K20

Musik mit Kante

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Der Sänger mit der Fliege: Zum Start der „Leben, Leben“-Tour ist Lucas Mohr mit seiner Band ins Korbacher Jugendhaus K20 gekommen. Nadine Fingerhut (rechtes Foto) bot als Support ein nachdenkliches Kontrastprogramm.Fotos: Armin Hennig

Korbach - Zum Start ihrer „Leben, Leben“-Tour sind Lucas Mohr und Band am Freitag ins K20 gekommen und haben die Fans im erfreulich gut besuchten Konzert mit erfrischendem Deutschpop plus erheblichem Spaßfaktor begeistert.

Die enorm spielfreudigen Mitmusiker gaben dem Liveauftritt im Korbacher Jugendhaus mit mitreißenden Sololäufen mehr Kante, als sich aus der Studiovorlage des Casting-Show-erfahrenen Singer-Songwriters aus Kassel erahnen ließ.

Beim Titeltrack „Leben, Leben“ ging schon früh der Funk ab

Insbesondere beim Titeltrack mit seiner Absage an das „Leben mit dem Tunnelblick“ ging schon früh der Funk ab, sobald die Rhythm-Section Sebastian Dietrich (Bass) und Nils Sauerland (Schlagzeug) das Trio zum Quartett erweiterte. Beim Opener „Mut“ bewies der Sänger mit der Fliege als Markenzeichen seine Courage als Performer, indem er mit einem eher ruhigen Stück seinen Set eröffnete und dabei ganz vorn an der Rampe stand und aus einer anfangs sehr schmalen Gestik seinen Auftritt entwickelte. Eine optische Parallele zur aufblühenden lyrischen Begleitung, die Michael Linke seinem Keyboard entlockte.

Die vielfältigen Klanglandschaften waren der Aktivposten des Auftritts

Die Harmonie-Vocals von Schwester Julia Mohr unterstrichen die Botschaft der Ermutigung: „Mach so weiter wie du willst.“ Mit dem Paradox „Morgen ist das Gestern von heute“, kritisierte der Singer-Songwriter in „Vergängliche Zukunft“ den Wiederholungsfaktor beim Wechsel der Moden. Im weiteren Verlauf des Konzerts erwies sich das Entfalten einer vielfältigen Klanglandschaft mit ihren zahlreichen Nuancen als Aktivposten des Auftritts, insbe­sondere bei „Glück“ und im Verlauf von „Funke“ entwickelten die fünf Musiker eine faszinierende dynamische Spannungskurve.

Auf inhaltlicher Ebene dominierte dagegen das Thema Selbstvergewisserung eines jungen Mannes vielleicht doch sehr das selbst komponierte Liedgut. Ein Umstand, der durch eine ganze Reihe von unmittelbar aufeinander folgenden Mid-Tempo-Nummern ohne Biss für einen ziemlich einseitigen Eindruck sorgte, insbesondere „Wer kämpfen kann“ wirkte in jeder Hinsicht aus zweiter Hand.

Mangels Abwechslung war der Schwung des starken Starts zur Mitte des Konzerts vollkommen verpufft. Erst die Vorstellung der Mitmusiker zu Variationen über „Staying alive“ läutete das Ende der Schlafwagenphase ein, bei der Mediensatire „Untergang“ zeigten Lucas Mohr und seine zu absoluter Bestform auflaufende Band den so lange vermissten Biss. Im Duett „Unendlich weit“ mit Schwester Julia folgte gleich die nächste Steigerung, einschließlich der bislang besten Rap-Einlage des Konzerts. Mit Julias Frage „Was ist unendlich?“ ging zwar die bislang temporeichste Phase des Auftritts erst einmal zu Ende. Es blieb aber weiterhin abwechslungsreich.

Das Beste hat sich Lucas Mohr bis zum Schluss aufgehoben

Auf den Spuren von Udo Lindenberg glückte bei „So soll es sein“ der musikalische Kontakt zum Publikum, die Aussage „Schreibe weiter meine Lieder, weil es nichts Besseres gibt“, gab einen Ausblick auf die Zukunftspläne des jungen Musikers, der sich mit seinem überaus tanzbaren „Liebeslied an die Musik“ das Beste bis zum Schluss aufgehoben hatte. Dabei erwies sich die ins Finale integrierte Hommage an Coldplay als sprichwörtliches Tüpfelchen auf dem i, so gut wie auf der Bühne des K20 hat „Viva La Vida“ noch nie geklungen. Bei der Solo-Zugabe „Weit draußen“ ging Lucas Mohr noch einen Schritt weiter und bewegte sich mit der Gitarre von der Rampe mitten ins Publikum.

Lag der inhaltliche Schwerpunkt beim Hauptact auf dem selbstbewussten Lebensgefühl eines einigermaßen sensiblen jungen Mannes, so bot Nadine Fingerhut, die vom Perkussionisten Daniel Schultz begleitet wurde, mit nachdenklicheren Tönen und mitreißenden Appellen ans Gewissen und den Einsatz für eine bessere Welt als Support ein weltoffenes Kontrastprogramm.

Auf inhaltlicher Ebene entsprach die Sängerin und Komponistin aus Vöhl, die allerdings auch viel mehr Erfahrung auf ihrer Seite zu verbuchen hat, eher dem Anforderungsprofil des Singer-Songwriters. Das Friedenslied „Waffen nieder“ hatte echte Ohrwurmqualitäten, die dem Anliegen sehr entgegenkommen. Ihr Auftritt beim Kasseler Ostermarsch am 6. April wird wohl die optimale Atmosphäre bieten.

Von Armin Hennig

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