Klaus Lage in der ausverkauften Stadthalle

Musikalische Lebensreise

Korbach - Mit einer musikalischen Autobiographie und seiner Gitarre im Gepäck gastierte Klaus Lage in der ausverkauften Stadthalle.

Die vorgestellten Kapitel aus der musikalischen Lebensreise reichten von den Anfängen als Straßen- und Kneipenmusiker über die goldenen Achtziger bis hin zur Bilanzballade am Sylvesterabend 2014. Nach einem lakonischen „Freue mich auch“ als Reaktion auf den freundlichen Begrüßungsbeifall ging es gleich los mit der Städteliste von „Immer unterwegs“ und Erfahrungswerten wie „Kann nirgends bleiben, muss immer raus, habe eine Wohnung und kein Zuhaus“. Mit einem knurrigen „Yeah, immer unterwegs“ klang der Rückblick auf den Tourkalender aus. Danach freute sich der Singer-Songwriter darüber, „dass ihr Zeit und Lust habt, mich auf meiner kleinen Zeitreise zu begleiten, mit den Fixpunkten Familie und Bühne“. Alles andere als heimelig ging es zu in „Wieder Zuhaus’“, einem dichten Stimmungsbild von der Heimkehr des noch nirgendwo angekommenen Zwanzigjährigen bei der Mutter in Soltau. Seinen Weg vom Berliner Straßenmusiker und beliebten Lokalakt in Kneipen zur ersten Single samt Vorstoß in die Gebrüder-Blattschuss-Liga illustrierte Klaus Lage mit Ausschnitten aus Liedern, die sich der Komponist nur selbst verzeihen kann: „Stärker als ein Fuchs und schlauer als ein Stier“, lautete denn auch der ironische Refrain von „Alle hams geschafft außer mir“. Die Reggae-Klänge von „Komm halt mich fest“ markierten auch qualitativ den Start der eigentlichen Karriere mit der Klaus-Lage-Band. .„Ich kann auf alles verzichten, nur nicht auf dich“ lautete dagegen die altersweise Absage im gerade erst entstandenen nächsten Titel. „Volle Kraft voraus“ hieß es zum Abschluss der ersten Konzerthälfte, eine erst im November auf Kiel gelegte Single zugunsten der Gesellschaft Schiffbrüchiger. Drei Favoriten aus Lages in den Achtzigern eingespielten Top Ten hatten ihren Platz im ersten Durchlauf gehabt, fünf weitere Klassiker und ihre spannende Vorgeschichte ertönten nach der Pause. Das als Widmung an ein alt gewordenes Vorbild komponierte und dann zum Gewerkschaftssong umfunktionierte „Monopoly“ machte den Anfang der Best-of-Serie. Bei „Faust auf Faust“ engagierte sich das Korbacher Publikum auch unaufgefordert als Chor. Gelegenheit zum Zurücklehnen und Genießen hatten die Zuhörer bei der schwelgerischen Interpretation von „Schweißperlen“, Titeltrack des Erfolgsalbums, auf dem sich auch Lages musikalische Visitenkarte schlechthin befindet: „1000 und 1 Nacht“. Nach einem flirrenden Intro folgte eine denkbar langsame Fassung des Liedes um zwei Vertraute, die ein „Zoom“-Augenblick zum Liebespaar machen sollte. Verweigerte sich die allzu relaxte Interpretation des Klassikers ein wenig den Mitsingimpulsen, so traf das vergleichsweise ruhige „Ihr müsst sie nur einmal mit meinen Augen seh‘n“ spontan die Stimmungslage sämtlicher Frauen im Saal. Ein einziges warmes Mitsummen von weiblichen Stimmen füllte die Stadthalle, anscheinend fühlten sich alle Damen vom Loblied auf die unterschätzte Größe angesprochen. Ein wenig Vanitas war beim Blick zurück auf 50 Jahre Musik machen schon mit im Spiel: bei der Erinnerung an Joe Cocker, der den von Klaus Lage geschriebenen Titelsong zum zweiten Schimanski-Film interpretiert hatte, oder an den Gitarristen der Klaus-Lage-Band. Das mit sehnsuchtsvoller Stimme angestimmte „Gutes Ende“ handelte denn auch vom Übergang in die Welt, in der sich schon Vater und Mutter befinden. Mit dem Titeltrack der Tour „21 Lieder“ unternahm Klaus Lage auf einer weiteren Zeitreise die letzte Standortbestimmung des offiziellen Programms, das lediglich 17 Titel umfasste. Doch die Begeisterung der zu Standing Ovations aufgesprungenen Fans ließ Lage keine andere Wahl, als die Zahl mit zwei Zugabenblöcken voll zu machen.Als Hommage an den gerade erst auf die Welt gekommenen zweiten Enkel stimmte der stolze Großvater die Fütterungshumoreske „Pappsatt“ an. Bei den restlichen Zugaben zählte nur noch die Liebe in sämtlichen Lebensphasen „Wenn Liebe wärmt und nicht verbrennt“, lautete die Entscheidung während der Midlifecrisis in „Jetzt erst recht“, „Eine halbe Kilo abgenommen und dich nach wie vor zum Fressen gern“ war der Lichtblick in „Jeden Tag“ Mit „Die Liebe bleibt“ (As tears go by) verabschiedete sich Klaus Lage von seinen Korbacher Fans. Von Armin Hennig

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