Brigitte von Hanxleden und Erna Niederquell präsentieren „Waldecksches Kochbuch“ und andere alte Wer

"Mutter" aller Landfrauenkochbücher

+
Freundinnen mit Freude an alten Büchern: Brigitte von Hanxleden (l.) und Erna Niederquell mit dem „Waldeckschen Kochbuch“ aus dem Jahr 1932 sowie dem 1941 erschienenen „Landkochbuch“.

Korbach - „Kulinarisch durchs Jahr“ heißt die WLZ-FZ-Serie, in der Waldeck-Frankenberger regelmäßig ihre Lieblingsrezepte vorstellen. Immer wieder präsentieren auch Landfrauen ihr Können. Besonders alte Rezepte hat die ehemalige Bezirkslandfrauenvorsitzende Erna Niederquell aus Korbach parat.

Kochbücher gehören für Erna Niederquell zum Leben wie das Salz in die Suppe. Die 86-Jährige, die bereits als junges Mädchen die Ausbildung an einer Landfrauenschule im Rheingau aufnahm und später als zweite Frau in Waldeck ihren Meister machte, hat viele Rezepte natürlich längst im Kopf. Dennoch stöbert sie gern in ihren Büchern.

Einige von ihnen haben für Erna Niederquell eine besondere Bedeutung. Zunächst nimmt die Korbacherin ein Werk mit schlichtem grünen Stoffeinband zur Hand: „In dieses Buch, das ich 1943 auf der Landfrauenschule bekommen habe, gucke ich heute noch manchmal rein.“ Das 1941 in Berlin gedruckte „Landkochbuch“ beschreiben die Herausgeber als „Anleitung zur Herstellung nahrhafter, schmackhafter und preiswerter Kost“. Erna Niederquell: „Die Anzahl der Rezepte ist im Vergleich zu heutigen Kochbüchern unglaublich hoch. Aufgrund der Kriegszeit sind allerdings viele sehr magere Rezepte dabei.“

„1000 erprobte Rezepte“

Ganz anders im ältesten Kochbuch, auf das die Korbacherin seit jüngster Zeit zurückgreifen kann: Das „Waldecksche Kochbuch“ mit „1000 erprobten Rezepten“ aus dem Jahr 1932 hat ihre Freundin Brigitte von Hanxleden ihr mitgebracht. „Ich habe es auf dem Dachboden gefunden“, erzählt die Korbacherin über das in Arolsen gedruckte und in Korbach gebundene Buch mit braunem Lederimitateinband. Als Brigitte von Hanxleden entdeckt, dass der Waldecksche Landesfrauenverein das Buch seinerzeit herausgegeben hat, denkt sie gleich an Erna Niederquell, die zu den ersten Landfrauen in Waldeck gehört.

Die Land(es)frauenvereine

„Landesfrauenvereine gab es in Arolsen und Adorf“, blickt Erna Niederquell in die Geschichte zurück. 1933 werden sie von den Nationalsozialisten verboten. Als 16 Adorferinnen - unter ihnen Erna Niederquell - im April 1949 den ersten heimischen Landfrauenverein gründen, tun sie dies jedoch in Erinnerung an die ersten Frauenvereine. Dem Landfrauenverein Adorf steht die gebürtige Flechtdorferin von 1961 bis 1976 vor.

Auch bei der Gründung des Bezirksvereins Wal­deck 1951 ist Erna Niederquell dabei. In den 70er- und 80er- Jahren führt sie diesen und ist bis heute bei Veranstaltungen der Waldecker „Bienen“, zum Beispiel dem alljährlichen Landfrauentag in Korbach, immer gern gesehen.

Wenn die Landfrauenvereinigung also auf den Fundamenten des Waldeckschen Landesfrauenvereins fußt, ist das 1932 erschienene „Waldecksche Kochbuch“ als „Mutter“ aller Rezeptsammlungen, die Waldecker Landfrauen seitdem herausgegeben haben, zu betrachten. „Das alte Buch ist sehr interessant und enthält ebenfalls sehr viele Rezepte“, berichtet Erna Niederquell, während sie die eng mit altdeutscher Schrift bedruckten Seiten durchblättert.

„Die Rezepte haben es allerdings ganz schön in sich“, lächelt Brigitte von Hanxleden und verweist auf eine Auflistung, die für heutige Verhältnisse sehr viele Eier und noch mehr Zucker enthält. Nachkochen würden beide daher eher die Rezepte aus dem jüngsten Werk des Bezirkslandfrauenvereins Wal­deck, dem 2011 veröffentlichten „Waldecker Land Kochbuch“. „Es enthält zwar weniger Rezepte, ist aber toll aufgemacht“, verdeutlicht Erna Niederquell einen weiteren Unterschied zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Ob historisches oder modernes Kochbuch - beiden gemein ist, dass zu jedem Rezept die Autoren genannt sind: Sind es 2011 moderne Landfrauen aus den zahlreichen Waldecker Ortsvereinen, finden sich in den Autorenzeilen 1932 viele Fräuleins, nicht selten aus adeligem Haus. Sie kommen aus Waldeck und aus Pyrmont, das einst zum Fürstentum gehörte.

Besondere Sammlung

„Ich habe große Freude an alten Rezepten“, lächelt Erna Niederquell, als sie das „Waldecksche Kochbuch“ aus den 30er-Jahren neben ihr „Landkochbuch“ aus dem Jahr 1941 legt. Diese Leidenschaft dokumentiert auch eine dritte, kaum jüngere Rezeptsammlung: Seit 1943 trägt die passionierte Köchin in einer Kladde alle Rezepte zusammen, die ihr begegnen. Eigene Eintragungen wechseln sich mit eingeklebten Zetteln, die andere Köchinnen verfasst haben, ab. „Bei einigen habe ich gleich nach der ersten Zubereitung notiert, dass ich sie nicht noch einmal nachmachen muss“, gibt Erna Niederquell offen zu. „Andererseits wundere ich mich manchmal, was ich als junges Mädchen schon selbst gekocht habe.“ Ob Weihnachtsplätzchen, Himbeer- oder Holundersaft - einige ihrer Spezialitäten gehen noch heute auf die überlieferten Rezepte zurück, verrät sie.

„Was koch’ ich nur?“

Die überlieferten Rezepte sind es aber nicht allein, die den Freundinnen Freude bereiten. Schon das Vorwort des „Waldeckschen Kochbuchs“ aus der Feder von Fräulein Luise Roesener aus Arolsen lässt sie schmunzeln. Unter dem Titel „Des Waldeckschen Kochbuchs Wiederkehr“ heißt es dort eingangs in Reimform (Foto): „Heut komm ich im neuen Kleid, frisch aufgebügelt und bereit, die Hausfrauen wieder zu beraten, beim Kuchenbacken, kochen, braten. Zu bannen ihre ew’ge Frage: Was koch’ ich nur am nächsten Tage?“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare