Konzerte in Korbach und Bad Arolsen

Musikalische Reise durch Europa mit dem Waldeckischen Kammerorchester

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In der Fürstlichen Reitbahn: Das Waldeckische Kammerorchester spielte am Sonntag in Bad Arolsen

Korbach/Bad Arolsen – Ganz im Zeichen Europas stand im Jahr des angekündigten Brexits das Neujahrskonzert, mit dem das Waldeckische Kammerorchester das Publikum am Samstag in Korbach und am Sonntag in Bad Arolsen begeisterte. Zum Auftakt wählte Dirigent Rainer Böttcher das als Eurovisionsfanfare bekannte Vorspiel zum Te deum von Marc-Antoine Charpentier.

Das Neujahrskonzert wandelte auf den Spuren der Londoner „Night of the Proms“ und nahm ebenso die Wiener Tradition mit der Huldigung an die Walzer der Strauss-Dynastie auf. Mit „Freude schöner Götterfunken“ zum Mitsingen folgte die nächste Reverenz an eine Musik-Größe, Leonard Bernstein hatte das Publikum in Berlin nach dem Mauerfall die „Ode an die Freiheit“ anstimmen lassen.

Der Chor in der restlos ausverkauften Korbacher Stadthalle stimmte gerne mit ein. Dabei geriet schon das Vorspiel zur klanglichen Delikatesse, in dessen Verlauf sich instrumentale Bandbreite ausgehend von der ersten Intonation der Hymne durch die Kontrabässe ständig weiter verbreitete und die Übernahme des Themas durch die ersten Geigen für Glücksgefühle sorgte.

Hohe Spielkultur und klare interpretatorische Handschrift verbanden sich auch beim Abstecher nach Norwegen mit Ausschnitten aus Edvard Griegs Peer-Gynt-Suite. Die Flöte von Eberhard Enß eröffnete eine alles andere als vernebelte Morgenstimmung, die klanglichen Konturen und Strukturen des gern verwischten Stücks blieben stets präsent, sodass jede Instrumentengruppe zu ihrem vollen Recht kam.

Auch der Arabische Tanz geriet zum voll ausdifferenzierten Klangerlebnis vom schüchtern-verhaltenen Beginn mit Flöten und Schlagwerk über die einschmeichelnde Tanzweise für Streicher bis zum triumphalen Finale für volles Orchester. Lebhafte und eher innige Stücke wechselten im weiteren Verlauf der Klangreise durch Europa ab.

So folgte auf Ennio Morricones Idyll „Gabriels Oboe“ mit Ute Liebich am Soloinstrument und dem Orchester in der Rolle des Wasserfalls das temperamentvollste Werk des Abends: Antonin Dvoraks „Furiant.“ Auch die in Schmillinghausen lebende Weltklasse-Geigerin Claudia Renz bot ein eindrucksvolles Kontrastprogramm für Violine. Auf das Feuerwerk des „Rondo et capricioso“von Camille Saint-Saens folgte eine innige Interpretation des „Andante“ aus der a-moll-Sonate von Bach.

Sanfte Lebhaftigkeit und strömende Urgewalten, die Moldau von Friedrich Smetana verbindet beides mit einer unwiderstehlichen Melodie. Zwei weitere Flüsse spielten im Verlauf der zweiten Hälfte eine prominente Rolle: In der Welt der Musik mündet die Eder schon mal in die Donau, so in der Vereinigung von Johann Schrammels „Wien bleibt Wien“ mit dem Waldecker Lied, den Wink mit dem Taktstock verstanden die Sänger im Parkett sofort.

Den Rückweg nach Wien bestritt das Orchester mit der Tritsch-„Tratsch-Polka“ und „Ägyptischer Marsch“. Er führte zurück nach Wien und zum Donauwalzer, bei dem die Tänzerinnen und Tänzer des Rot-Weiß-Clubs Kassel einen unvergesslichen Eindruck hinzu fügten. Von Armin Hennig

Bildergalerie Neujahrskonzert Waldeckisches Kammerorchester

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