Chor „7 Ups“ zu Gast bei Birštonas Resort Festival in Litauen

Musikalische Botschafter

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Der Gospelchor „7 Ups“ (oben und links) ist im litauischen Birštonas aufgetreten – und hat dabei zusammen mit Hans-Peter Feddersen (rechtes Bild, l.) Korbach im Ausland repräsentiert.Fotos: pr

Korbach - Gospelsänger aus dem Waldecker Land fanden sich in Litauen in einer ungewohnten Situation wieder: Sie marschierten mit dem Premierminister im Festzug, brachen Traditionen aus Sowjetzeiten und spielten Botschafter für Korbach und die Bundesrepublik.

„Wir dachten, es wäre schön, mal im Ausland zu singen“, sagt Michael Stich vom Gospelchor „7 Ups“. Was die 13 Frauen und Männer dann aber im litauischen Birštonas erlebten, übertraf ihre Erwartungen: Aus drei geplanten Auftritten wurden acht. Und bei denen wurde ihnen alle Ehre erwiesen.

Chorsänger sind plötzlich Botschafter

Den Anlass gegeben hatte Hans-Peter Feddersen aus Leck in Nordfriesland, Vater von Chormitglied Tyche Feddersen und Ehrenbürger von Birštonas. Auf seine Anregung bewarb sich der Chor um den Auftritt auf dem Festival „Mineralizuokis“ – zu deutsch „Mineralisiert Euch“, nach den berühmten Quellen des Kurorts.

Mehr als 150000 Menschen haben das Fest Schätzungen zufolge besucht. Ein Festzug mit knapp 50 Gruppen eröffnete das Fest. „Wir dachten, wir werden da irgendwo eingereiht“, erklärt Stich – den überraschten Sängern wurde indes erklärt, dass sie an dritter Position „gern gesehen“ wären. So fand sich die Gruppe nur hinter Fahnenträgerinnen und dem traditionellem Orchester wieder, direkt vor Premierminister Algirdas Butkeviius sowie Kabinettsmitgliedern und umringt von Security.

Während Michael Stich ein Fernsehinterview gab, fand sich Tyche Feddersen im Gespräch mit dem Regierungschef wieder, der seinem Gast mit dem Umhängen eines Schals eine große Ehre erwies: „Wir haben nicht gewusst, dass wir da die Bundesrepublik Deutschland vertreten“, beschreibt Tyche Feddersen sein Erstaunen.

Die Gäste durften auch mit einer Tradition brechen: Als erste Gastgruppe sangen sie bei der Eröffnung – seit 40 Jahren folgten dem Orchester immer direkt die Reden der Politiker. Sie sangen a capella das Friedenslied „I’ve Got Peace Like a River“ – angesichts ihrer Repräsentantenrolle nervös wie nie. „Wir waren richtig überwältigt. Aber es war das erste Mal, dass wir jeden Ton so akkurat getroffen haben“, sagt Stich freudig. Im Repertoire hatten sie auch Stücke in der Landessprache.

Eindruck bei Premier und Bürgermeisterin gemacht

Nur drei Tage waren die Gospelsänger in Litauen, aber sie haben viele Erinnerungen mitgenommen: Riesig war die Freude, als Hans-Peter Feddersen mitten in einem Kirchenkonzert die Geburt eines Enkels verkündet wurde. Bedrückend waren Besuch und Kranzniederlegung in einem Lager für deutsche Gefangene des Zweiten Weltkriegs. Hilfe leisteten die Sänger in einem Altenheim, in dem sie neben Musik Kleider, Krücken und Bilder aus dem Lebenshilfe-Kindergarten ablieferten. Und stolz sind sie, mit dem Volkslied „Žemj Lietuvos“ und der litauischen Nationalhymne nach zwei Silben Tränen in die Augen der Gäste getrieben zu haben.

Auch bei den Würdenträgern kamen die „7 Ups“ laut Stich gut an, der Premierminister habe sie für ein Treffen der baltischen Staaten und Georgiens angefragt. Bürgermeisterin Nijol Dirginien wolle die Korbacher Gastgeschenke erwidern – und habe erklärt, dass eine Rückkehr des Chors „gern gesehen“ wäre.

Von Wilhelm Figge

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