„Gemeinsam leben – Zukunft gestalten“: Fragebögen bis Ende Juni abgeben

Musterhafte Mönche in Lichtenfels

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Stellen die Kloster-Trophy als Musterbeispiel einer aktiven Dorfgemeinschaft vor (von links): die „Mönche“ Björn Weickert, Helmut Stracke und Doktorandin Stefanie Koch.

Lichtenfels-Immighausen - Das 360-Einwohner-Dorf Immighausen hat manch anderer Gemeinde etwas voraus: ein aktives Dorfleben. Dafür sorgt unter anderem die Kloster-Trophy.

Das Geheimnis erfolgreicher Dörfer: Je besser die Gemeinschaft, desto mehr Menschen wollen bleiben oder zuziehen. Das jedenfalls glaubt Soziologin Stefanie Koch von der Uni Kassel. Mithilfe des Forschungsprojekts „Gemeinsam leben - Zukunft gestalten“ will sie ihre These mit Fakten untermauern. Die Ergebnisse des Projekts sollen in ihre Doktorarbeit einfließen.

Aktives Dorfleben ist ein Standortfaktor

Gerade auch für eher kleine und abseits gelegene Dörfer wird es in Zeiten des demografischen Wandels immer wichtiger, ihr intaktes und aktives Dorfleben zu bewahren und als „Standortfaktor“ nach außen zu kommunizieren. Ein Musterbeispiel dafür hat Stefanie Koch in der Stadt Lichtenfels gefunden: Mit der Kloster-Trophy haben die Immighäuser vor 20 Jahren den traditionellen Weg verlassen und etwas Neues ausprobiert - mit Erfolg: „Die Kloster-Trophy ist ein Beispiel, wie man selbst aktiv am Dorfleben mitwirken kann“, sagt Koch.

Auf der Suche nach einer Alternative zur Pokalrunde im Sommer hatten die Fußballer aus dem Ort 1995 die Idee zu einer Art „Spiel ohne Grenzen“. Die Ruine der Klosterkirche Schaaken lieferte den Namen - die „Kloster-Trophy“ war geboren. Aus den acht Gründungsmitgliedern wurden die „Mönche“. Bis zu 60 Mannschaften aus der Region und weit darüber hinaus melden sich mittlerweile für den witzigen Wettkampf an. Die Strahlkraft der spektakulären Spiele für den Ort ist enorm: „Immighausen wird immer mit der Kloster-Trophy in Verbindung gebracht“, sagt „Mönch“ Björn Weickert. Mehr als 100 ehrenamtliche Helfer aus dem Ort packen hinter den Kulissen mit an, das ganze Dorf ist schon Monate vor dem Wettkampf auf den Beinen: „Zur Kloster-Trophy sagt keiner Nein, da kommt so gut wie keine Absage“, sagt „Chefmönch“ Helmut Stracke.

Für Stefanie Koch steht fest, gerade auf dem flachen Land, das mit Infrastruktur nicht punkten kann, sind es vor allem das bürgerschaftliche Engagement und das Wir-Gefühl, die entscheidend zur Lebensqualität beitragen - wie bei der Kloster-Trophy. Um das Phänomen zu untersuchen, hat die Doktorandin bereits Fragebögen in den Lichtenfelser Ortsteilen verteilt. „Mit der Beantwortung der Fragen erhalten die Bürger die Möglichkeit, sich konkret an der Entwicklung ihrer Kommune zu beteiligen“, erklärt Koch.

Bis Ende Juni soll die Befragung abgeschlossen sein, die Bögen können bei den Ortsvorstehern oder im Rathaus abgegeben werden. Die Ergebnisse werden nach der Auswertung in jedem Ort bei einer öffentlichen Veranstaltung präsentiert - und dann im Idealfall in konkrete Projekte umgesetzt.

Von Lutz Benseler

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