Neujahrskonzert begeistert Publikum

Musik wie prickelnder Champagner

Korbach/Bad Arolsen - Mit zwei ausverkauften Neujahrskonzerten in Korbach und Bad Arolsen hat das Waldeckische Kammerorchester Glanzlichter in der heimischen Musiklandschaft gesetzt. Zur Programmpremiere am Samstagabend kamen 600 Zuhörer in die Korbacher Stadthalle.

Der Auftakt mit Tschaikowskys Polonaise aus „Eugen Onegin“ gab die Richtung für das abwechslungsreiche bis brillante Programm vor, das folgte. Temperamentvoll und opulent legte das gut fünfzigköpfige Ensemble los, mit durchdringenden Bläsern und sirrenden Streichern, die auch mal in den Walzertakt übergingen und damit schon ein Stück weit in Richtung des traditionellen Johann-Strauß-Abschlusses blicken ließen. „Eine Musik wie prickelnder Champagner“, ließ sich Dirigent Rainer W. Böttcher dazu in dem randvoll gefüllten Saal vernehmen. Ein wenig atemlos allerdings, denn mit seinem unvergleichlichen Schwung war der Maestro bereits beim ersten Stück gemeinsam mit seinen Musikern über die Bühne gewirbelt. Eine der Besonderheiten des Kammerorchesters, zu dessen Besetzung neben gestandenen Instrumentalisten und Berufsmusikern auch immer mehr Schüler gehören, ist seine Professionalität, die dem Ensemble regelmäßig volle Säle beschert. Ein weiteres Markenzeichen ist die Vielseitigkeit, die von den Musikern mit dem Sprung zu den beliebtesten Sätzen aus „Schwanensee“ und drei flotten „Ungarischen Tänzen“ von Johannes Brahms sogleich unter Beweis gestellt wurde. Wurde eben noch der letzte Tanz mit schallenden Becken beschlossen, ging es mit „I would have danced all night“ aus dem Musical „My Fair Lady“ in einer ganz anderen Liga weiter. Dazu hatte sich das Orchester die Unterstützung der Kasseler Sängerin Sabine Roppel geholt. Mit starker Stimme und warmem, rauchigem Timbre interpretierte Roppel auch zwei Filmsongs, nämlich auf schwedisch „Gabriellas Song“ und Beyoncés „Listen“, ein Popsong mit opulenter Orchesteruntermalung. Den Klangexperimenten und dem „Crossover“ hatten sich die Waldecker Musiker und ihre Gäste auch nach der Pause verschrieben. Im abgedunkelten Saal sorgten die Posaunisten Christoph Baader und Detlef Landeck aber erst mal für leichte Verwirrung. Einmal von ganz rechts, einmal von links ertönten zaghafte Posaunenklänge, die wie im Dialog langsam aufeinander zu und die beiden Solisten schließlich auf die Bühne führten. Beide gehören der Kasseler Formation „Sounds of Change“ an, die nach eigenem Bekunden „Pop, Jazz und Klassik in einer unmöglichen Besetzung kombinieren“ will. Das gelang dem Quartett beim Neujahrskonzert auf erfrischende Weise, als sich noch Pianistin Natsuko Inada, Sängerin Sabine Roppel sowie das Kammerorchester hinzugesellten und gemeinsam Evergreens im jazzigen Gewand bis zum Händel-Klassiker präsentierten. Begeisterten Applaus gab es für diese beim Neujahrskonzert neuartige Einlage, zumal Dirigent Böttcher erklärte, wie viel Spaß es den Musikern mache, bei einer solchen Resonanz auf der Bühne zu musizieren, statt wie üblich „im stillen Kämmerlein“ zu proben. Mit Bruce Healeys „A Tribute to the Beatles“ sollte die Publikumsresonanz indes noch an Intensität gewinnen. Eine gefühlte halbe Stunde lang spielte das Orchester Hit auf Hit der „Fab Four“, jedes einzelne, von „Yesterday“ über „Blackbird“ und „Come together“ bis hin zu „Lady Madonna“, aufwendig für großes Orchester nebst Instrumentalsoli arrangiert. Das vom Dirigenten vorsorglich als „schweres Arrangement, an das wir uns da ranwagen“ angekündigte Experiment dürfte für die meisten Zuhörer ein Höhepunkt des Konzerts gewesen sein.„Zum Runterkommen“, so der schmunzelnde Maestro, wurde anschließend erst Strauß’ gezupfte „Pizzicato-Polka“ angestimmt, bevor mit dem „Frühlingsstimmen-Walzer“ noch einmal alle musikalischen Kräfte aufgeboten wurden. Und noch ein dritter Strauß war drin – diesmal zum Dank für den langen und herzlichen Applaus, den das Publikum den strahlenden Künstlern spendete. Von Sandra Simshäuser

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